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28.09.2012

11:13 Uhr

Gerichtsentscheid

Brasilien feuert Ölbohrkonzern Transocean

Der Mitbetreiber der Unglücksplattform „Deepwater Horizon“ muss seine Ölbohrungen in Brasilien einstellen. Ein Gericht setzte den Schweizern eine Frist von 30 Tagen, um das Geschäft einzustellen. Der Aktienkurs fällt.

Ein Ölteppich vor der Küste Brasiliens. dapd

Ein Ölteppich vor der Küste Brasiliens.

Rio de JaneiroDem Schweizer Tiefbohrkonzern Transocean droht das Aus in Brasilien. Ein Gericht in Rio de Janeiro teilte der Firma per Einstweiliger Verfügung mit, dass sie ihre Operationen innerhalb von 30 Tagen einzustellen haben. Die Entscheidung steht im Zusammenhang mit einem Prozess wegen eines Öl-Unfalls im Jahr 2011 rund 130 Kilometer vor der Küste Rios in einem von US-Ölkonzern Chevron betriebenen Ölfeld.

Transocean selbst informierte über die Gerichtsentscheidung in einer Mitteilung. Man werde energisch bei der nächsten Gerichtsinstanz gegen die Verfügung vorgehen, hieß in einer Erklärung. Sollte das aber keinen Erfolg habe, werde das Unternehmen verpflichtet sein, der Anordnung nachzukommen. Brasilien ist für den Schweizer Konzern ein wichtiger Markt. Im ersten Halbjahr entfielen auf das südamerikanische Land rund elf Prozent des gesamten Umsatzes. In Zürich gab die Aktie um rund zwei Prozent nach.

Die größten börsennotierten Ölkonzerne der Welt

Die größten Öl- und Gaskonzerne

Sie fördern und raffinieren Erdöl oder Gas und betreiben riesige Tankstellennetze. Wie viel die zehn größten Öl- und Gaskonzerne der Welt an der Börse wert sind.

Quelle: Bloomberg, Stand: 26.7.2012

Platz 10

ENI (Italien)

Der italienische Öl- und Gaskonzern erreicht mit einer Marktkapitalisierung von 70 Milliarden Dollar Rang zehn unter den Energiekonzernen. Das Unternehmen mit Sitz in Rom ist der größte Gasversorger Italiens. Neben dem Öl- und Gasgeschäft mit Exploration, Förderung, Raffinerie und Vertrieb sind die Italiener auch im Stromgeschäft aktiv.

Platz 9

Sinopec (China)

Der chinesische Mineralölriese zählt zu den größten Energiekonzernen des Landes und erreicht an der Börse eine Marktkapitalisierung von 80,9 Milliarden Dollar. Das Unternehmen mit Sitz in Peking ist im Hang-Seng-Index notiert.

Platz 8

Total (Frankreich)

Die Franzosen betreiben in Europa ein dichtes Tankstellennetz. In mehr als 30 Ländern fördert der Konzern Öl und Gas. Der Konzern mit Sitz in Courbevoie nahe Paris erreicht einen Börsenwert von 124 Milliarden Dollar.

Platz 7

Gazprom (Russland)

Der russische Konzern rangiert an der Weltspitze der Gasförderer. Das Moskauer Unternehmen ist an der Börse mit 116 Milliarden Dollar bewertet. Gazprom kontrolliert fast die gesamte Erdgasförderung Russlands.

Platz 6

Petrobras (Brasilien)

Der halbstaatliche Konzern mit Sitz in Rio de Janeiro hat eine Marktkapitalisierung von 125,1 Milliarden Dollar. Die Brasilianer sind besonders in der Offshore-Förderung von Öl stark. Der Konzern wurde ursprünglich zur Abwehr von US-Konzernen gegründet.

Platz 5

BP (Großbritannien)

Die Katastrophe im Golf von Mexiko hat den Konzern in Bedrängnis gebracht. Aktuell ist das Unternehmen mit 129,1 Milliarden Dollar bewertet. In Deutschland wird Benzin und Diesel unter der Marke Aral vertrieben.

Platz 4

Chevron (USA)

Der US-Konzern ist auf dem Parkett 213,4 Milliarden Dollar wert. Die Hauptsitze sind im kalifornischen San Ramon sowie im brasilianischen Fortaleza. Der Konzern ist im Bereich der geothermischen Energiegewinnung führend.

Platz 3

Royal Dutch Shell (Großbritannien)

Das Unternehmen mit Sitz in London und Den Haag zählt zu den drei größten Öl- und Gaskonzernen der Welt. Shell ist in mehr als 180 Ländern aktiv. An der Börse ist der Konzern mit 216,4 Milliarden Dollar bewertet.

Platz 2

PetroChina (China)

Die Chinesen schoben sich auf rang zwei der größten Öl- und Gaskonzerne vor. An der Börse ist der Konzern 249,2 Milliarden Dollar wert. Das Unternehmen ist besonders im Sudan aktiv und steht deswegen in der Kritik.

Platz 1

Exxon Mobil (USA)

Die Spitze der Öl- und Gaskonzerne erobert Exxon Mobil mit einer Marktkapitalisierung von 399,7 Milliarden Dollar. Das Unternehmen entstand 1999 durch den Zusammenschluss von Exxon mit Mobil Oil. Das Unternehmen gilt als Nachfolger der Standard Oil Company des legendären Milliardärs John D. Rockefeller.

Transocean betrieb zusammen mit dem Ölkonzern BP die Unglücksplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko. Im April 2010 waren nach der Explosion der Ölplattform elf Menschen ums Leben gekommen. Zwischen vier und fünf Millionen Barrel (je 159 Liter) Öl waren ins Meer gelaufen und hatten Teile der Küsten in fünf US-Bundesstaaten verschmutzt.

Hintergrund der Verfügung in Brasilien sind zwei Vorfälle Ende vergangenen Jahres und im März. Transocean und Chevron war es dabei lange nicht gelungen, ein Leck bei einer Ölbohrplattform vor Brasiliens Südostküste wieder abzudichten. Nach Angaben der Ölbehörde liefen 3000 Barrel Öl ins Meer. Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich im Frühjahr. Dieser hatte aber geringere Auswirkungen. Chevron hatte nach dem Vorfall im März von sich aus beschlossen, die Förderaktivitäten einzustellen. Anfang August verbot Brasilien dem Unternehmen die Wiederaufnahme der Ölförderung in dem Land.

Eine Strafe in Höhe von umgerechnet 13,4 Millionen Euro hat der US-Ölkonzern nun gezahlt. Die brasilianische Ölbehörde teilte am mit, die Zahlung sei vor einer Woche eingegangen. Vor zehn Tagen hatte die Behörde das Strafgeld wegen insgesamt 24 Rechtsverstößen verhängt. Doch Chevron drohen noch weitere Bußgelder. Ende 2011 hatte bereits die brasilianische Umweltbehörde dem Konzern eine Millionenstrafe auferlegt.

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