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16.04.2012

15:13 Uhr

Generikamarkt

Rabattschlacht mit Nebenwirkungen

VonMaike Telgheder

Auf dem deutschen Markt für Nachahmerprodukte herrscht ein gnadenloser Preiskampf. Mit Folgen: die großen Generikahersteller werden immer größer. Die Konzentration hat auch negative Folgen für die Kassen.

Generika: Die Branche gewährt Preisnachlässe bis zu 90 Prozent. dpa

Generika: Die Branche gewährt Preisnachlässe bis zu 90 Prozent.

FrankfurtChristopher Hermann ist ein kleingewachsener, fast unscheinbarer Mann. Dennoch wirkt er stets souverän und siegessicher. „Ein bisschen wie Napoleon“ - so beschreiben ihn Kollegen.

Hermann ist kein Feldherr wie Napoleon, beseelt von einer Mission aber ist er dennoch: Vor fünf Jahren ist der 57-jährige AOK-Vorstandsvorsitzende von Baden-Württemberg angetreten, ldas altbekannte Oligopol der Marktführer Hexal, Ratiopharm und Stada“ zu brechen. Damals hat er die Wirkstoffrabattverträge in Deutschland eingeführt und damit einen gnadenlosen Preiskampf im Markt für Nachahmermedikamente angezettelt. Die Wirkstoffverträge bieten gute Absatzchancen, wobei in der Regel der günstigste Anbieter den Zuschlag erhält.

Die Bilanz ist beeindruckend: Mehr als 2100 solcher Verträge haben die elf AOK-Landesgesellschaften seitdem mit Generikafirmen geschlossen und insgesamt 1,6 Milliarden Euro eingespart. Doch mittlerweile sind nahezu alle Kassen auf den Rabattzug aufgesprungen: Insgesamt haben sie im vergangenen Jahr ihre Kosten für Nachahmermedikamente um 1,3 Milliarden Euro gedrückt.

Während sich die Kassen freuen, verhageln die Rabatte in Deutschland den Generikaherstellern seit Jahren die Bilanz. Sie produzieren mehr Packungen, beklagen aber sinkende Umsätze - zumindest in Deutschland. Nachvollziehen lassen sich die Zahlen nur bei Stada. Das Unternehmen hat hierzulande 2011 neun Prozent seines Generika-Umsatzes verloren. Alle anderen großen Hersteller wie Teva/Ratiopharm, Sandoz/Hexal oder Winthrop/Sanofi sind Teil globaler Konzerne und weisen ihre Zahlen nicht nach Ländern aus.

Kommentare (2)

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apophis

14.04.2012, 11:41 Uhr

Schade, dass das ganze Geld ins Ausland geht und nicht in die heimische Industrie. Das wird sich noch rächen. Leider sind die Medikamente auch nicht immer lieferbar, z.B. Metroprololsuccinat über viele Monate nicht. Dann muss immer eine siebenstellige Sonderpharmazentralnummer der Nichtverfügbarkeit aufs Rezept gedruckt werden mit schriftlicher Begründung. Man muss natürlich bei 2 Großhändlern bestellen und die Nichtverfügbarkeit aufbewahren, damit nach 2 Jahren, wenn die Retaxation kommt, auch der Beweis vorhanden ist, dass man es wirklich bestellt hat. Das ist die Bürokratie, die diese Krankenkassen so lieben und uns die Arbeit zur Hölle macht. Außerdem bekommen die Patienten oft unterschiedliche Packungen und Tabletten, die zwar den selben Wirkstoff enthalten, aber eben anders aussehen oder z.B. nicht teilbar sind wie z.B. Amlodipin von D.. Zu guter Letzt hat die AOK jetzt auch noch die Verträge mit Metformin Atid gekündigt, nachdem wir uns bevorratet haben für viel Geld.

Paynmaster

14.04.2012, 13:07 Uhr

Krankenkassen sind keine Wirtschaftsunternehmen und Ärzte keine Manager oder Bürokraten. Gesundheit ist keine Ware. Alles läuft aus dem Ruder.
Was würde passieren, wenn die Medizin zu einer Heilung führen würde. Der Umsatz sinkt und der Staat wird zum Fürsorger.
Krankenkassen sind die Treuhänder der Versicherten. Sie sind nicht als Machtinstrumente für geltungssüchtige Menschen geschaffen worden. Sie machen Milliardengewinne und bestehen weiter auf die 10€ Praxisgebühr.
Ärzte befolgen Anweisungen, die ihnen ihre Berufsordnung verbieten. Ihre Therapie besteht meist nur aus dem verschreiben von Medikamenten. Zeit ist Mangelware.
Der Patient, der statistisch 18 mal im Jahr zum Arzt geht, wird nicht aufgeklärt und funktioniert gut in dem System. Wenn er 18 mal zum Arzt geht hat er auch ca. 20 min Zeit für Gespräche bekommen.
Die Arbeitgeber meinen, dass sie keine gesunde Menschen mehr beschäftigen müssen und klinken sich aus dem sozialen System aus.
Wenn der Patient das System erkannt hat wird es crashen.
Wehe den „kleinen oder großen“ geltungssüchtigen und machthungrigen Frauen und Männern, die ihren Job missbrauchen und ihren eigentlichen, ursprünglichen Sinn, der sozialen Einrichtungen nicht mehr verstehen.
Außerdem gibt es für diese Erkrankung auch einen ICD Code z. B. F60 etc., diese Gruppe um F 60 bietet hier viel Ansatzpunkte für die Therapie solcher Krankheiten 

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