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24.11.2015

16:52 Uhr

Generika-Industrie

Auf dem Weg zum Fusionsrekord

VonSiegfried Hofmann

Nicht nur Big Pharma, auch die Hersteller von Nachahmer-Produkten suchen ihr Heil in Größenvorteilen durch Fusionen. Vor allem das anspruchsvolle Geschäft mit sogenannten Biosimilars verspricht Wachstum.

Das Geschäft mit patentfreien Nachahmer-Medikamenten stellt ein Zehntel des weltweiten Pharmamarktes dar. Sid Viswakumar - Fotolia.com

Pharmabranche

Das Geschäft mit patentfreien Nachahmer-Medikamenten stellt ein Zehntel des weltweiten Pharmamarktes dar.

FrankfurtDas Geschäft mit patentfreien Nachahmer-Medikamenten (Generika) repräsentiert mit etwa 80 Milliarden Dollar Umsatz rund ein Zehntel des globalen Pharmamarkts. Es wird seit langem bereits von Konsolidierungstendenzen geprägt und könnte im laufenden Jahr, ebenso wie der Pharmasektor insgesamt, auf einen neuen Fusionsrekord zusteuern. Treibende Kraft ist dabei zum einen der relativ starke Preisdruck im Geschäft mit herkömmlichen Generika, zum anderen die Verlagerung in Richtung Biotechprodukte.

Etliche Akteure versuchen daher, Größenvorteile aufzubauen und Know-how zuzukaufen. Branchenführer Teva etwa will die Generika‧sparte von Allergan, der früheren Actavis, übernehmen. Der US-Riese Pfizer hat Hospira geschluckt und am Montag auch die Fusion mit Allergan besiegelt – eine Transaktion, die sowohl das innovative Geschäft stärken soll als auch den Bereich „etablierte Produkte“. Der Branchendritte Mylan wiederum kaufte das europäische Generikageschäft von Abbott, scheiterte aber jüngst mit dem Versuch, die irische Firma Perrigo zu übernehmen. In Indien erwarb Sun Pharma den heimischen Konkurrenten Ranbaxy. Boehringer veräußerte seine vergleichsweise kleine Generikasparte an die britische Hikma. Und Sanofi verfolgt Rückzugspläne, weil man sich zu klein fühlt auf dem Gebiet.

Für Wachstumsfantasie sorgen unterdessen vor allem die bevorstehenden Patentabläufe bei einer Reihe von umsatzstarken Biotechprodukten mit zusammen mehr als 100 Milliarden Dollar Umsatz, darunter etwa Krebsmittel wie Rituxan von Roche oder Rheumamedikamente wie Enbrel (Amgen) und Humira (Abbvie).

Diese Entwicklung bietet den Generika-Herstellern neue Perspektiven, aber auch größere Herausforderungen. Denn anders als klassische, chemisch synthetisierte, Arzneiwirkstoffe werden die Biotechmedikamente mit Hilfe von genveränderten Zellen produziert. Sie können daher nicht eins-zu-eins kopiert werden, sondern nur als „ähnliche“ Wirkstoffe (Biosimilars). Generikahersteller müssen daher eigene klinische Studien durchführen und deutlich höhere Entwicklungs- und Produktionskosten bewältigen.

Zudem wandelt sich das Konkurrenzumfeld. Denn auch etliche Originalhersteller wie Amgen, Eli Lilly oder Biogen drängen inzwischen ebenfalls in das Geschäft mit den Biotech-Kopien. Auch die deutschen Pharmahersteller Merck und Boehringer Ingelheim planen einen Vorstoß in das Geschäft mit Biosimilars. Die Grenzen zwischen klassischer Pharmaindustrie und Generikaherstellern dürften sich damit wieder stärker verwischen.

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