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16.11.2016

17:28 Uhr

Geplante Übernahme

Bayer holt frisches Kapital für Monsanto-Kauf

Durch eine Pflichtanleihe hat Bayer vier Milliarden Euro für die Finanzierung der Mosanto-Übernahme gesichert. Der Rest soll mit Hybridanleihen finanziert werden. Nun fehlt nur noch die Zustimmung der Kartellbehörden.

Für die größte Bar-Übernahme der Geschichte will der Konzern insgesamt 19 Milliarden Dollar Eigenkapital aufnehmen. Reuters

Bayer AG

Für die größte Bar-Übernahme der Geschichte will der Konzern insgesamt 19 Milliarden Dollar Eigenkapital aufnehmen.

FrankfurtBayer hat die ersten vier Milliarden Euro frisches Kapital für die Finanzierung der Übernahme von Monsanto sicher. Der Chemie- und Pharmakonzern platzierte über Nacht eine Pflichtwandelanleihe bei großen Investoren, die spätestens in drei Jahren in Bayer-Aktien getauscht werden muss.

Die Nachfrage sei um ein Vielfaches höher gewesen, erklärte Bayer. „Die mehrfache Überzeichnung zeigt die Attraktivität der Anleihe für Investoren“, sagte Finanzvorstand Johannes Dietsch am Mittwoch. Bayer will für die größte Bar-Übernahme der Geschichte insgesamt 19 Milliarden Dollar (17,8 Milliarden Euro) Eigenkapital aufnehmen. Die Leverkusener zahlen für den US-Saatguthersteller Monsanto insgesamt 66 Milliarden Dollar.

Als nächstes wird in Finanzkreisen eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrecht erwartet, aller Voraussicht nach aber erst im neuen Jahr. Den Rest will der Konzern mit Hybridanleihen finanzieren. Dabei fehlt für die Monsanto-Übernahme noch die Zustimmung der Kartellbehörden. Die Aktionäre des US-Konzerns sollen am 13. Dezember darüber abstimmen.

Bayer zahlt 5,625 Prozent Zinsen pro Jahr auf die Anleihe, das liegt im Rahmen dessen, was andere zuletzt für vergleichbare Papiere gezahlt haben. Der Zins liegt am oberen Ende der Spanne, in der Bayer die Anleihe angeboten hatte. Im Vergleich zu einer Kapitalerhöhung erspart sich Bayer damit 320 Millionen Euro.

Milliardendeal mit ungewissem Ausgang

Welche Dimension hat der Deal?

Es ist die größte Übernahme durch einen deutschen Konzern. Mit einer Bewertung von 66 Milliarden Dollar (knapp 59 Milliarden Euro) stellt der Kauf selbst die später wieder aufgelöste „Hochzeit im Himmel“ zwischen den Autobauern Daimler und Chrysler aus dem Jahr 1998 und die Übernahme des US-Telekommunikationsanbieters Voicestream durch die Deutsche Telekom im Jahr 2000 in den Schatten.

Was treibt den deutschen Konzern?

Durch den Zusammenschluss werden die Leverkusener auf einen Schlag zur Nummer eins auf den Märkten für Saatgut und Pflanzenschutz aufsteigen. Bayer sichert sich nicht nur wichtige Schlüsseltechnologien etwa bei genverändertem Saatgut, sondern kann auch von Monsantos führender Rolle beim sogenannten „digital farming“ – der Nutzung digitaler Techniken für die Landwirtschaft – profitieren.

Aber rechtfertigt das den hohen Preis?

Bayer-Chef Werner Baumann glaubt: Ja. Der Manager sieht angesichts der schnell wachsenden Weltbevölkerung enorme Wachstumschancen im Agrarbereich. Schließlich müssten bis 2050 drei Milliarden Menschen zusätzlich ernährt werden. Außerdem müsse die Menschheit die Folgen der Klimaerwärmung auf die Landwirtschaft in den Griff bekommen. Auch hier könnten Bayer und Monsanto zusammen wegweisende Antworten geben.

Und was spricht gegen die Übernahme?

Zum einen das schlechte Image von Monsanto. Der US-Biotechnologiekonzern steht in Europa seit Jahren wegen seiner gentechnisch veränderten Produkte in der Kritik. Außerdem vertreibt Monsanto den Unkrautvernichter Glyphosat, der im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Doch ist Baumann überzeugt, die Reputationsprobleme in den Griff bekommen zu könne. Kritiker monieren außerdem die künftige Marktmacht von Bayer und Monsanto - diese gehe zu Lasten von Landwirten und Verbrauchern.

Welche Risiken beinhaltet die Übernahme sonst noch?

Im Wesentlichen sehen die Experten zwei große Herausforderungen: Zum einen die unterschiedlichen Firmenkulturen. Das Beispiel Daimler-Chrysler hat gezeigt, dass auch mit großen Vorschusslorbeeren versehene transatlantische Firmenbündnisse scheitern können. Zum anderen ist der hohe Kaufpreis eigentlich nur zu rechtfertigen, wenn der zuletzt schwächelnde Markt für Saatgut und Agrarchemikalien in den nächsten Jahren einen kräftigen Aufschwung erlebt. Doch ob dies wirklich zu erwarten ist, darüber sind Branchenkenner durchaus unterschiedlicher Meinung.

Die Übernahme ist also ein Risiko?

Das auf jeden Fall. Aber sie ist auch eine Chance für den Konzern. Denn sie rundet den Umbau von Bayer vom chemisch-pharmazeutischen Mischkonzern zum Spezialisten rund um die Gesundheit von Mensch, Tier und Pflanze ab.

Welche Rolle spielt die Verschuldung?

Die Mega-Übernahme wird die Verschuldung der Leverkusener zumindest kurzfristig kräftig in die Höhe treiben. Angesichts der globalen Niedrigzinsen und eines erwarteten robusten Barmittelzuflusses aus dem laufenden Geschäft erscheint dies vielen Experten aber tragbar.

Ist die milliardenschwere Übernahmen jetzt endgültig unter Dach und Fach?

Noch nicht ganz. Zwar hat die Monsanto-Führung jetzt eine bindende Fusionsvereinbarung unterzeichnet, doch auch die Aktionäre von Monsanto müssen dem Geschäft noch zustimmen und sich bereit erklären, ihre Aktien zum von Bayer gebotenen Preis von 128 Dollar je Aktie zu verkaufen. Allerdings gilt dies als sehr wahrscheinlich. Immerhin bedeutet das Angebot einen Aufschlag von 44 Prozent gegenüber dem Kurs vor Bekanntwerden der Bayer-Übernahmepläne. Außerdem müssen die Kartellbehörden noch grünes Licht geben.

Und was sagen die Behörden?

Trotz der schieren Größe dürfte die geplante Übernahme bei den Kartellbehörden auf vergleichsweise wenig Widerstand stoßen. So ist Monsanto vor allem in Amerika stark, Bayer in Europa und Asien, ein Monopol droht dort daher kaum. Nur bei einzelnen Agrargütern wie Mais könnten Überlappungen die Wettbewerbshüter auf den Plan rufen. Sie dürften aber wohl nur bei einzelnen Produkten Anpassungen verlangen, erwarten Experten.

Der Wandlungspreis von 90 bis 108 Euro liegt bis zu 20 Prozent über dem Aktienkurs, der am Mittwoch um fünf Prozent auf 90,09 Euro fiel. Mit dem Verwässerungseffekt durch die Pflichtwandelanleihe lasse sich der Kurssturz nicht erklären, sagte ein beteiligter Banker. Es handele sich eher um Gewinnmitnahmen.

Wenn der Bayer-Aktienkurs bis zum 22. November 2019 unter 90 Euro fällt, liegt das Kursrisiko bei den Zeichnern der Anleihen. Liegt er dann bei maximal 108 Euro, bekommen sie Bayer-Aktien zum geltenden Kurs. Viele Profi-Investoren haben sich deshalb beim Kauf der Papiere abgesichert und gleichzeitig Bayer-Aktien leerverkauft. Für Aktien im Wert von 1,5 Milliarden Euro haben die begleitenden Banken BofA Merrill Lynch, Credit Suisse, Goldman Sachs und JPMorgan über Nacht neue Eigentümer gefunden.

Von

rtr

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