Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.07.2014

20:08 Uhr

General Motors

600 Millionen Dollar für Entschädigungen

Im Skandal um eine verspätete Rückrufaktion legt General Motors 600 Millionen Dollar für Entschädigungen zurück, weitere 900 Millionen für kommende Rückrufe. Und der Konzern rutscht immer tiefer in die roten Zahlen.

Muss Geld umparken im Konzern: Mary Barra, seit Januar neue Vorstandsvorsitzende von General Motors, kämpft weiter mit dem Skandal um eine verschleppte Rückrufaktion und muss Geld für Entschädigungen zurücklegen. Der US-Autobauer schreibt derweil mit seinen Marken Opel und Vauxhall weiter tiefrote Zahlen. dpa

Muss Geld umparken im Konzern: Mary Barra, seit Januar neue Vorstandsvorsitzende von General Motors, kämpft weiter mit dem Skandal um eine verschleppte Rückrufaktion und muss Geld für Entschädigungen zurücklegen. Der US-Autobauer schreibt derweil mit seinen Marken Opel und Vauxhall weiter tiefrote Zahlen.

WashingtonIm Skandal um den verspäteten Rückruf von Fahrzeugen mit defekten Zündschlössern veranschlagt der US-Autohersteller General Motors (GM) Entschädigungszahlungen von mindestens 400 Millionen Dollar (297 Millionen Euro). Die Summe könnte um weitere 200 Millionen Dollar steigen, teilte GM in seinen am Donnerstag veröffentlichten Quartalszahlen mit. Der Konzern stellte außerdem knapp 900 Millionen Dollar für künftige Kosten von Rückrufaktionen zurück.

Die Pannenserie ramponierte die GM-Bilanz im zweiten Quartal: Der Gewinn brach um 85 Prozent ein. General Motors verdiente von April bis Juni 190 Millionen Dollar, im Vorjahreszeitraum hatte der Profit noch bei 1,26 Milliarden Dollar gelegen. Im ersten Quartal hatte GM bereits einen Gewinneinbruch in der gleichen Größenordnung verkraften müssen.

Das Rückruf-Debakel von General Motors

13. Februar 2014

GM ruft in Nordamerika die ersten 778.000 Wagen wegen Problemen mit den Zündschlössern zurück. Der Schlüssel kann bei voller Fahrt in die „Aus“-Position zurückspringen. GM berichtet von sechs Toten bei Unfällen.

25. Februar 2014

GM weitet den Rückruf auf weltweit 1,6 Millionen ältere Wagen aus. In Europa sind einige Tausend Roadster Opel GT betroffen. Das Unternehmen räumt erste Versäumnisse ein. Nun ist die Rede von 13 Unfalltoten. Verbraucherschützer kommen auf weit höhere Zahlen.

12. März 2014

Aus internen Vermerken geht hervor, dass GM-Ingenieure schon 2001 während der Fahrzeugentwicklung über Probleme mit den Zündschlössern berichteten.

6. März 2014

Barra leitet eine interne Untersuchung ein. Zuvor war bekanntgeworden, dass die US-Sicherheitsbehörde NHTSA überprüft, ob GM den Rückruf verschleppt hat. In US-Medien häufen sich Geschichten von Unfallopfern.

17. März 2014

GM ruft weitere Autos wegen anderer Defekte zurück, etwa wegen Airbag-Ausfällen. Auch aktuelle Modelle sind nun betroffen. Wegen der Zündschlösser gehen die ersten Klagen von Unfallopfern und Autobesitzern ein, die den Wert ihrer Wagen geschmälert sehen.

19. März 2014

Die US-Regierung bestraft Toyota wegen der Pannenserie 2009/2010. Die Japaner müssen 1,2 Milliarden Dollar zahlen. Auch hier lautet der Vorwurf, der Konzern habe die Probleme zunächst vertuscht.

29. März 2014

GM ruft nun auch 1 Million Fahrzeuge neuerer Baujahre wegen der defekten Zündschlösser zurück. Damit steigt die Gesamtzahl für diesen Defekt auf 2,6 Millionen.

31. März 2014

Der nächste Ruf startet wegen ausfallender Servolenkungen. GM beordert nun wegen diverser Mängel insgesamt 6,3 Millionen Wagen in die Werkstätten. Die Kosten schnellen auf 750 Millionen Dollar hoch, später veranschlagt das Unternehmen 1,3 Milliarden Dollar.

2. April 2014

Bei zwei Anhörungen im US-Kongress wird Barra scharf angegangen. Antworten auf die Kernfrage, warum GM so lange mit dem Rückruf der Zündschlösser zögerte, hat sie jedoch nicht.

10. April 2014

GM beurlaubt zwei Ingenieure wegen der Zündschlösser. Zwei Wochen später wird die Entwicklungsabteilung umgebaut und deren Chef scheidet aus. Zwischenzeitlich gehen auch die Personalchefin und der Kommunikationschef.

23. April 2014

GM erklärt, die ersten Ersatzteilpakete mit Zündschlössern versandt zu haben. Nun starten die Reparaturen.

30. Juni 2014

Ein weiterer Rückruf betrifft 8,4 Millionen Wagen weltweit, die meisten davon in den USA. GM zufolge hätten diverse Wagen Defekte. „Unsere Kunden verdienen mehr als das, was wir ihnen mit diesen Wagen geboten haben“, erklärte Firmenchefin Mary Barra in Detroit.

Der größte US-Autobauer wird seit Monaten von einer Rückrufwelle erschüttert. Weltweit musste General Motors seit Jahresbeginn rund 30 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten holen - ein Rekord in der Branche. Besonders betroffen ist der nordamerikanische Markt. Im Mittelpunkt der Qualitätsmängel steht der Skandal um den verspäteten Rückruf von 2,6 Millionen Fahrzeugen mit defekten Zündschlössern, die während der Fahrt in die Aus-Position springen und so neben dem Motor auch die Elektronik ausschalten können.

Mit dem Konstruktionsfehler bringt GM mehr als 50 Unfälle mit 13 Toten in Verbindung. Verbraucherschützer vermuten deutlich höhere Opferzahlen. General Motors wird vorgeworfen, die Lösung des Problems verschleppt zu haben. Offenbar hatten Ingenieure bereits seit dem Jahr 2001 Kenntnis von den defekten Zündschlössern.

General Motors betraute den Staranwalt Kenneth Feinberg mit der Einrichtung eines Entschädigungsfonds. Feinberg hatte Ende Juni erklärt, dass der Fonds "keine Obergrenze" haben werde. Die nun angepeilte Summe von bis zu 600 Millionen Dollar für die Opfer kalkulierte GM auf der Grundlage der Kriterien, die der Anwalt für die Entschädigungszahlungen festgelegt hatte. So soll der Konzern etwa als Wiedergutmachung für jedes Todesopfer mindestens eine Million Dollar zahlen. Dazu kommen weitere Posten für hinterbliebene Ehepartner und Unterhaltsberechtigte.

Unterdessen schreibt das Europa-Geschäft von GM mit den Marken Opel und Vauxhall weiter rote Zahlen. Im zweiten Quartal betrug der operative Verlust nach Konzernangaben dort 305 Millionen Dollar. Das ist mehr als doppelt so viel als im Vorjahreszeitraum, als General Motors in Europa ein Minus von 114 Millionen Dollar einfuhr.

Quartalszahlen unter Erwartungen: Pannenserie frisst General-Motors-Gewinn auf

Quartalszahlen unter Erwartungen

Pannenserie frisst General-Motors-Gewinn auf

Zehn Jahre hat GM gebraucht, bis defekte Teile in Millionen Autos getauscht wurden, und dabei Menschenleben riskiert. Ein Image-Desaster, das der Tochter Opel nützt. Heute wurden auch Summen für die Opfer genannt.

Von

afp

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×