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29.09.2015

06:05 Uhr

Gebrauchtwagenmarkt unter Druck

VW-Schummeldiesel – jetzt unverkäuflich?

VonHolger Alich, Lukas Bay, Carsten Herz, Katharina Kort, Helmut Steuer

Wer seinen manipulierten VW-Diesel in die Schweiz verkaufen will, wird keinen Abnehmer finden: Ein neuer Besitzer könnte keine Zulassung erhalten. Welche Auswirkungen der Abgas-Skandal auf den Gebrauchtwagenmarkt hat.

Fakten im Überblick

Das müssen VW-Fahrer jetzt wissen

Fakten im Überblick: Das müssen VW-Fahrer jetzt wissen

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Krefeld/London/Mailand/Stockholm/ZürichDer Schock sitzt tief. Seitdem Volkswagen die Manipulationen an seinen Diesel-Motoren zugegeben hat, fragen sich die Kunden, welche Folgen der Skandal für sie haben könnte. Die Schweiz bereitet bereits einen Zulassungsstopp für alle Fahrzeuge der VW-Gruppe aus den Jahren 2009 bis 2014 vor, die einen der fraglichen Diesel-Motor mit der Ausführung Euro5 haben. Doch anders als in der Schweizer Presse zunächst berichtet, sind davon nicht Gebrauchtwagen betroffen, die bereits in der Schweiz zugelassen sind. Nur bei Gebrauchten aus dem Ausland und Neuwagen will die Behörde die Zulassung verweigern.

„Das Astra (das zuständige Bundesamt für Straßen) bereitet Verfügungen vor, welche verhindern, dass neue, noch nicht zugelassene Fahrzeuge oder Occasionsfahrzeuge aus dem Ausland in Verkehr gesetzt werden können“, teilte das zuständige Bundesamt für Straßen am Montagabend mit. „Nicht betroffen von dieser Verfügung sind Schweizer Occasionsautos und alle bereits in der Schweiz immatrikulierten Fahrzeuge.“ Sprich, wer in der Schweiz einen VW, Audi, Skoda oder Seat mit dem Problemdiesel besitzt, kann den Wagen zunächst weiter gebraucht verkaufen und der Käufer soll auch weiterhin eine neue Zulassung bekommen.

Der VW-Abgasskandal - eine Chronik

Freitag, 18. September

Die US-Umweltbehörde EPA teilt in Washington mit, Volkswagen habe eine spezielle Software eingesetzt, um die Messung des Schadstoffausstoßes bei Abgastests zu manipulieren.

Samstag, 19. September

Die Deutsche Umwelthilfe fordert angesichts der VW-Manipulationsvorwürfe ein Fahrverbot für Dieselautos. Das Problem bestehe nicht nur in den USA, sondern noch stärker in Europa.

Sonntag, 20. September

Winterkorn kündigt eine umfassende Aufklärung an. „Ich persönlich bedauere zutiefst, dass wir das Vertrauen unserer Kunden und der Öffentlichkeit enttäuscht haben“, teilte er mit und erklärt das Thema zur „höchsten Priorität“. Später räumt ein Konzernsprecher ein, dass es zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist.

Montag, 21. September

Volkswagen stoppt den Verkauf von Dieselwagen mit Vierzylinder-Motoren in den USA. Betroffen sind dort Modelle der Kernmarke VW und der Tochter Audi. Die Vorzugsaktie von VW bricht zeitweise um mehr als ein Fünftel ein. In den USA entschuldigt sich VW-Regionalchef Michael Horn: „Wir haben Mist gebaut.“

Dienstag, 22. September

Auch in Absatzmärkten außerhalb der USA gibt es Forderungen, Klarheit über das Ausmaß der Affäre zu schaffen. VW gibt eine Gewinnwarnung heraus und kündigt Milliarden-Rückstellungen an. In einem Video bittet Winterkorn um Entschuldigung.

Mittwoch, 23. September

Winterkorn tritt zurück. „Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen-Konzern möglich waren“, erklärt er seinen Schritt. Der Aufsichtsrat kündigt eine Entscheidung über die Nachfolge an.

Donnerstag, 24. September

Die Affäre bringt die gesamte Industrie in Bedrängnis. Vorwürfe werden laut, auch andere Hersteller könnten manipuliert haben. Viele dementieren das. Daneben gibt es etliche Personalspekulationen rund um VW. Medien berichten, Porsche-Chef Matthias Müller habe die besten Chancen, Winterkorn zu beerben.

Freitag, 25. September

Der VW-Aufsichtsrat wählt Matthias Müller zum neuen Konzernchef.

Montag, 28. September

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig leitet Ermittlungen ein.

Dienstag, 29. September

Volkswagen legt einen Aktionsplan zur Nachbesserung von Dieselwagen mit manipulierter Software vor und will fünf Millionen Fahrzeuge der Kernmarke VW in die Werkstätten holen.

Mittwoch, 30. September

Das Präsidium des Aufsichtsrates tagt. Es schlägt vor, die im November geplante außerordentliche Aufsichtsratssitzung abzusagen. Trotz der Affäre soll der langjährige VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch weiterhin neuer Aufsichtsratsvorsitzender werden.

Die VW-Finanztochter verhängt einen Einstellungsstopp bis zum Jahresende, auslaufende Zeitverträge werden nicht verlängert.

Donnerstag, 1. Oktober

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig rudert zurück: Entgegen früheren Angaben führt sie kein formelles Verfahren gegen Winterkorn. Neuer VW-Finanzchef wird nach dem Wechsel von Hans Dieter Pötsch in den Aufsichtsrat der Leiter der Finanzsparte, Frank Witter.

Freitag, 2. Oktober

Der US-Kongress teilt mit, dass sich VW-Landeschef Michael Horn am 8. Oktober den Abgeordneten in einer Befragung stellen muss. Auf speziellen Internetseiten können Kunden von VW und Audi prüfen, ob ihr Wagen die Manipulations-Software verwendet.

Dienstag, 6. Oktober

Betriebsratschef Bernd Osterloh und Müller sprechen bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg zur Belegschaft. Osterloh betont, bisher gebe es noch keine Konsequenzen für Jobs - laut Müller stellt die Abgas-Affäre aber bereits geplante Investitionen infrage.

Bedenken, dass auch in Deutschland die Zulassung entzogen werden könnte, sind bisher aber noch unbegründet. Das Kraftfahrzeugbundesamt hat VW eine Frist gesetzt, um einen „verbindlichen Maßnahmen- und Zeitplan“ vorzulegen. In diesem Plan muss der Konzern bis zum 7. Oktober darlegen, wie alle betroffenen Dieselmodelle wieder fit für die Straße machen will, oder konkreter: wie die Modelle umgebaut werden sollen, um auch ohne Schummel-Software die Grenzwerte einzuhalten.

Das dürfte allerdings alles andere als einfach werden. Zum einen durch die schiere Zahl der betroffenen Fahrzeuge, die sich nach VW-Angaben auf 2,8 Millionen beläuft. Zum anderen, weil immer noch unklar ist, wie die technische Lösung aussehen kann. Experten gehen davon aus, dass nicht alle betroffenen Fahrzeuge allein durch ein Software-Update repariert werden können. Doch ein Entzug der Typengenehmigung drohe nur dann, wenn der Konzern der Aufforderung nicht nachkomme, heißt es in dem Schreiben weiter. Davon ist derzeit nicht auszugehen.

In der Schweiz hat bereits, noch bevor der vorläufige Zulassungsstopp von den Schweizer Behörden verhängt wurde, der größte Schweizer VW-Importeur reagiert: Amag stoppte Montag ab sofort den Verkauf von Neuwagen mit Dieselantrieb mit der Ausführung Euro5. Laut Amag seien vom Verkaufsstopp einige hundert Neuwagen betroffen, die das Unternehmen noch auf Lager hat.

Eine interne Auswertung der Volkswagen AG habe ergeben, dass in der Schweiz insgesamt 128.802 Fahrzeuge Autos mit dem Dieselmotor vom Typ EA 189 verkauft worden sind; Die Autos sollen nachgebessert werden, sobald eine technische Lösung dafür vorhanden sei, hieß es.

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