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18.10.2012

18:20 Uhr

Geplatzte Fusion mit BAE Systems

Regierung listet 13 Fehler des EADS-Chefs auf

VonThomas Sigmund

Exklusiv„Wesentliche Voraussetzungen für den Erfolg fehlten“: Die Megafusion zwischen EADS und BAE Systems ist aus Sicht der Bundesregierung an der falschen Strategie gescheitert. Die Politik weist damit jede Schuld von sich.

EADS-Chef Tom Enders konnte die Fusion seines Konzerns mit BAE Systems nicht durchsetzen. Die Bundesregierung kritisiert sein Vorgehen. dpa

EADS-Chef Tom Enders konnte die Fusion seines Konzerns mit BAE Systems nicht durchsetzen. Die Bundesregierung kritisiert sein Vorgehen.

BerlinDie Bundesregierung wehrt sich gegen den Vorwurf von EADS, die Megafusion mit BAE Systems sei am Widerstand Berlins gescheitert. In einem vertraulichen Papier des Bundeswirtschaftsministeriums kritisiert die Regierung detailliert in insgesamt 13 Punkten die Fusionsstrategie von EADS-Chef Tom Enders. „In der Gesamtschau bleibt festzuhalten, dass wesentliche Voraussetzungen für den Erfolg des Vorhabens nicht vorlagen“, heißt es in dem Bericht, der dem Handelsblatt vorliegt (Freitagausgabe).

„Keine der beteiligten Regierungen und keiner der Großaktionäre unterstützte den Zusammenschluss uneingeschränkt“, heißt es im Rückblick auf die gescheiterten Verhandlungen zwischen Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den Großaktionären Daimler und Lagardere.

EADS-Aktionärsstruktur mit politischer Brisanz

European Aeronautic Defence and Space Company

EADS mit seiner Flugzeugbau-Tochter Airbus ist Europas dominierender Luft- und Raumfahrtkonzern. Die börsennotierte Aktiengesellschaft European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) umfasst die wichtigsten Flugtechnikanbieter Deutschlands, Frankreichs und Spaniens. Der Konzern entstand im Juli 2000 nach langem Tauziehen um Standorte und Produktionsanteile.

Die französische Seite

Nach einem 2007 vereinbarten Aktionärspakt darf der französische Staat nur 15 Prozent der EADS-Anteile besitzen. Zusammen mit dem Medienkonzern Lagardère kommt er auf 22,45 Prozent der EADS-Aktien, wobei die Anteile in der Gesellschaft Sogeade gebündelt sind. Der Chef der Mediengruppe, Arnaud Lagardère, will seine 7,5 Prozent der Anteile mittelfristig verkaufen, erhebt aber seinen Anspruch auf den Mitte 2012 freiwerdenden Chefposten im Verwaltungsrat des Konzerns.

Die deutsche Seite

Mit 22,45 Prozent ist auch die deutsche Seite an EADS beteiligt. Bisher hielt DaimlerChrysler 15 Prozent und ein Konsortium von Bundesländern, privaten und öffentlichen Banken 7,5 Prozent. Allerdings behielt DaimlerChrysler nach dem ausgehandelten Kompromiss 22,5 Prozent der Stimmrechte und blieb so größter stimmberechtigter EADS-Einzelaktionär. 7,5 Prozent der EADS-Anteile soll nun die Staatsbank KfW übernehmen, so dass sich der Daimler-Anteil auf 7,5 Prozent reduziert.

Die spanische Seite

Weitere 4 Prozent an EADS hält die spanische Staatsholding SEPI, der Rest der Anteile in Höhe von 49,6 Prozent liegt im Streubesitz.

Der Aktionärspakt

Die deutschen, französischen und spanischen Haupteigentümer hatten sich bei der Gründung der EADS auf einen Pakt („Contractual Partnership“) verständigt, um das Unternehmen gegen feindliche Übernahmeversuche zu sichern und um das Heft bei dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern in der Hand zu behalten.

Die Machtzentren

Die EADS hat ihren offiziellen Sitz in Amsterdam, in Paris und München sind die beiden Hauptzentren des Konzerns. Der Hauptsitz und die Zentrale der EADS-Tochtergesellschaft Airbus sind im französischen Toulouse angesiedelt. Hamburg wiederum ist der Sitz der deutschen Airbus-Tochtergesellschaft, die für die deutschen Werke zuständig ist.

Die von den Unternehmen angebotene „Goldene Aktie“ sei von Frankreich wie von Deutschland  als europarechtlich riskant eingestuft worden. Zudem sei es zweifelhaft, ob das zivile Flugzeuggeschäft der EADS-Tochter Airbus durch die Einbindung in den weltgrößten Rüstungskonzern eine positiven Impuls erhalten hätte. Verteidigungsminister Thomas de Maiziere habe darauf hingewiesen, dass die Zusammenballung von Marktmacht im Rüstungsbereich auch negative Konsequenzen für den Wettbewerb und die EU-Steuerzahler haben könne.

Die Bundesregierung zeigt sich davon überzeugt, dass auch ohne die Fusion ein fruchtbares Zusammenwirken der Unternehmen in Europa und auf den Weltmärkten möglich sei. Die deutschen Standorte der EADS könnten einen wesentlichen Beitrag für Innovation, Wertschöpfung und globalen Erfolg des Unternehmens leisten. Mit ihrer Entscheidung, Anteile von EADS von Daimler zu erwerben, habe die Bundesregierung ihr Vertrauen in die Zukunft der EADS zum Ausdruck gebracht, heißt es in dem Papier.

Kommentare (10)

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OLDENDORP

18.10.2012, 18:48 Uhr

::
VON DER ENTWICKLUNG WIRD DAIMLER
PROFITIEREN - DER ANGESTREBTE VK
DER EADS-ANTEILE WIRD ERLEICHTERT
UND DAIMLER MILLIARDEN EINBRINGEN
;;

Account gelöscht!

18.10.2012, 19:55 Uhr

Herr Enders hat viele Fehler gemacht Da kann man der Bundesregierung nur zustimmen.

Ohne vorherige Abstimmung mit den Beteiligten ist er einfach losgelaufen. Er hat alle in eine missliche Lage gebracht.

Dann hat er auch noch eine Idee verfolgt, die Europa auf Dauer geschwächt und jede Osterweiterung der EU zukünftig blockiert hätte. Der neue Konzern hätte unter großem Einfluss der USA gestanden.

Die Krönung des Ganzen war dann die Schuldzuweisung an die Politik, also an die "Eigentümerfamilie", die nicht verkaufen will.

Erstaunlich was manche Leute sich so alles erlauben können.

Hans

18.10.2012, 21:25 Uhr

Die Briten und Franzosen wollten die Fusion. Nur die Deutschen haben geschwiegen, weil sie die Fusion nicht wollten. Enders hat es eben auf gut Glück versucht, und ist gescheitert.
Wenn EADS jetzt weitgehend sein DE Rüstungsgeschäft und etliche andere DE Assets aufgibt, wird der Bund auf das Daimler EADS Aktienpaket eh verzichten. Denke darauf wird es hinauslaufen. Die Franzosen wollen den Bund nicht als EADS Aktionär haben.

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