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02.04.2011

09:20 Uhr

Gasversorgung

Moskau mit Vorteilen im Pipeline-Rennen

VonFlorian Willershausen

Die EU ist in ihrer Gasversorgung von Russland abhängig. Das Pipeline-Projekt Nabucco sollte diese Misere auflösen. Doch deren Bau ist heute fraglicher denn je.

Durch diese deutsche Pipeline fließt demnächst vermutlich russisches Gas. Quelle: dpa

Durch diese deutsche Pipeline fließt demnächst vermutlich russisches Gas.

BakuAserbaidschan ist unerhört reich an Rohstoffen. Wer das vor Augen sehen will, sollte von der Hauptstadt Baku stracks gen Norden fahren. Der Weg führt über schlaglöchrige Straßen, vorbei an Dönerbuden und Bretterverschlägen, in denen Menschen hausen. Nach einer Dreiviertelstunde erreicht man Janar-Dagh, den brennenden Berg. Hier drückt die Natur mit aller Gewalt Gas aus dem Fels, das dann abfackelt. Seit mehr als 100 Jahren schon.

Im Sommer brutzeln Jugendliche auf dem brennenden Berg Schaschlik. Sonst hat er keine Funktion; die Förderung der darunter liegenden Gasvorkommen ist wirtschaftlich nicht rentabel. Janar-Dagh steht als Symbol für den Überfluss an Rohstoffen – und die Macht, die das autoritär geführte Aserbaidschan dadurch hat.

In diesem Jahr kommt es in dem Land am Kaspischen Meer zu zwei wichtigen Entscheidungen für die europäische Gasversorgung: Zum einen will die EU künftig Zugriff auf die großen aserischen Gasvorkommen bekommen. So will sie sich aus dem Klammergriff des russischen Lieferanten Gazprom lösen. Zum anderen klärt sich in den nächsten Monaten, ob dieses Gas durch die Nabucco-Pipeline fließen wird – jene Röhre für mehr als zehn Milliarden Euro, die Brüssel als strategisches Projekt unterstützt.

An der Entscheidung der Regierung von Baku hängt alles: Ohne aserisches Gas ist Nabucco tot. Das Konsortium benötigt 20 Milliarden Kubikmeter Gas, damit sich die Pipeline wirtschaftlich rentiert und technisch reibungslos betreiben lässt. Aserbaidschan könnte zwar nur zehn Milliarden liefern. Doch wenn die Aseris erst einmal im Boot sitzen, so das Kalkül des Nabucco-Konsortiums, dürften Verhandlungen mit weiteren Lieferanten wie Turkmenistan oder Irak in Gang kommen, wo ähnlich große Gasreserven lagern.

Kommentare (1)

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02.04.2011, 11:20 Uhr

Offenbar möchte die EU die grossen Gas Reserven in Rumänien nicht anrühren, solange man aus dem Ausland versorgt wird. Niemand braucht sich zur Zeit Gedanken um mangelnde Energie zu machen, eher um deren Förderung in Zukunft.
Gleichermassen verschweigt man in Japan, dass das ganze Land aus geo-thermischer Energie gespeist werden kann. Die Atom Lobby dient lediglich dazu, deren Mitglieder und Shareholder reich zu machen.

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