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20.06.2012

11:21 Uhr

Gazprom-Verträge

Eon und RWE können auf günstigeres Gas hoffen

Seit Jahren verhandeln Eon und RWE mit dem Gazprom-Konzern über Änderungen ihrer Lieferverträge. Jetzt kommt offenbar Bewegung in die Sache. Eon und RWE könnten bald aus den teuren Langfristverträgen entlassen werden.

Installationen einer Gas-Pipeline in einem Dorf in der Ukraine. dpa

Installationen einer Gas-Pipeline in einem Dorf in der Ukraine.

Moskau/DüsseldorfDer russische Gazprom -Konzern hat seinen deutschen Großkunden Eon und RWE Hoffnungen auf eine baldige Einigung über günstigere Gaslieferungen gemacht. Die zum Teil seit Jahren laufenden Verhandlungen über Vertragsänderungen stünden kurz vor dem Abschluss, sagte Vize-Chef Alexander Medwedew am Mittwoch vor Journalisten

Die Gespräche könnten bis zum ersten Juli abgeschlossen werden. Eon und RWE hielten sich bedeckt und wollten die Äußerungen nicht kommentieren. Sie fordern seit Jahren günstigere Preise von Gazprom, beißen damit jedoch bei den Russen auf Granit.

Gas aus Russland

Gegenwart

Gegenwärtig bezieht Deutschland ein Drittel seines Gases aus Russland, das auf einem Viertel der weltweiten Reserven sitzt, und Europa bezieht ein Viertel. Europa versucht, nicht zu abhängig zu werden, und will neue Quellen erschließen, beispielsweise in Aserbeidschan.

Vergangenheit

Vor mehr als 40 Jahren wurde die deutsch-russische Energie-Partnerschaft mit dem Erdgas-Röhren-Vertrag besiegelt. Damals sagte die Sowjetunion - mitten im kalten Krieg - Gaslieferungen in die Bundesrepublik zu. Im Gegenzug lieferte Mannesmann die Röhren und die Deutsche Bank finanzierte den Bau der Pipelines.

Zukunft

Doch selbst die EU-Kommission geht davon aus, dass Russland auch langfristig der wichtigste Lieferant bleiben wird. Zum einen wird der Gasverbrauch steigen, zum anderen sinkt die Förderung in der Nordsee. Die EU-Kommission rechnet damit, dass der jährliche Gasverbrauch in den Mitgliedstaaten bis 2030 von 500 auf 575 Milliarden Kubikmeter steigen wird und die Menge der russischen Lieferungen von 200 auf 215 Milliarden Kubikmeter.

Eon und RWE schreiben im Gashandel zum Teil hohe Verluste, da sie auf alten Langfristverträgen sitzen. In diesen sind die Preise an den hohen Ölpreis gebunden. Die eigenen Kunden wollen jedoch nur noch die inzwischen wegen des Überangebots an Gas gefallenen Spotmarktpreise berappen. Die Folge: Eon und RWE verkaufen Gas zu deutlich günstigeren Preisen als sie selbst bezahlen. Wegen der fehlenden Einigung auf neue Verträge laufen bereits Schiedsverfahren.

Gazprom gehört zu den wichtigsten Lieferanten der deutschen Energieriesen. Eon bezieht etwa ein Drittel seines Erdgases von den Russen. Für die restlichen zwei Drittel hat Eon inzwischen nach eigenen Angaben bessere Konditionen ausgehandelt. Anfang Mai hatte der Versorger mit dem norwegischen Statoil -Konzern eine Vereinbarung erzielt. Gazprom gilt als harter Verhandlungspartner. Nicht selten gab es bei Verhandlungen, wie etwa zur Beteiligung an Gasfeldern, noch in letzter Sekunde neue Verzögerungen.

Eon und RWE reagierten daher zurückhaltend auf die Ankündigung aus Russland. „Wir nehmen die Äußerungen von Herrn Medwedew zur Kenntnis“, sagte ein RWE-Sprecher, der sie wie Eon aber nicht kommentieren wollte. Es bleibe dabei, dass RWE alle ausstehenden Vertragsverhandlungen mit seinen Lieferanten 2012/13 abschließen wolle.

Von

rtr

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