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03.10.2012

08:14 Uhr

Gerhard Weber

„Wir wollen die Umsatzmilliarde knacken“

VonChristoph Kapalschinski

Der Gründer und Vorstandschef von Gerry Weber blickt zuversichtlich in die Zukunft. Im Interview spricht er über Pläne für seinen Modekonzern, aber auch über seine ganz persönlichen.

Auch mit 71 Jahren ist Gerhard Weber aus seinem Unternehmen nicht wegzudenken. dpa

Auch mit 71 Jahren ist Gerhard Weber aus seinem Unternehmen nicht wegzudenken.

Halle (Westfalen)Handelsblatt: Herr Weber, mit 71 Jahren sind Sie wohl der älteste MDax-Chef. Halten Sie sich für unentbehrlich?

Gerhard Weber: Nein.

Aber vielleicht sind Sie's ja: Das Unternehmen heißt wie Sie, Sie reden überall mit: im Design, bei den Läden, sogar bei der Kita für den Firmennachwuchs.

Der kluge Mensch berücksichtigt mit 71 Jahren, dass das Leben endlich ist. Mein Vertrag läuft noch ein Jahr. Natürlich werde ich dem Unternehmen auch danach zur Verfügung stehen. Wir machen so viele neue Läden auf - da kann man nicht von heute auf morgen aufhören. Aber das Unternehmen wird nicht nur vom Herrn Weber vorangetrieben, sondern von vielen Topleuten mit Erfahrung.

Tatsächlich ist Gerry Weber eine der wachstumsstärksten Firmen Deutschlands. Wie schaffen Sie das mit der oft vernachlässigten Zielgruppe reifere Frauen?

Einige Mitbewerber - auch aus Deutschland - sind weggebrochen: alle, die ältlich waren und es nicht geschafft haben, sich zu modernisieren. Wir verjüngen unsere Kollektionen: Wir könnten auch von 20-Jährigen getragen werden - auch wenn unsere Zielgruppe erst bei 30 Jahren beginnt. Dabei hilft uns, dass wir, anders als andere, noch eine Näherei für unsere Entwürfe vor Ort in Halle haben.

Ist die ältere Zielgruppe weniger umkämpft?

Ja. Die erfolgreichen Ketten Zara und H & M machen auch Blazer, Jacken und Mäntel - aber nicht in größeren Größen. Deren Kundin achtet weniger auf Passform und Qualität, weil sie alle 14 Tage neue Kleidung kauft. Aber ich gucke mir solche Marken am Wochenende an. Weil ich nicht zeichnen kann, kaufe ich viel und zeige es meinen Designern.

Woher wissen Sie, was die Kundinnen wollen?

Neben den Designern sitzt eine Mitarbeiterin, die am Computer anhand der Tagesdaten aus den Geschäften analysiert, was sich über den Tag verkauft. Läuft rot besser als grün? Geblümt besser als gestreift? Wir kennen dadurch die Ansprüche und Bedürfnisse unserer Kundinnen. Dadurch konnten wir unsere Kollektionen um 80 Prozent reduzieren, und trotzdem alle 14 Tage etwas Neues bringen. Das Wissen haben wir aus unseren Läden. Davon werden wir im laufenden Geschäftsjahr bis Ende Oktober etwa 270 neu eröffnen.

Machen Sie irgendwann mehr Umsatz in den eigenen Läden als im Fachhandel?

Das ist absehbar. Schließlich eröffnen wir verstärkt im Ausland: Polen, Skandinavien, Großbritannien, Niederlande, Belgien - und bald in Frankreich. Der Fachhandel bleibt aber eine wesentliche Säule unseres Geschäftsmodells. Im übrigen haben auch die Fachhändler gemerkt, dass sie von unserem Wissen aus den eigenen Läden durch immer bessere Kollektionen profitieren.

Kommentare (1)

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starcash

03.10.2012, 11:12 Uhr

Kundenzähler an den Filialien und in Relation zu den Umsatzleistungen der Angestellten stellen, verlorene bzw. gefundene 1-cent-Stücke, die abgegeben und am Abend als "Sondereinnahmen" verbucht werden müssen ... so wird man erfolgreich. Herzlichen Glückwunsch!

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