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08.09.2015

16:31 Uhr

GE übernimmt Alstom-Energiesparte

EU billigt Milliardendeal unter Auflagen

VonThomas Ludwig

Europas oberste Wettbewerbshüter haben die Übernahme der Alstom-Energiesparte durch General Electric gebilligt. Siemens hat damit den Kürzeren gezogen. Es gibt allerdings Auflagen für den Deal.

Der französische Konzern Alstom verkauft sein Gasturbinengeschäft an General Electric und bildet bei Stromnetzen, erneuerbaren Energien und Dampfturbinen, die teils bei Atomkraftwerken zum Einsatz kommen, drei Joint Ventures mit dem US-Konzern. Reuters

Alstom

Der französische Konzern Alstom verkauft sein Gasturbinengeschäft an General Electric und bildet bei Stromnetzen, erneuerbaren Energien und Dampfturbinen, die teils bei Atomkraftwerken zum Einsatz kommen, drei Joint Ventures mit dem US-Konzern.

Brüssel/StraßburgEuropas oberste Wettbewerbshüter haben die Übernahme der Energiesparten von Alstom durch General Electric (GE) genehmigt. Voraussetzung ist allerdings, dass Kernelemente von Alstoms Hochleistungs-Gasturbinen-Sparte an das italienische Unternehmen Ansaldo verkauft werden. „Ich freue mich, dass wir dieses Vorhaben genehmigen und damit zeigen können, dass Europa wirtschaftsoffen handelt, dass Technologie aus Europa Potenzial hat und Investitionen aus dem Ausland anziehen kann“, sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Angesichts der Herausforderungen im Bereich Klimawandel und Modernisierung der Energieversorgung, könne es sich Europa nicht leisten, auf moderne Technologie für Hochleistungsgasturbinen verzichten. Die Veräußerung von Alstoms Schlüsseltechnologie zur Herstellung von Hochleistungsgasturbinen an Ansaldo sorge dafür, dass Unternehmen und Verbraucher in Europa weiter von dieser innovativen Technologie und dem Know-how profitieren könnten.

Die Turbinen kommen in erster Linie in Gaskraftwerken zum Einsatz. Die Kommission hatte Bedenken, dass durch den Zusammenschluss einer der wichtigsten weltweiten Konkurrenten von GE auf dem Markt für Hochleistungsgasturbinen wegfallen würde. GE ist der weltweit größte Hersteller dieser Turbinen, Alstom der drittgrößte. Der Zusammenschluss hätte ein geringeres Maß an Innovationen und höhere Preise auf dem Markt für diese Technologie bedeutet, ohne die Europas Klimaschutzziele kaum erreicht werden können. Die von GE angebotenen Verpflichtungen räumten diese Bedenken nun aus, teilte die Kommission nun mit. Für die Bereiche Stromerzeugung aus Wärmekraft (ausgenommen Gas), Energieübertragung sowie erneuerbare Energien gebe es seitens der Behörde keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken. Hier ergänzten sich die beiden Unternehmen.

Was GE mit Alstom vorhat

Das GE-Gebot

Der US-Industriekonzern bewertet das Alstom-Energie- und Netzgeschäft mit 12,35 Milliarden Euro. Doch anders als ursprünglich geplant werden die gewünschten Teile nicht komplett bei General Electric landen – teilweise wird es auch Joint-Ventures geben.

Staatsbeteiligung

Die französische Regierung steigt parallel zum GE-Angebot bei Alstom ein. Der Staat übernimmt 20 Prozent, die zuvor dem Konzern Bouygues gehalten hat. Laut Vereinbarung kann Paris binnen 20 Monaten nach Abschluss der geplanten Operationen bis zu 20 Prozent der Alstom-Anteile von Bouygues oder am Markt erwerben. Kauft die Regierung direkt bei Bouygues, sind der Marktwert oder mindestens 35 Euro pro Aktie fällig. Gleichzeitig räumt Bouygues der Regierung bereits mit Abschluss der geplanten Kooperation 20 Prozent der Stimmrechte bei Alstom ein.

Was bei Alstom verbleibt

Zu 100 Prozent behält Alstom das Bahngeschäft. Die Sparte baut etwa Nahverkehrszüge, aber auch den Schnellzug TGV. Die Sparte macht jährlich 6,2 Milliarden Euro Umsatz und zählt 28.200 Mitarbeiter.

Es wird eine globale Kooperation im Vertrieb mit GE geben und einen gemeinsamen Einkauf. In einzelnen Ländern wird Alstom GE-Diesellokomotiven fertigen.

Das Gegengeschäft

Alstom übernimmt im Zuge der Transaktion das Geschäft mit Signaltechnik von General Electric und stärkt damit das Eisenbahngeschäft. Die Sparte erzielt jährlich einen Umsatz von 400 Millionen Euro und beschäftigt etwa 1200 Mitarbeiter.

Was komplett an GE geht

Die Amerikaner integrieren die – auch bei Siemens heiß begehrten – Gasturbinen, die in effizienten Kraftwerken zum Einsatz kommen.

Was GE in Joint-Venture einbringt

Mit der komplexen Transaktion entstehen drei Joint-Venture (jeweils 50% Alstom und 50% GE):
- Netztechnik (bestehend aus den Segmenten „Alstom Grid“ und „GE Digital Energy“)
- Erneuerbare (bestehend aus Wasserkraftwerktechnik und Offshore-Windkraft)
- Nukleartechnik (weltweit) und Dampfturbinen (Frankreich-Geschäft)

Nach Angaben der EU-Kommission ist der Markt für Hochleistungsgasturbinen mit nur vier weltweit aufgestellten, technologisch umfassend ausgerüsteten Wettbewerbern ein konzentrierter Markt: Marktführer ist GE, gefolgt von Siemens, Alstom und Mitsubishi Hitachi Power Systems (MHPS). Grund für die Konzentration sind die sehr hohen Anfangsinvestitionen in Forschung und Entwicklung sowie Erprobung und Herstellung; dies führt zu sehr hohen technologischen und finanziellen Markteintrittsschranken. Der fünfte Konkurrent, Ansaldo, hat begrenztere F&E-Kapazitäten, eine kleinere Produktpalette und eine geringere Reichweite.

Die Internationale Energieagentur (IEA) geht davon aus, dass die Erzeugung von Strom aus Gas in Europa mittelfristig weiterhin eine wichtige Rolle spielen und ihre Bedeutung langfristig zunehmen wird. Um die Stromerzeugung in Europa klimafreundlicher zu gestalten sei eine flexible und effiziente Hochleistungsgasturbinen-Technologie in Zukunft unabdingbar.

Auch Siemens hatte sich um den französischen Rivalen bemüht, gegen GE schließlich aber den Kürzeren gezogen. Der US-Konzern lässt sich den Zukauf früheren Angaben zufolge gut zwölf Milliarden Euro kosten.

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