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25.08.2016

18:42 Uhr

Gentechnik

Indien legt sich mit Monsanto an

VonBert Fröndhoff

Monsanto stoppt Pläne zum Verkauf eines neuartigen genmodifizierten Saatguts in Indien. Der Konzern streitet mit der Regierung über den Preis. Ein Lehrstück über die schwierige Vermarktung teurer Hightech-Pflanzen.

Das Land stieg binnen weniger Jahre zum zweitgrößten Baumwollproduzenten der Welt auf und wurde für Monsanto zu einem wichtigen Auslandmarkt. Reuters

Baumwollernte in Indien

Das Land stieg binnen weniger Jahre zum zweitgrößten Baumwollproduzenten der Welt auf und wurde für Monsanto zu einem wichtigen Auslandmarkt.

DüsseldorfDer Baumwollkapselwurm ist in der Landwirtschaft gefürchtet. Die Larven des Kleinschmetterlings aus der Familie der Palpenmotten fressen Tomaten, Mais oder Rosen. Richtig wohl fühlen sich die Schädlinge in den Fruchtkapseln der Baumwollpflanze. Werden sie nicht bekämpft, richten sie auf Baumwollfeldern große Schäden an.

Der US-Konzern Monsanto, den die Leverkusener Bayer AG für 64,5 Milliarden Dollar kaufen will, hat dagegen ein Mittel entwickelt: 1996 brachte er neuartige Baumwollsamen auf den Markt. Sie sind gentechnisch verändert, die Forscher hatten in das Erbgut der Saat eine Insektenabwehr eingebaut – die im Labor gezüchtete Pflanze schützt sich also selbst vor dem gefräßigen Kapselwurm.

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Bayer, Monsanto, K+S und Co. haben ein hehres Ziel: Mit Forschung und Technik wollen sie die Lebensmittelproduktion deutlich erhöhen. Doch Großkonzerne allein werden den Hunger in der Welt nicht beenden. Eine Analyse.

Die sogenannte Bollgard-Pflanze brachte Monsanto gute Geschäfte – und Farmern in aller Welt eine sicherere Ernte. Vor allem in Indien: Im Jahr 2002 war es das erste gentechnisch veränderte Saatgut, das in dem Land  zugelassen wurde. Bollgard fand reißenden Absatz: Sechs Millionen Bauern kauften die Pflanzen. Indien stieg binnen weniger Jahre zum zweitgrößten Baumwollproduzenten der Welt auf und wurde für Monsanto zu einem wichtigen Auslandmarkt.

Doch nun steckt der US-Konzern in dem südasiatischen Land in Schwierigkeiten. Schon länger gab es unter den Farmern in Indien wütende Proteste gegen die hohen Preise, die die Amerikaner für ihre Hightech-Pflanze verlangen. Die Regierung reagierte auf die Proteste und  regulierte den Preis für die Baumwollsaat.

Der Saatgutkonzern Monsanto

Hersteller

Der US-amerikanische Konzern Monsanto ist einer der weltgrößten Hersteller von – oft auch gentechnisch verändertem – Saatgut sowie Unkrautbekämpfungsmitteln.

Umsatz

Das Unternehmen mit Hauptsitz in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri gehört zu den 500 größten börsennotierten in den USA und setzte zuletzt rund 15 Milliarden US-Dollar (gut 13 Mrd. Euro) um. Dabei erzielte Monsanto einen Überschuss von 2,3 Milliarden Dollar.

Mitarbeiter

Weltweit beschäftigt das Unternehmen nach eigenen Angaben knapp 21.200 Menschen, fast die Hälfte davon in den USA. Der Saatgutkonzern ist in 66 Ländern vertreten – auch in Deutschland.

Kritik

Monsanto bezeichnet eine nachhaltige Landwirtschaft als „Kernanliegen“, wird jedoch weltweit von Umweltschutzorganisationen unter anderem für die Herstellung von gentechnisch veränderten Saatgut heftig kritisiert.

Quelle: dpa

In diesem Jahr verschärften die Inder jedoch den Umgang mit Monsanto. Die Behörden verordneten eine 70-prozentige Senkung der Lizenzgebühren, die indische Saatgutfirmen für die Nutzung der Bollgard-Technik an Monsanto zahlen müssen.

Der US-Konzern war erzürnt und zieht nun die Konsequenzen. Monsanto wird die neu entwickelte nächste Generation der Bollgard-Baumwollpflanze nicht auf den indischen Markt bringen – zumindest vorerst nicht. In einem offiziellen Statement begründete dies der Konzern mit „Unsicherheiten im wirtschaftlichen und regulatorischen Umfeld“ des Landes.

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