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12.01.2009

10:59 Uhr

Gastsstreit

RUE: Der ominöse Zwischenhändler

VonTorsten Riecke, Mathias Brüggmann

Der Name ist Programm. So schwer, wie einem der Firmenname Rosukrenergo (RUE) über die Lippen kommt, so schwer ist auch das Wirken des russisch-ukrainischen Gashändlers zu durchschauen. Klar ist nur, dass er in dem Gasstreit zwischen den beiden osteuropäischen Staaten eine Schlüsselrolle spielt. Das Gemeinschaftsunternehmen sitzt als Zwischenhändler nicht nur direkt an der Frontlinie des Konflikts. Wie unter einem Mikroskop lässt sich anhand der Firma auch das Poker um Gas, Geld und Geopolitik beobachten.

Gasdruckanzeige an einer Pipeline von Gazprom in der Nähe von Kiew: Rosukrenergo hat in der Beziehung zwischen den Russen und der Ukraine eine Schlüsselposition inne. Foto: dpa Quelle: dpa

Gasdruckanzeige an einer Pipeline von Gazprom in der Nähe von Kiew: Rosukrenergo hat in der Beziehung zwischen den Russen und der Ukraine eine Schlüsselposition inne. Foto: dpa

ZÜRICH/BERLIN. Um etwas mehr Licht in die Schattenwelt des dubiosen Gashändlers zu bringen, schickte RUE seinen Finanzchef Konstantin Schmeljow vor die Presse nach Zürich. Die Anreise war nicht weit, sitzt das Unternehmen doch im benachbarten Städtchen Zug, wo allerdings nur vier Mitarbeiter ihren Dienst tun. Um die Form zu wahren, brachte Schmeljow zwei Schweizer Advokaten mit, die als Verwaltungsräte beredt schwiegen. Ihre Hauptaufgabe bestand bislang offenbar darin, die Schweizer Regierung in Bern um diplomatische Hilfe zu bitten. In einem Schreiben werfen sie der Ukraine vor, die Gastransporte von Gazprom und RUE nach Europa zu behindern.

Glaubt man dem ehemaligen Gazprom-Manager Schmeljow, ist das Geschäftsmodell von RUE denkbar einfach. Das Unternehmen kauft nach seinen Angaben Gas von den zentralasiatischen Staaten Turkmenistan, Usbekistan und Kasachstan und lässt es vom russischen Gasmonopolisten Gazprom bis an die Grenze der Ukraine liefern. Dort wird der weitaus größte Teil an den ukrainischen Staatsbetrieb Naftogas angeblich zum Selbstkostenpreis weitergereicht und an die ukrainischen Verbraucher geliefert.

Dass Rosukrenergo im Jahr 2007 dennoch einen Profit von 795 Mio. Dollar machte, verdankt das Unternehmen nach Schmeljows Worten allein dem Export von rund zehn Mrd. Kubikmetern Gas nach Europa. Hauptabnehmer sind dort Polen, Rumänien und Ungarn. Auch die Gazprom-Tochter ZMB in Berlin erhält eine kleinere Menge zur Vermarktung in Deutschland. Die Europäer zahlten für das gleiche Gas aber im Durchschnitt mehr als doppelt so viel wie Kiew.

Der Zwischenhändler RUE, dem in Medien und vor Untersuchungsausschüssen immer wieder Verbindungen zur osteuropäischen Mafia nachgesagt wurden, kam überhaupt erst ins Ukraine-Gasgeschäft, nachdem sich Moskau und Kiew vor drei Jahren schon einmal eine Lieferschlacht geleistet hatten: Nachdem Russland tagelang seine Gasexporte in den Westen eingestellt hatte, einigten sich beide Länder darauf, Rosukrenergo einzuschalten. Dank der Mischkalkulation des Zwischenhändlers konnte die Ukraine weiter Gas zu günstigeren Konditionen beziehen als westliche Abnehmerländer von Gazprom.

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