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02.03.2012

12:37 Uhr

Gerichtsurteil

Ferdinand Piëch drohen Klagen von Porsche-Aktionären

VonLukas Bay

ExklusivFerdinand Piëch hat seine Pflichten als Porsche-Aufsichtsrat verletzt. Das gibt Schadenersatzklagen gegen Porsche neuen Auftrieb. Möglicherweise kann der Autobauer sogar gezwungen werden gegen Piëch zu klagen.

Ferdinand Piëch, Aufsichtsratsvorsitzender bei Volkswagen und Mitglied des Aufsichtsrats bei Porsche. ap

Ferdinand Piëch, Aufsichtsratsvorsitzender bei Volkswagen und Mitglied des Aufsichtsrats bei Porsche.

DüsseldorfEine beiläufige Äußerung aus dem Jahr 2009 könnte Ferdinand Piëch teuer zu stehen kommen. Er habe sich keine Klarheit über die Risiken der Optionsgeschäfte des damaligen Porsche-Chefs Wendelin Wiedeking verschaffen können und wisse auch nicht, wie hoch die Risiken gewesen seien, hatte der VW-Patriarch und Porsche-Aufseher nach der Übernahmeschlacht von VW und Porsche sinngemäß gesagt. Zuvor war Wiedeking mit seinem Plan gescheitert, die Mehrheit an Volkswagen zu übernehmen. 

In dieser Woche haben die Richter des Oberlandesgerichts Stuttgart über Piëchs Äußerungen geurteilt: „Nimmt man diese Äußerungen beim Wort, hat Dr. Piëch damit eine schwerwiegende Pflichtverletzung belegt, denn zu seinen Kardinalpflichten als Mitglied des Aufsichtsrats gehörte die Erfassung und Beurteilung bedeutsamer Geschäfte der Porsche Automobil Holding SE“. Damit sei die Entlastung des Aufsichtsrates nichtig. 

Anlegeranwalt Braun: „Piëch hätte die Optionsgeschäfte verhindern müssen“

Anlegeranwalt Braun

exklusiv„Piëch hätte die Optionsgeschäfte verhindern müssen“

Ferdinand Piëch hat seine Pflichten als Porsche-Aufsichtsrat verletzt. Kläger-Anwalt Franz Braun erklärt im Interview mit Handelsblatt Online, welche Folgen das Urteil für Porsche und Piëch haben könnte.

Die Entscheidung der Richter birgt juristischen Sprengstoff. Sollte das Urteil Bestand haben, droht Porsche ein Prozess, der ähnlich gelagert sein dürfte wie der Fall Breuer/Kirch. In den USA und in Deutschland laufen bereits milliardenschwere Schadenersatzklagen gegen Porsche, die durch das Urteil neuen Auftrieb bekommen dürften. „Wir fühlen uns durch das Urteil bestätigt“, sagt Rechtsanwalt Franz Braun von der Münchner Kanzlei CLLB im Gespräch mit Handelsblatt Online. Er vertritt 72 institutionelle Anleger, die von Porsche einen Schadensersatz von rund 1,8 Milliarden Euro fordern. Sie fühlen sich durch den Porsche Vorstand und Aufsichtsrat mangelhaft informiert. 

VW und Porsche FAQ

Was ist das Ziel von VW und Porsche?

Die beiden Seiten wollen einen „integrierten Automobilkonzern“ formen, mit Porsche als zehnter Marke unter dem Volkswagen-Dach. VW ist Europas größter Autobauer. Die Partner erhoffen sich von ihrem Zusammengehen 700 Millionen Euro Einsparungen pro Jahr.

Was ist die Vorgeschichte der heutigen Probleme?

Porsche hatte noch vor der Wirtschaftskrise den Plan gefasst, den viel größeren VW-Konzern zu übernehmen. Die Schlacht war lang und schmutzig - und im Sommer 2009 hatte Porsche den ungleichen Kampf verloren. Die Schwaben hatten sich mit ihren ambitionierten Plänen verhoben, die Dachgesellschaft Porsche Automobil Holding SE stand mit 11,4 Milliarden Euro Schulden da. Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und sein Finanzvorstand Holger Härter nahmen ihren Hut. VW drehte den Spieß um - Porsche soll nun unter das Dach von VW schlüpfen.

Welche Hürden gibt es auf dem Weg?

Die misslungene Übernahme hat gehörige Altlasten hinterlassen: So dauern juristische Streitigkeiten an. Kläger sind etwa verschiedene Fondsgesellschaften. Ihre milliardenschweren Forderungen laufen in zwei getrennten Fällen: Auf bundesstaatlicher Ebene in den USA wird darum gerungen, ob die US-Gerichte überhaupt zuständig sind. Ebene zwei ist ein Verfahren in New York, wo es auch um Zuständigkeitsfragen geht.

Gibt es auch anderswo Probleme?

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt seit 2009. Wiedeking und Härter wird zum einen Marktmanipulation vorgeworfen. Sie sollen zwischen 2007 und 2009 im Zuge der geplanten VW-Übernahme die Öffentlichkeit teilweise gar nicht und in anderen Fällen nur unzureichend über ihre Pläne informiert haben. Zudem besteht gegen die beiden Ex-Porsche-Manager Untreueverdacht. Hintergrund: Die ehemaligen Vorstände könnten für die geplante Übernahme mit Aktienkurssicherungsgeschäften existenzgefährdende Risiken für Porsche eingegangen sein.

Außerdem wurde gegen Härter und zwei weitere Verantwortliche des Porsche-Finanzbereichs ein Verfahren wegen des Verdachts auf Kreditbetrug eingeleitet. Sie werden verdächtigt, bei Verhandlungen über die Refinanzierung von Krediten der Porsche-Dachgesellschaft falsche oder unvollständige Angaben gemacht haben. Die weiteren Ermittlungen sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft „äußerst aufwendig und zeitintensiv“ und werden nicht mehr 2011 abgeschlossen. Dem Vernehmen nach könnten sie sich bis weit ins nächste Jahr hineinziehen.

Welche Folgen hat das konkret?

Die ursprünglich für 2011 geplante Verschmelzung der VW AG und der Dachgesellschaft Porsche SE ist geplatzt. Dies war die Wunschlösung. Unter dem Dach der Porsche Holding sind die Mehrheit der Anteile am Porsche-Sportwagengeschäft (Porsche AG) gebündelt und die mehr als 50 Prozent, die die Stuttgarter an VW halten. Die Grundlagen für die Verschmelzung hatten die beiden Autobauer bereits im Sommer 2009 vereinbart. Grund für das Scheitern: VW sieht in den ungelösten juristischen Auseinandersetzungen der Stuttgarter ein unkalkulierbares Risiko - das wollen sie sich nicht ins Haus holen.

Wie könnten die Partner alternativ zusammenfinden?

Die Verschmelzung ist nicht komplett vom Tisch, sie könnte auch noch später durchgezogen werden. Allerdings müssten dafür neue Verträge abgeschlossen werden, die alten wären nicht mehr gültig. Außerdem haben sich die Autobauer bereits vor zwei Jahren einen Plan B zurechtgelegt. Von Mitte November 2012 bis Ende Januar 2015 gibt es vier vertraglich festgelegte Zeitfenster, in denen VW das Porsche-Sportwagengeschäft für den Preis von 3,9 Milliarden Euro komplett übernehmen kann. Bisher halten die Wolfsburger 49,9 Prozent.

Der Vorteil:

Volkswagen könnte sich das komplette operative Porsche-Sportwagengeschäft sichern, ohne die ungelösten Probleme der Porsche SE am Hals zu haben. Der Nachteil: Diese Variante wäre aus gesetzlichen Gründen erst ab Mitte 2014 steuerfrei. In den nächsten Wochen wollen beide Unternehmen nach alternativen Wegen suchen. Wie diese aussehen könnten, ließen sie zunächst offen.

Dass nach dem Urteil weitere Aktionäre direkt gegen Ferdinand Piëch klagen, hält Braun aber für unwahrscheinlich. Denn unmittelbare Haftung sei mit dem Urteil nicht automatisch verbunden. „Aufsichtsratspflichten sind in erster Linie dem Unternehmen geschuldet“, sagt der Anwalt. 

Kommentare (5)

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BMW

02.03.2012, 13:55 Uhr

Eine alte Weisheit sagt, das JEDER schon verloren hat, der sich mit Herrn Dr. Piech anlegt.

Account gelöscht!

02.03.2012, 16:09 Uhr

"Die Erde ist eine Scheibe" war auch mal so eine alte Weisheit. So wie Piech die Firmen VW und Porsche als seinen Privatbesitz behandelt war es, vor allem nach dem Eklat um den auch von ihm abgenickten VW Übernahmeversuch durch Porsche, nur eine Frage der Zeit, bis endlich auch mal die Gerichte ohne vor Angst gefüllte Hosen zu Worte kommen.
Piech hat selbstherrlich den Bogen weit überspannt.

masternick

02.03.2012, 18:27 Uhr

Wenn 10 % des Grundkapitals einer Klage zustimmen, muss Porsche gegen Piech klagen. Viel Spass - an der Börse gibt es nur stimmrechtslose Aktien zu kaufen - die Stamm aktien halten die Po-Pi´s schon selber, die sind ja nicht blöd...

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