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07.01.2009

18:17 Uhr

Gasstreit

Ersten Unternehmen geht bald das Gas aus

VonMathias Brüggmann, Stefan Menzel

Das Ausbleiben russischen Erdgases treibt viele europäische Regierungen auf die Suche nach Alternativen zum Gasgiganten im Osten. Und auch erste Unternehmen spüren die Auswirkungen. Bald müssen einige Firmen ihre Produktion drosseln.

Einige Firmen könnten schon bald unter Gasknappheit leiden. Quelle: ap

Einige Firmen könnten schon bald unter Gasknappheit leiden.

BERLIN/WIEN. Während Griechenland verstärkt Flüssiggas aus Algerien anlanden und die Türkei – wie auch die Schweiz – mit Iran neue Lieferverträge abschließen will, versuchen sich die EU-Staaten Bulgarien und Slowakei sowie Österreich mit Notplänen zur Senkung des Gasverbrauchs durch die eisigen Wintertage zu retten. Bulgariens Wirtschaftsminister Petar Dimitrov nannte das vollständige Ausbleiben russischer Gaslieferungen über die Ukraine einen „schweren Schlag gegen die Volkswirtschaft“. Man plane Schadensersatzklagen.

Sofias Regierung legte einen Notfallplan vor, demzufolge Gaslieferungen nur noch an Krankenhäuser, Schulen, Kindergärten und kommunale Fernwärmeversorger garantiert werden. Industriebetriebe würden nur noch versorgt, wenn dies technologisch zwingend sei.

Dem Autozulieferer Continental drohen wegen Gasknappheit schon bald Produktionskürzungen und -stillstände. „Einzelne Standorte in Osteuropa sind vom Stopp der Gaslieferungen betroffen“, sagte eine Firmensprecherin auf Anfrage. „Wir prüfen derzeit die Auswirkungen, unter Umständen wird die Produktion bereits kurzfristig beeinträchtigt. Auch ein teilweiser Produktionsstillstand ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht auszuschließen.“ Inwieweit und wann das die Belieferung der Kunden negativ beeinflusse, lasse sich noch nicht absehen.

In Wien kündigte das Wirtschaftsministerium an, dass die Kraftwerke verstärkt von Gas auf Öl umstellen sollten. Laut einer Ministeriumssprecherin seien aber auch Gas-Rationierungen für die Industrie nicht mehr auszuschließen, wenn die Versorgung mit russischem Erdgas weiter ausfalle.

In der Slowakei sind mit der Raffinerie Slovnaft und dem Stahlproduzenten US Steel die ersten größeren Industriebetriebe dazu gezwungen, ihre Produktion einzuschränken. In Ungarn hat der japanische Autohersteller Suzuki seine Beschäftigten gestern nach Hause geschickt. Auch der österreichische Baustoffhersteller Wienerberger plant einen Produktionsstopp in seinem ungarischen Werk.

Derweil gewinnt die Diskussion um neue Pipelines an Fahrt: Auch in Russland zuletzt skeptisch gegenüberstehenden Ländern wie Ungarn wird jetzt auf den Bau der South-Stream-Pipeline gesetzt. In zwei Rohrleitungen will Russlands Gazprom damit russisches Erdgas durch das Schwarze Meer nach Bulgarien bringen und von dort weiter Richtung Griechenland, Italien und Österreich. Zahlreiche EU-Staaten hatten dies aber wegen der damit einhergehenden Erhöhung der Gasabhängigkeit von Russland abgelehnt – und wegen der Konkurrenz zu Nabucco. So heißt die Pipeline, die von frühestens 2013 an Gas vom Kaspischen Meer über die Türkei, Ungarn und Österreich nach Deutschland bringen soll.

Russland nutzt derweil die Chance, Widerstände gegen russische Gasprojekte zu brechen: Putins Sprecher Dmitrij Peskow machte gestern „die absolute Notwendigkeit der Realisierung von neuen großen Infrastruktur-Projekten wie der Ostsee-Pipeline“ deutlich.

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