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14.11.2012

14:52 Uhr

Gazprom

Russischer Versorger gibt in Europa Gas

Der russische Gasriese Gazprom festigt seine Position in Westeuropa mit einem groß angelegten Anteilstausch mit dem Ludwigshafener BASF-Konzern. Doch die massive Expansion birgt auch Gefahren.

Gazprom tauscht Anteile mit dem Chemieriesen BASF. ap

Gazprom tauscht Anteile mit dem Chemieriesen BASF.

MoskauFür den russischen Staatskonzern Gazprom geht ein langjähriger Traum in Erfüllung. Endlich habe der Rohstoffgigant auf westeuropäischem Boden Zugang zum wichtigen Endkundenmarkt, jubelt Gazprom-Chef Alexej Miller. Möglich macht das ein breit angelegter Anteilstausch mit dem weltgrößten Chemiekonzern BASF – dadurch stockt Gazprom seinen Anteil an Gasspeichern und Gashandelsunternehmen massiv auf. So gehört etwa der Kasseler Betreiber Wingas bald komplett den Russen. Die erwerben damit auch wertvolles Know-how.

Mit dem BASF-Deal setzen sich Gazprom und „Gas-Putin“ nun im Westen fest. Bislang bremst vor allem die Europäische Union die Expansionspläne, die der russische Präsident Wladimir Putin stets befeuert. Dazu gehört auch, dass der Kremlchef stets das Dritte Energiepaket geißelt, mit dem die EU eigentlich die Marktmacht von Lieferländern begrenzen will. Mittlerweile hat die EU gegen Gazprom ein Kartellverfahren eingeleitet. Doch wenn sich die Großkonzerne bilateral einigen, hat Brüssel kaum eine Chance.

Welche Grundgüter Deutschland importiert

Deutsche Rohstoff-Einfuhren

Deutschland importierte im Jahr 2010 Grundgüter im Wert von 109,3 Milliarden Euro. Diese teilen sich auf die einzelnen Rohstoffe wie folgendermaßen auf:

Quelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)/Deutsche Rohstoffagentur (DERA)

Rang 9

Auf sogenannte Nichtmetalle entfallen 1,9 Prozent der Rohstoffimporte Deutschlands. Dazu zählen etwa Schwefel, Phosphor oder Edelgase sowie Sauerstoff und Stickstoff.

Rang 8

Eine relativ geringe Bedeutung bei den Rohstoffimporten nimmt Kohle ein. Auf den Rohstoff entfallen 4,3 Prozent der Einfuhren.

Rang 7

Stahlveredler wie Chrom, Cobalt, Mangan oder Molybdän und Wolfram machen 5,2 Prozent der deutschen Rohstoffimporte aus.

Rang 6

Eisen- und Stahlimporte erreichen einen Anteil von 5,9 Prozent der Einfuhren.

Rang 5

Immerhin den fünften Platz der wichtigsten Einfuhren nach Deutschland nehmen Edelmetalle wie Gold, Silber oder Platin ein. Diese werden nicht nur als Schmuck, sondern auch in der Elektroindustrie, der Medizintechnik oder der Autozuliefer-Branche benötigt. Der Anteil von Gold & Co. erreicht 8,5 Prozent der Einfuhren.

Rang 4

Immerhin 13 Prozent der Rohstoff-Einfuhren entfallen auf Energierohstoffe abseits von Öl, Gas oder Kohle. Dazu zählen etwa Kernbrennstoffe wie Uran oder Brennmaterialien für Erneuerbare Energien.

Rang 3

Auf dem dritten Platz der wichtigsten Grundgüterimporte rangieren Nichteisen-Metalle mit einem Anteil von 14,9 Prozent. Dazu zählen etwa Kupfer, Aluminium, Zink, Bronze oder Messing.

Rang 2

Der zweitwichtigste Rohstoff für Deutschland ist Erdgas mit einem Anteil von 21,6 Prozent.

Rang 1

Der wichtigste Rohstoff, den Deutschland importiert, ist Erdöl. Sein Anteil an den Grundgüter-Einfuhren beziffert sich auf 36,4 Prozent.

Vielmehr steigt der Einfluss von Gazprom, bekannt als Trikot-Sponsor des FC Schalke 04, auf den europäischen Gasmarkt immer weiter. Eine regelrechte Gasklammer soll die Abhängigkeit des Kontinents von dem Kremlkonzern erhöhen. Mit der Pipeline Nord Stream durch die Ostsee pumpt Gazprom bereits durch zwei Leitungen das „blaue Gold“ direkt nach Deutschland, ein Ausbau wird erwogen. Und am 7. Dezember beginnt das Unternehmen mit dem milliardenschweren Bau der Röhre South Stream durch das Schwarze Meer und bekommt dann leichteren Zugang zum südeuropäischen Markt.

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Doch der russische Vormarsch beschränkt sich keinesfalls aufs Gas. So ist das Staatsunternehmen Rosneft spätestens mit dem spektakulären Milliardenkauf des russisch-britischen Ölförderers TNK-BP in die Phalanx der Megakonzerne eingebrochen. Nun plant der von Putin-Intimus Igor Setschin geführte Ölriese eine eigene Großbank.

Kommentare (6)

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plumpe_angstmacherei

14.11.2012, 15:14 Uhr

"Eine regelrechte Gasklammer soll die Abhängigkeit des Kontinents von dem Kremlkonzern erhöhen. Mit der Pipeline Nord Stream durch die Ostsee pumpt Gazprom bereits durch zwei Leitungen das „blaue Gold“ direkt nach Deutschland, ein Ausbau wird erwogen. Und am 7. Dezember beginnt das Unternehmen mit dem milliardenschweren Bau der Röhre South Stream durch das Schwarze Meer und bekommt dann leichteren Zugang zum südeuropäischen Markt."
Was ist das für eine Paranoia? Die Nord und South Stream sind nur die Ersatzleitungenleitungen für die durch Erpresserstaaten wie Polen, Ukraine usw. durchlaufenden alten Röhren.
Mehr Gas dadurch zu verkaufen als Europa braucht kann Russland nicht. Wieso wärmt der Autor diesen alten Witz auf?

keine_angst_vor_russland

14.11.2012, 15:48 Uhr

Gazprom macht einen sinnvollen Schritt. Sie festigen ihre Marktposition und sichern Europas Gasversorgung. North und South Stream sind für Europa nur von Vorteil, denn so muss das Gas nicht mehr durch unsichere Staaten wie Ukraine. Langfristig wird Gazprom durch diesen Tausch profetieren, denn zieht die Konjunktur in Europa erstmal wieder an, wird auch der Gasbedarf steigen. Dann aber wird Gazprom schon direkt beim Kunden sitzen und die Nachfrage noch besser bedienen können.

wid

14.11.2012, 16:01 Uhr

Eine Billion Kubikmeter Erdgas kann ich mir nicht vorstellen. Da sind Deutsche Haushalte für lange versorgt. Und auch BASF verdient kräftig daran. Gasprom wird sich ernüchtern müssen: andere Versorger, Brüssel und der Kunde werden sich anders benehmen als erwünscht.

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