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22.01.2016

18:03 Uhr

General Motors

Musterverfahren zum Zündschloss-Skandal geplatzt

General Motors kämpft wegen fehlerhafter Zündschlösser mit Entschädigungsforderungen. Ein erstes Verfahren hat nun ein abruptes Ende genommen. Dabei sollte der Fall eigentlich Modellcharakter haben.

Defekte Zündschlösser konnten bei voller Fahrt in die „Aus“-Position springen. AFP

Defekte Zündschlösser konnten bei voller Fahrt in die „Aus“-Position springen.

New YorkRund zwei Jahre nach dem Rückruf von 2,6 Millionen GM -Fahrzeugen wegen Zündschlossproblemen hat eine wichtige Schadenersatz-Verhandlung in den USA ein abruptes Ende genommen. Das Verfahren sei eingestellt worden, nachdem dem Kläger Täuschung vorgeworfen worden war, teilte das zuständige Bundesgericht in Manhattan am Freitag mit. Er wollte von GM Schadenersatz erstreiten, weil der Airbag seines Autos wegen eines Zündschlossdefekts bei einem Unfall nicht funktionierte. Der Kläger soll aber GM zufolge falsche Angaben zu den Folgen des Unfalls gemacht haben. Schließlich verzichtete er auf die Klage.

Der Fall sollte eigentlich Modellcharakter für ausstehende Sammelklagen gegen GM haben. US-Bezirksrichter Jesse Furman, der landesweit die diversen Verfahren wegen des Zündschloss-Defekts koordiniert, begrüßte den Klageverzicht. Der Ausgang dieses Verfahrens habe keine Relevanz für die übrigen Fälle. Im März nehmen die Gerichte einen neuen Anlauf für eine Pilot-Verhandlung. Urteile aus solchen Verfahren werden in den USA gerade bei Sammelklagen auf Schadenersatz häufig als Richtlinie für Vergleichsverhandlungen genutzt.

Das Rückruf-Debakel von General Motors

13. Februar 2014

GM ruft in Nordamerika die ersten 778.000 Wagen wegen Problemen mit den Zündschlössern zurück. Der Schlüssel kann bei voller Fahrt in die „Aus“-Position zurückspringen. GM berichtet von sechs Toten bei Unfällen.

25. Februar 2014

GM weitet den Rückruf auf weltweit 1,6 Millionen ältere Wagen aus. In Europa sind einige Tausend Roadster Opel GT betroffen. Das Unternehmen räumt erste Versäumnisse ein. Nun ist die Rede von 13 Unfalltoten. Verbraucherschützer kommen auf weit höhere Zahlen.

12. März 2014

Aus internen Vermerken geht hervor, dass GM-Ingenieure schon 2001 während der Fahrzeugentwicklung über Probleme mit den Zündschlössern berichteten.

6. März 2014

Barra leitet eine interne Untersuchung ein. Zuvor war bekanntgeworden, dass die US-Sicherheitsbehörde NHTSA überprüft, ob GM den Rückruf verschleppt hat. In US-Medien häufen sich Geschichten von Unfallopfern.

17. März 2014

GM ruft weitere Autos wegen anderer Defekte zurück, etwa wegen Airbag-Ausfällen. Auch aktuelle Modelle sind nun betroffen. Wegen der Zündschlösser gehen die ersten Klagen von Unfallopfern und Autobesitzern ein, die den Wert ihrer Wagen geschmälert sehen.

19. März 2014

Die US-Regierung bestraft Toyota wegen der Pannenserie 2009/2010. Die Japaner müssen 1,2 Milliarden Dollar zahlen. Auch hier lautet der Vorwurf, der Konzern habe die Probleme zunächst vertuscht.

29. März 2014

GM ruft nun auch 1 Million Fahrzeuge neuerer Baujahre wegen der defekten Zündschlösser zurück. Damit steigt die Gesamtzahl für diesen Defekt auf 2,6 Millionen.

31. März 2014

Der nächste Ruf startet wegen ausfallender Servolenkungen. GM beordert nun wegen diverser Mängel insgesamt 6,3 Millionen Wagen in die Werkstätten. Die Kosten schnellen auf 750 Millionen Dollar hoch, später veranschlagt das Unternehmen 1,3 Milliarden Dollar.

2. April 2014

Bei zwei Anhörungen im US-Kongress wird Barra scharf angegangen. Antworten auf die Kernfrage, warum GM so lange mit dem Rückruf der Zündschlösser zögerte, hat sie jedoch nicht.

10. April 2014

GM beurlaubt zwei Ingenieure wegen der Zündschlösser. Zwei Wochen später wird die Entwicklungsabteilung umgebaut und deren Chef scheidet aus. Zwischenzeitlich gehen auch die Personalchefin und der Kommunikationschef.

23. April 2014

GM erklärt, die ersten Ersatzteilpakete mit Zündschlössern versandt zu haben. Nun starten die Reparaturen.

30. Juni 2014

Ein weiterer Rückruf betrifft 8,4 Millionen Wagen weltweit, die meisten davon in den USA. GM zufolge hätten diverse Wagen Defekte. „Unsere Kunden verdienen mehr als das, was wir ihnen mit diesen Wagen geboten haben“, erklärte Firmenchefin Mary Barra in Detroit.

GM hat bereits rund zwei Milliarden Dollar an Strafen sowie für Vergleiche gezahlt, nachdem es Fehlverhalten im Umgang mit den Zündschlossproblemen eingeräumt hatte. Hunderte Schadenersatzklagen sind aber noch offen. Bei den betroffenen Autos bestand die Gefahr, dass der Zündschlüssel unbeabsichtigt in die Aus-Position springt. Dadurch konnten während der Fahrt der Motor ausgehen und unter anderem Airbags abgeschaltet werden. Mit dem Defekt werden 124 Todesfälle in Verbindung gebracht. Obwohl das Problem seit Jahren intern bekannt war, rief GM deshalb erst im Februar 2014 Fahrzeuge zurück.

Im September vergangenen Jahres wurde das Strafverfahren gegen GM gegen Zahlung von 900 Millionen Dollar eingestellt. Damit kam der Konzern aus Detroit günstiger davon als der japanische Konkurrent Toyota, der in einem ähnlichen Fall 1,2 Milliarden Dollar zahlen musste. Wegen des Abgasskandals bei Volkswagen droht jetzt dem Wolfsburger Konzern eine Klagewelle in den USA.

Von

rtr

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