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12.09.2011

10:19 Uhr

Gastkommentar

Isetta unter Strom

Jetzt versuchen die Autohersteller mal wieder, uns moderne Kleinstwagen für Pendler anzubieten. Muss man das ernst nehmen? Eine kritische Bestandsaufnahme von Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer.

Ferdinand Dudenhöffer dpa

Ferdinand Dudenhöffer

VW hat beim Statistischen Bundesamt nachgeschlagen: 40 Prozent aller Pendler fahren mit dem Auto alleine zur Arbeit und sind maximal 25 Kilometer unterwegs. In Deutschland gibt es 40,4 Millionen Erwerbstätige. Zieht man die Hausmeister, Metzgermeister, Bäckermeister und all die anderen ab, die in ihren Betrieben wohnen, bleiben gut 38 Millionen Menschen übrig oder 15,2 Millionen Pendler der VW-Kategorie. Was liegt da näher, als sich bei der guten alten Isetta und beim Messerschmidt Kabinenroller schlau zu machen?

Da VW ein innovatives Unternehmen ist, wird die Isetta unter Strom gesetzt und Nils getauft. „Vorsprung durch Technik“-Marketing sollte da nicht zurückstehen. Audi erfindet das „Urban Concept“. Es ist eine der vielen Konzeptstudien der letzten Jahre, die kurz nach ihrer Vorstellung wieder verschwinden. Möglichweise folgt noch einen Architektenwettbewerb und ein Audi-Windpark, um die CO2-freie Urbanität des Urban Concept unter Marketing-Beweis zu stellen. Natürlich bleiben Audi und VW nicht unter sich. Auch Opel zeigt auf der IAA seinen elektrischen Kabinenroller. Derweil bietet Renault bietet das Teil für 6.990 Euro zu Kauf an, freilich ohne Batterie. Die kann man beim Twizzy monatlich samt Strom für 45 Euro mieten. Sind wir also eine neue Art von Mobilität auf der Spur?

Die BMW Isetta wurde von 1955 bis 1962 gebaut. BMW nannte das damals schlicht „Motocoupé“. Das Marketing steckte halt noch in den Kinderschuhen. Immerhin wurden in sieben Jahren 161.728 Motocoupés, also im Durchschnitt 23.104 pro Jahr, verkauft. Nach unserer Rechnung waren in der alten Bundesrepublik schon gut 10 Millionen VW-Pendler unterwegs. Sei´s drum.

Vielleicht lag es ja am Design der Isetta. Nehmen wir also ein Design-optimiertes Beispiel, den Messerschmitt Kabinenroller. Liebevoll von den Insidern auch Fend Flitzer genannt. Zwischen 1953 und 1964, danach hatte man den Versuch aufgegeben, rollten immerhin 67.000 dieser „Karos“, sprich Kabinenroller, durch Deutschland. Na ja, man verdiente damals deutlich weniger und konnte sich die Wunderkiste vielleicht nicht kaufen. Der Siegeszug der Autobanken setzte erst später in Deutschland ein.

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