Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.04.2014

21:24 Uhr

Gebot für Alstom-Energie-Sparte

Siemens liefert sich Bieterkampf mit GE

Der US-Konzern General Electric will die Energie-Sparte des französischen Alstom-Konzerns kaufen. Nun schaltet sich aber auch der Siemens-Konzern in die Übernahmeschlacht ein – auf Bitten der französischen Regierung.

Was Siemens mit Alstom vorhat

Video: Was Siemens mit Alstom vorhat

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

ParisSiemens ist in das Rennen um Teile des französischen Rivalen Alstom eingestiegen. Das Münchner Unternehmen habe der Alstom-Führung in einem Schreiben „Gesprächsbereitschaft über strategische Fragen zukünftiger Zusammenarbeit bekundet“, teilte der Dax-Konzern am Sonntag in München mit.

Aus Industriekreisen erfuhr das Handelsblatt am Sonntag, dass sich Siemens auch einen Komplettkauf von Alstom vorstellen könnte. Der Technologiekonzern sei für eine Übernahme finanziell ausreichend gerüstet. Möglich sei aber auch ein Tauschgeschäft: Siemens könne die Energietechnik von Alstom übernehmen, die Franzosen im Gegenzug einen europäischen Zugchampion mit den Siemens-Aktivitäten bilden. Der Siemens-Vorstoß sei sogar schon mit der französischen Regierung abgestimmt.

Der Wert dieser Geschäfte dürfte bei zehn bis elf Milliarden Euro liegen, schrieb Siemens-Chef Joe Kaeser in einem Brief an Alstom-Chef Patrick Kron, den das Handelsblatt (Montagsausgabe) einsehen konnte. Siemens sei bereit, bar zu zahlen. Man könne aber auch im Gegenzug die eigenen Hochgeschwindigkeitszüge oder das Lokomotivengeschäft an Alstom abgeben. Gleichzeitig bot Kaeser eine Arbeitsplatzgarantie an. Siemens könne für mindestens drei Jahre auf Stellenstreichungen in Frankreich verzichten, auch danach wolle man das Geschäft weiter ausbauen. Der Vorschlag sei eine einmalige Gelegenheit, zwei starke europäische Champions zu schaffen.

Stärken und Schwächen von Siemens

Stärke 1

Dividendenstärke

Seit einigen Jahren gilt bei Siemens das Ziel, einen Anteil von 40 bis 60 Prozent des Gewinns nach Steuern auszuschütten, deutlich mehr als früher. Für 2013 gab es wieder eine Dividende auf dem Rekordniveau von drei Euro. Dies entspricht einer Ausschüttungsquote von 57 Prozent.

Stärke 2

Aufträge

Der Auftragseingang, also die Umsätze von morgen, legte im abgelaufenen Geschäftsjahr um acht Prozent auf 82,4 Milliarden Euro zu.

Stärke 3

Ertragsperlen

Die Medizintechnik, der kleinste der vier Siemens-Sektoren, glänzte im vergangenen Geschäftsjahr nicht nur mit der höchsten operativen Umsatzrendite. Auch in absoluten Zahlen lieferte die Medizintechnik mit einem operativen Ergebnis (Ebitda) von zwei Milliarden Euro den höchsten Gewinnbeitrag.

Schwäche 1

Abhängigkeit von Europa

Was in Boomzeiten ein Vorteil ist, wird zum Nachteil, wenn die Konjunktur lahmt – die starke Position von Siemens in Europa. In Südeuropa etwa können die Schuldenstaaten derzeit nur noch wenige große Infrastrukturprojekte anstoßen. Das bekommt auch Siemens zu spüren.

Schwäche 2

Fehlende Innovationskraft

Es gibt Zweifel an der Innovationskraft von Siemens – trotz 60.000 neuen Patenten im Jahr. Denn der Konzern erzielte zuletzt mit seinen Geschäften nur eine Bruttomarge von 27,4 Prozent. Nach Einschätzung von Konzernchef Joe Kaeser ist dies ein Anzeichen dafür, dass Siemens mit seinen Produkten nicht die Preise erzielen kann, die man gerne hätte. Die Produkte sind womöglich nicht immer innovativ genug.

Schwäche 3

Sonderlasten

Vor allem schlecht gemanagte Großprojekte verhageln dem Konzern seit Jahrzehnten die Ergebnisse. 2013 war es besonders arg. Die anhaltenden Probleme bei der Anbindung der Offshore-Windparks an das Stromnetz auf dem Festland, die verspätete Auslieferung von ICE-Zügen, der Ausstieg aus dem Solargeschäft und andere Pannen verursachten im Konzern fast 900 Millionen Euro an Sonderaufwendungen.

Der französische Präsident Francois Hollande hat am Sonntag mit seinen Ministern über die Zukunft von Alstom beraten. Dabei sei es unter anderem um die Belegschaft und den Hauptsitz des Unternehmens gegangen, teilte das Präsidialamt am Abend mit. Ein Sprecher Hollandes sagte, dass das Treffen beendet sei. Am Montagmorgen werde es eine Mitteilung zu dem Thema geben.

Alstom will sich bis spätestens Mittwochmorgen zu seiner künftigen Strategie äußern. Das teilte das Unternehmen am Sonntagabend mit. Der Konzern habe die Börsenaufsicht gebeten, den Handel mit Alstom-Aktien bis dahin auszusetzen.

Gerüchten zufolge will der US-Mischkonzern General Electric (GE) den französischen Konkurrenten zu großen Teilen schlucken – für 13 Milliarden Dollar. Eine offizielle Bestätigung dafür steht aus. Am Sonntag wurde GE-Chef Jeff Immelt nach französischen Medienberichten zu einem Spitzentreffen in Paris erwartet. Das Präsidialamt teile am späten Abend mit, Hollande werde sich am Montag mit dem Konzernboss treffen. Auch der französische Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg werde an der Zusammenkunft teilnehmen. „Le Monde“ hatte berichtet, dass Immelt auch Alstom-Chef Kron sowie andere Konzernvertreter aufsuchen könnte.

Montebourg erklärte indes am Sonntag, es werde keine übereilte Entscheidung geben und sagte das Treffen ab. Er habe am Donnerstag vom GE- und am Sonntag vom Siemens-Interesse erfahren. Die Regierung sei bereit, sich beide Vorschläge anzuschauen. Vor einer Entscheidung müsse aber klar sein, was im nationalen Interesse Frankreichs sei und welche Möglichkeiten es für Alstom sonst geben könnte. Am Samstag hatte die Zeitung „Le Figaro“ berichtet, die Regierung wünsche sich Siemens als „Weißen Ritter“, der ein Gegengebot zu der GE-Offerte abgebe.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

28.04.2014, 10:15 Uhr

Zitat : Siemens ist in das Rennen um Teile des französischen Rivalen Alstom eingestiegen.

- wenn Siemens dabei zum Zuge kommt, ist es das Ende von Siemens !

Es hat noch keine Firma in Deutschland überlebt, die sich mit Französischen Firmen eingelassen haben.

Siemens will halt aus der Geschichte von DUAL, SABA, NORDMENDE, SEL, AEG, HÖCHST,AIRBUS, etc. nicht lernen.

Dann eben Good Bye, Siemens.

Das hat GE sehr clever eingefädelt !

Respekt !

Account gelöscht!

28.04.2014, 11:28 Uhr

Zitat : Siemens liefert sich Bieterkampf mit GE

- wenn Siemens dabei zum Zuge kommt, ist es das Ende von Siemens !

Es hat noch keine Firma in Deutschland überlebt, die sich mit Französischen Firmen eingelassen haben.

Siemens will halt aus der Geschichte von DUAL, SABA, NORDMENDE, SEL, AEG, HÖCHST,AIRBUS, etc. nicht lernen.

Dann eben Good Bye, Siemens.

Das hat GE sehr clever eingefädelt !

Respekt !

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×