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28.08.2012

14:43 Uhr

Geplante Übernahme

Fresenius will Rhön-Aufsichtsrat entlassen

Die geplante Übernahme von Rhön-Klinikum durch den Gesundheitskonzern Fresenius wird immer komplexer: Im Falle einer Akquisition will Fresenius den Rücktritt des Aufsichtsrates fordern, sagen Insider.

Fresenius will im Falle einer Übernahme bei Rhön-Klinikum durchregieren. dpa

Fresenius will im Falle einer Übernahme bei Rhön-Klinikum durchregieren.

FrankfurtBei der geplanten Übernahme von Rhön-Klinikum durch den Gesundheitskonzern Fresenius hat sich eine neue Hürde aufgetan. Fresenius habe im Falle der Akquisition den Rücktritt des Rhön-Aufsichtsrates gefordert, damit der Konzern zügig bei der fränkischen Klinik-Kette durchregieren und Synergien heben könne, sagten drei mit dem Vorgang vertraute Personen am Dienstag zu Reuters. Bei Teilen des Rhön-Aufsichtsrates, der noch bis Frühjahr 2014 gewählt ist, gebe es jedoch Widerstand gegen diese Pläne. "Das ist der größte Knackpunkt in den Verhandlungen", so einer der Insider.

Es sei weiter offen, ob Fresenius ein zweites Angebot für Rhön-Klinikum vorlegen werde, ergänzten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen. Wenn Fresenius-Chef Ulf Schneider innerhalb eines Jahres einen zweiten Anlauf bei Rhön machen will, müssten sowohl der Rhön-Vorstand als auch die Finanzaufsicht BaFin zustimmen. Der Fresenius-Aufsichtsrat müsste ebenfalls grünes Licht geben. Fresenius und Rhön-Klinikum wollten sich nicht zu den Informationen äußern.

Fresenius Stärken und Schwächen

Stabile Gewinne, hohe Verschuldung

Vieles läuft gut bei Fresenius - zumindest auf den ersten Blick: Die Gewinne sprudeln konstant und erwartbar. Doch angesichts der vielen Zukäufe gibt es da eben auch Risiken. Ein Blick auf die Stärken und Schwächen des Konzerns.

Stärke: Zunehmende Diversifikation

Haben die Aktionäre bei Fresenius lange Zeit vor allem auf die Entwicklung der Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) geschaut, so liefert Fresenius dank der Zukäufe der vergangenen Jahre inzwischen seine eigene Börsenstory. Sorgte FMC im Jahr 2004 noch für 69 Prozent der Umsätze, lag der Anteil im vergangenen Jahr nur noch bei 56 Prozent.

Stärke: Unabhängiger von FMC

Zum Konzernergebnis, das allerdings nur anteilig in Höhe der Beteiligung von Fresenius an FMC bei dem Mutterkonzern einfließt, trug FMC 2004 noch 71 Prozent bei. Aktuell sind es noch 33 Prozent. Das margenstarke Geschäft von Kabi mit intravenös zu verabreichenden Medikamenten sorgt mittlerweile für mehr als die Hälfte des Nettogewinns. Auch der Klinikkonzern Helios steuert mehr als 163 Millionen Euro bei.

Stärke: Das Klinikgeschäft

Der nur in Deutschland agierende Klinikkonzern Helios braucht Zukäufe, um Umsatz und Gewinn langfristig steigern zu können. Denn im deutschen Krankenhausmarkt sind die Kostenerstattungen gedeckelt und die Patientenzahlen nicht beliebig steigerbar.

Stärke: Helios boomt

Helios hat es geschafft, sich in den vergangenen Jahren bei der Marge vor die Wettbewerber Rhön-Klinikum Asklepios und Sana zu setzen, was allerdings nicht nur ein Verdienst des Managements ist. Helios hat auch vergleichsweise viele große Krankenhäuser im Portfolio, die medizinisch schwerere Fälle behandeln. Damit fließen dem Unternehmen tendenziell höhere Erstattungssummen zu als Anbietern, die kleine Krankenhäuser der Grundversorgung betreiben.

Stärke: Besser als die Konkurrenz

Allerdings ist Helios Vorreiter in Sachen Qualitätsberichte. Für jedes Krankenhaus wird die medizinische Leistung schon seit Jahren transparent dokumentiert. Während Helios 2011 eine Ebitda-Marge von 13,8 Prozent ausweist, erreichen die Konkurrenten Rhön-Klinikum und Sana 12,8 Prozent und 9,3 Prozent. Auch bei der Ebit-Marge liegt Helios mit 10,1 Prozent deutlich vor den anderen privaten Klinikkonzernen.

Schwäche: Mieses Rating

Zwar hat die Ratingagentur Standard and Poor's unlängst das Rating von Fresenius von BB auf BB+ angehoben, das ändert aber nichts dran, dass alle drei Agenturen dem Unternehmen eine Bonitätsbewertung im Ramschbereich geben.

Schwäche: Hohe Verschuldung

Wegen der Akquisitionen des vergangenen Jahres ist der Verschuldungsgrad des Konzerns - gemessen am Verhältnis der Finanzverbindlichkeiten zum operativen Ergebnis vor Abschreibungen (Debt to Ebitda) - von 2,6 auf 2,8 gestiegen. Die 25 Dax-Industriekonzerne kommen im Durchschnitt auf 2,2 Prozent.

Schwäche: Neue Belastungen

Geht der Kauf von Rhön-Klinikum wie geplant über die Bühne, erhöht sich der Verschuldungsgrad auf 3,0 bis 3,5. Fresenius hat aber angekündigt, die Verschuldung im nächsten Jahr wieder in den üblichen Korridor von 2,5 bis 3,0 zurückzuführen.

Schwäche: Hoher Firmenwert drückt

Vor Herausforderungen steht der Konzern aber noch an anderer Stelle: So kletterte der Geschäfts- und Firmenwert auf mittlerweile gut 12,7 Milliarden Euro oder 120 Prozent des Eigenkapitals. Firmenwerte entstehen bei Übernahmen, wenn der Kaufpreis über dem neu bewerteten Vermögen der gekauften Firma liegt. Sie stehen als Vermögenswert in der Bilanz und drücken die Zukunftserwartung des Managements aus. Erfüllen sich diese nicht, drohen Abschreibungen.


Der erste Versuch, Rhön-Klinikum für 3,1 Milliarden Euro zu schlucken, war Ende Juni gescheitert, weil Fresenius nicht wie angestrebt 90 Prozent der Rhön-Aktien einsammelte. Diese Hürde hatte Fresenius-Chef Schneider gesetzt, weil er laut Rhön-Satzung nur so Kapitalmaßnahmen und Satzungsänderungen durchsetzen kann. Falls Fresenius einen zweiten Übernahmeversuch wagt, wird sich der Konzern Insidern zufolge vermutlich zunächst mit einer einfachen Mehrheit zufriedengeben geben.

Damit hätte Fresenius zwar bei Abstimmungen über die Dividende oder die Besetzung des Aufsichtsrates eine Mehrheit, könnte Rhön jedoch nicht integrieren. Um dennoch einige Synergien zu erzielen, könnten Rhön-Klinikum und Helios zahlreiche Joint-Venture-Gesellschaften gründen, sagte eine mit den Diskussionen vertraute Person zu Reuters. Fresenius hat angekündigt, voraussichtlich noch im August über einen zweiten Anlauf bei Rhön-Klinikum zu entscheiden.

 

Von

rtr

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