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06.09.2012

11:17 Uhr

Gaskonzern

Gewinn von Gazprom bricht ein

1,9 Milliarden Euro musste Gazprom an europäische Kunden zurückzahlen, nachdem diese erfolgreich gegen zu hohe Preise geklagt hatten. Das hat Auswirkungen auf die Quartalsbilanz: Der Gewinn fällt um gut ein Viertel.

Gazprom-Logo: Der Gaskonzern hat im ersten Quartal einen Gewinnrückgang hinnehmen müssen. ap

Gazprom-Logo: Der Gaskonzern hat im ersten Quartal einen Gewinnrückgang hinnehmen müssen.

MoskauDer Ärger des russischen Gaskonzerns Gazprom in Europa nimmt kein Ende. Das ins Visier der EU-Wettbewerbshüter geratene Unternehmen wies am Donnerstag einen Gewinnrückgang aus, der vor allem durch Rückzahlungen an europäische Großkunden verursacht worden war. Sie hatten Gazprom mit dem Vorwurf, zu hohe Preise zu verlangen, zur Anpassung langjähriger Verträge bewogen.

Die rückwirkenden Gazprom-Zahlungen überstiegen allein im ersten Vierteljahr umgerechnet 1,9 Milliarden Euro (78 Milliarden Rubel) und belasteten die Quartalsbilanz. Der Nettogewinn fiel um fast ein Viertel auf 8,8 Milliarden Euro, wie Gazprom weiter mitteilte.

Unfaire Praktiken: Kommission eröffnet Verfahren gegen Gazprom

Unfaire Praktiken

EU eröffnet Verfahren gegen Gazprom

Mit unfairen Methoden habe Gazprom europäische Konkurrenten behindert, so der Vorwurf.

Die EU-Kommission hat in dieser Woche ein Wettbewerbsverfahren gegen Gazprom eingeleitet. Die Brüsseler Behörde geht dem Verdacht nach, dass Gazprom seine Marktdominanz in Ost- und Mitteleuropa missbrauche. Der Konzern erklärte seine Bereitschaft zu einem Dialog, sieht sich aber als Staatskonzern unter besonderem Schutz.

Am Mittwoch war aus Kreisen verlautet, die Gasexporte von Gazprom nach Europa seien von Januar bis August um zehn Prozent eingebrochen. Beobachter sehen den Monopolstatus des Unternehmens in Gefahr. Sie begründen dies mit der gesunkenen Nachfrage und wachsenden Konkurrenzdruck durch das über den Seeweg nach Europa gelieferte Flüssiggas.

Gas aus Russland

Gegenwart

Gegenwärtig bezieht Deutschland ein Drittel seines Gases aus Russland, das auf einem Viertel der weltweiten Reserven sitzt, und Europa bezieht ein Viertel. Europa versucht, nicht zu abhängig zu werden, und will neue Quellen erschließen, beispielsweise in Aserbeidschan.

Vergangenheit

Vor mehr als 40 Jahren wurde die deutsch-russische Energie-Partnerschaft mit dem Erdgas-Röhren-Vertrag besiegelt. Damals sagte die Sowjetunion - mitten im kalten Krieg - Gaslieferungen in die Bundesrepublik zu. Im Gegenzug lieferte Mannesmann die Röhren und die Deutsche Bank finanzierte den Bau der Pipelines.

Zukunft

Doch selbst die EU-Kommission geht davon aus, dass Russland auch langfristig der wichtigste Lieferant bleiben wird. Zum einen wird der Gasverbrauch steigen, zum anderen sinkt die Förderung in der Nordsee. Die EU-Kommission rechnet damit, dass der jährliche Gasverbrauch in den Mitgliedstaaten bis 2030 von 500 auf 575 Milliarden Kubikmeter steigen wird und die Menge der russischen Lieferungen von 200 auf 215 Milliarden Kubikmeter.

Von

rtr

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