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30.03.2012

08:13 Uhr

Gasleck in der Nordsee

Kritik an Total nimmt zu

VonTanja Kuchenbecker, Michael Maisch

Der Konzern Total kommt bei der Bekämpfung des Gaslecks so gut wie gar nicht voran. Langsam steigt die Kritik am Krisenmanagement in Frankreich. Präsidentschaftskandidat Hollande will sich für schärfere Gesetze einsetzen

Aus einer vor einem Jahr stillgelegten Gasquelle strömt 4000 Meter unter dem Meeresspiegel Methangas aus. Reuters

Aus einer vor einem Jahr stillgelegten Gasquelle strömt 4000 Meter unter dem Meeresspiegel Methangas aus.

Paris, LondonFünf Tage nach der Havarie der Bohrinsel in der Nordsee kommt der Energiekonzern Total bei der Rettung weiter kaum voran. Inzwischen nimmt auch im Heimatland Frankreich die Kritik am Krisenmanagement des Unternehmens zu. Der sozialistische Präsidentschaftskandidat François Hollande teilte mit, er bedauere den Unfall und vor allem „die Konsequenzen für die Umwelt“.

Hollande kündigte an, sich auf höchster europäischer Ebene für deutlich schärfere Gesetze einzusetzen, die die Öl- und Gasförderung in der Nordsee und anderswo regeln. Außerdem werde er sich für bessere Notfallpläne und klare Regeln zur finanziellen Verantwortung starkmachen, sagte Hollande, der gute Chancen auf einen Sieg bei der Wahl in drei Wochen hat. Sein Konkurrent, Staatspräsident Sarkozy, äußerte sich bisher nicht zu dem Unfall.

Experten wie Robert Calcagno, Direktor des Instituts für Meeresforschung in Monaco, kritisierten, dass Total zwar die Technik beherrsche, um Gas oder Öl im Meer zu fördern, aber keine funktionierenden Notfallpläne besitze. Der Konzern sieht sich weiter nicht in der Lage einzuschätzen, wie und wann das Ausströmen des Gases aus dem Förderfeld „Elgin Franklin“ gestoppt werden kann. „Wir bewerten derzeit noch die Lösungen“, hieß es.

Immerhin gelang es dem Unternehmen, das Leck an dem Gasfeld 240 Kilometer vor der schottischen Küste zu orten: Das Gas steige aus einer Quelle 4000 Meter unter dem Meer auf und ströme durch eine Leitung nach oben, die bereits vor einem Jahr versiegelt worden sei. Total erwäge nun, die Quelle von oben mit Schlamm zu verschließen.

Weiterhin besteht die Gefahr, dass sich die Gaswolke entzündet und die Bohrinsel explodiert. Total schickte deshalb zwei Löschschiffe in die Nähe der Plattform. Die Fackel an der Plattform, die das Gas entzünden könnte, dürfte laut Total noch einige Tage brennen und dann von selbst erlöschen. EU-Energiekommissar Günther Oettinger warnte vor einer raschen Zunahme der Explosionsgefahr, sollten sich die derzeit günstigen Windverhältnisse ändern. Total müsse das Austreten des Gases „in den nächsten Tagen stoppen“, sagte er.

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