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28.05.2014

15:42 Uhr

Gemeinschaftsunternehmen

Siemens will Hausgeräte schnell an Bosch abgeben

Siemens drängt zum Abschluss, Bosch feilscht noch: Eine Entscheidung über den Verkauf der Hausgeräte könnte schon in den kommenden Wochen fallen. Im Raum steht die Drohung, sonst an Samsung zu verkaufen.

Waschmaschinen der Siemens Hausgeräte: Ex-Siemens-Chef Peter Löscher hatte bereits ein Ende der fast 50-jährigen Kooperation mit Bosch erwogen. dpa

Waschmaschinen der Siemens Hausgeräte: Ex-Siemens-Chef Peter Löscher hatte bereits ein Ende der fast 50-jährigen Kooperation mit Bosch erwogen.

München/StuttgartSiemens will seinen milliardenschweren Anteil am Gemeinschaftsunternehmen Bosch Siemens Hausgeräte (BSH) so schnell wie möglich an den Partnerkonzern abgeben. Die Verhandlungen und der Preispoker liefen auf Hochtouren, sagten zwei mit den Gesprächen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Eine Entscheidung könne in den kommenden Wochen fallen, ergänzte einer der Insider.

Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete, drängt Siemens zu einem Abschluss, während Bosch zögert und um den Preis feilscht. Sollten die Stuttgarter nicht bald ein Angebot für die Siemens-Hälfte vorlegen, könne das Paket auch an einen anderen Investor wie Samsung verkauft werden. Die angepeilte Transaktion hat laut FAZ eine Größenordnung von mindestens fünf Milliarden Euro. Alle Beteiligten lehnten eine Stellungnahme ab.

Bosch hat ein Vorkaufsrecht, wenn Siemens aussteigen will. Die Stuttgarter würden sich wahrscheinlich den gesamten Anteil sichern, sagte ein Insider. Hausgeräte gehörten zum Bosch-Kerngeschäft. Zudem peilt Konzernchef Volkmar Denner schon länger Akquisitionen an, auch größere Deals. Für Siemens-Chef Kaeser wiederum zählt BSH nicht zum Kerngeschäft. Er freue sich aber immer über die Gewinne, die das Joint Venture abwerfe, sagte er neulich. Das Gemeinschaftsunternehmen erlöste im vergangenen Jahr 10,5 Milliarden Euro, der Betriebsgewinn sank durch die Kosten für den Rückruf brandgefährdeter Geschirrspüler auf 509 Millionen Euro.

So krempelt Kaeser Siemens um

Größter Umbau seit Jahren

Erst Ruhe und Ordnung, dann der größte Umbau seit Jahren: Ab Mai 2014 packt Siemens-Chef Joe Kaeser überraschend viel an bei Deutschlands größtem Elektrokonzern. Von der Auflösung der Sektoren bis zum weiteren Vorstandsumbau - das Großreinemachen bei Siemens hat begonnen. Und ganz nebenbei traute sich Kaeser noch eine milliardenschwere Übernahme des französischen Industrierivalen Alstom zu und wagte sich dafür in ein Bietergefecht mit dem US-Rivalen General Electric (GE).

Was soll sich bei Siemens verändern?

Die von Kaesers Vorgänger Peter Löscher eingeführte Einteilung in die vier Sektoren Energie, Industrie, Medizintechnik und Infrastruktur & Städte sollte ab Oktober 2014 Geschichte sein, das Geschäft in neun statt bisher 16 Divisionen zusammengefasst werden. Für die Hörgeräte-Sparte, für die vor Jahren ein Verkauf platzte, plant Siemens einen Börsengang. Die restliche Medizintechnik bleibt zwar im Konzern - sollte aber ab Oktober eigenständig außerhalb der neun Divisionen geführt werden und damit unabhängig vom Organisationsaufbau des restlichen Konzerns. Hinzu kommt der Zukauf des Gasturbinen- und Kompressorengeschäfts vom Flugzeugtriebwerkhersteller Rolls-Royce.

Wen treffen die Veränderungen?

Siemens hatte per Sparprogramm 15.000 Stellen gestrichen. Betroffen vom weiteren Umbau sollten vor allem Arbeitsplätze in der Verwaltung sein. Im Zuge des Umbaus gab aber auch der bisher für den Energiesektor zuständige Vorstand Michael Süß seinen Posten an die Shell-Managerin Lisa Davis ab. Süß war 2013 zeitweise sogar als möglicher Nachfolger Löschers gehandelt worden, der nach zwei Gewinnwarnungen in kurzer Folge Ende Juli 2013 Jahres seinen Hut nehmen musste.

Was will Kaeser mit dem Umbau erreichen?

Weniger Bürokratie, schlankere und übersichtlichere Strukturen, eine straffere Führung und mehr Kundennähe dürften zu Kaesers wichtigsten Zielen gehören. Ausdrücklich will er den Konzern auf die Wachstumsfelder Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung ausrichten. Siemens braucht wieder Anschluss an Wettbewerber wie den US-Mischkonzern GE, dem die Münchner seit Jahren in Sachen Rendite hinterherhecheln. Auch in der Akquisitionspolitik will Kaeser nach Rückschlägen seines Vorgängers Löscher zeigen, dass er es besser kann. Vielversprechende Geschäftsfelder stärken und weniger Zukunftsträchtiges abstoßen, heißt dabei seine Devise. Und ganz nebenbei bringt der Umbau weitere Einsparungen: Bis zum Herbst 2016 sollen die Kosten um eine Milliarde Euro sinken.

Welche Rolle spielte der Poker um Alstom?

Beide Baustellen haben zunächst wenig miteinander zu tun. Die Pläne für den Umbau, den Kaeser dem Aufsichtsrat vorlegte, reiften spätestens seit dem Wechsel des früheren Finanzvorstands an die Spitze von Siemens. Wären die Münchner bei den Franzosen zum Zuge gekommen, hätte Kaeser wohl ein weiteres Mal größere Umbauarbeiten beginnen müssen.

Die Drohung, den BSH-Anteil an Samsung zu verkaufen, halten Experten für überzogen. Die Koreaner gehören zu den schärfsten Konkurrenten für den Hausgerätehersteller im Kampf um die Weltspitze. Bei Kühlschränken hat Samsung diese Position bereits erreicht. Um in Europa besser Fuß zu fassen, hat der Konzern eigens ein Entwicklungszentrum in Stuttgart gegründet.

Ein Einstieg der Koreaner würde die Mehrmarkenstrategie von BSH aller Wahrscheinlichkeit nach sprengen und zum Ende des Unternehmens führen. Die Münchner verkaufen Kühlschränke, Waschmaschinen und Herde nicht nur unter den Namen Bosch und Siemens, sondern bedienen sich auch der Marken Constructa, Neff, Gaggenau und Junker. Kaesers Vorgänger Peter Löscher hatte bereits ein Ende der fast 50-jährigen Kooperation mit Bosch erwogen. Der Österreicher, der wegen seiner vielen Spartenverkäufe den Spitznamen „Aus-Löscher“ hatte, stellte BSH dann aber nicht zum Verkauf. Es ist das letzte Geschäft, das der Konzern noch mit Verbrauchern macht.

Von

rtr

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