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04.04.2012

17:53 Uhr

Geplante Avon-Übernahme

Wie sich zwei schwere Düfte ergänzen

VonChristoph Kapalschinski

Die deutschen Inhaber des Parfümkonzerns Coty planen den Kauf des großen Konkurrenten Avon. Die Gelegenheit ist selten günstig - doch Avon würde auch Probleme mitbringen.

Eine Frau steht vor einer Vitrine mit verschiedenen Flacons auf einer Parfümausstellung in Hagen. dpa

Eine Frau steht vor einer Vitrine mit verschiedenen Flacons auf einer Parfümausstellung in Hagen.

DüsseldorfDas Geschäftsmodell von Coty besteht zu großen Teilen aus einer Symbiose mit großen Markenherstellern. Der größte Parfümhersteller der Welt liefert den Duft zur Marke, etwa für Davidoff oder Joop, manchmal auch eine Creme. Dafür nutzt der New Yorker Hersteller Markenlizenzen. Für die Markeninhaber ist das ein recht risikoloses Beigeschäft. Für Coty ertragreiches Business.

Das Geschäft läuft zumeist über Parfümerien. Sie erzielen deutlich höhere Preise für Kosmetik als Drogerien und Supermärkte. Für zehn Milliarden Dollar greift Coty jetzt nach dem Kosmetikhersteller Avon, der seine Produkte bisher direkt an den Haustüren seiner Kunden anbietet.

Für die deutsche Unternehmerdynastie Reimann, den Eigentümern von Coty, ist der Dufthersteller eine gute Ergänzung im Luxussegment. Neben Parfüms gehört der Familie 15,4 Prozent an dem Reinigungsmittelhersteller Reckitt-Benkiser (RB). RB ist einer der profitabelsten großen Konsumgüterkonzerne. 2011 kam er auf über 26 Prozent operative Marge – wegen starker Marken wie Calgonit und Cillit Bang, aber auch wegen einer kleinen, mit 68 Prozent operativer Marge extrem profitablen Sparte, die Ersatzdrogen für Opiatabhängige herstellt.

Mit den Gewinnen aus den beiden Firmen bauen die Reimanns derzeit an einer Holding mit illustren Luxusmarken nach Vorbild der französischen Luxusgruppe LVMH. Die Schuhmarken Bally und Jimmy Choo gehören bereits zu dieser Labelux-Gruppe der Reimanns. Dennoch bleibt offenbar genügend Geld übrig, um den günstigen Kurs von Avon für das Übernahmeangebot zu nutzen. Avon würde Coty vor allem in Südamerika Vertriebskraft bringen.

Dabei hoffen Reimanns auf eine günstige Gelegenheit, nachdem die Avon-Aktie wegen akuter Probleme gefallen ist. Ihr Angebot bewertet Avon mit dem 15,5-Fachen des erwarteten Gewinns 2012. Damit läge der Deal im Mittel der Bewertungen der Branche von 16,4 – aber deutlich unter dem ebenfalls angeschlagenen deutschen Hautpflegekonzern Beiersdorf, der an der Börse mit dem Faktor 25,4 bewertet wird.

Das Angebot entspricht zwar einem Aufschlag von 20 Prozent auf den letzten Aktienkurs von Avon. In den vergangenen Monaten war der Kurs aber bereits stark gefallen, denn das Geschäft in den USA schwächelt. Dazu kommen Ermittlungen der Börsenaufsicht SEC wegen möglicher Durchstechereien an Wall-Street-Analysten und Bestechung in China.

Ob die Aktionäre das Angebot gutheißen, hängt wohl auch davon ab, ob sie Avon wirklich zutrauen, diese Probleme alleine zu lösen – und anschließend profitabler dazustehen als zuvor. 2012 hatte das Management als Übergangsjahr angekündigt, in dem vor allem der Umsatz im Mittelpunkt stehen soll.

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