Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.11.2012

20:29 Uhr

Gerichtsurteil

Roche verliert Patent in Indien

Das indische Patentrecht bleibt willkürlich: Ein Berufungsgericht hat dem Schweizer Pharmaunternehmen in Indien ein Medikamentenpatent aberkannt. Auch andere Pharmakonzerne müssen um ihre Patente fürchten.

Der Pharmakonzern Roche muss ein Patent in Indien abgeben – so entschied es ein Gericht. Reuters

Der Pharmakonzern Roche muss ein Patent in Indien abgeben – so entschied es ein Gericht.

Mumbai/LondonIndien hat der internationalen Pharmaindustrie erneut einen schweren Dämpfer verpasst. Das indische Patent-Berufungsgericht (IPAB) widerrief am Freitag das Patent des Schweizer Pharmakonzerns Roche für das Medikament Pegasys zur Behandlung von Hepatitis C. Zur Begründung führte die Behörde unter anderem den hohen Preis für das Arzneimittel an. Das Gericht sah es auch nicht als erwiesen, dass das Mittel wirksamer ist als andere Behandlungsmethoden.

Roche hatte den Patentschutz für Pegasys von Indien 2006 erhalten. Die Aberkennung dürfte Experten zufolge die Beziehungen zwischen dem Land und internationalen Pharmakonzernen belasten. Die weltweit agierenden Unternehmen der Branche betrachten den rund zwölf Milliarden Dollar schweren Arzneimittelmarkt in Indien als große Chance. Mittlerweile machen aber preiswertere Nachahmermedikament bereits 90 Prozent der Verkäufe dort aus.

Im Streit um Billigmedikamente in Indien musste bereits der deutsche Hersteller Bayer vor Gericht eine Niederlage einstecken. Ein indisches Patentgericht wies eine Eilklage des Konzerns gegen einen Generikahersteller ab, der eine günstige Kopie des Bayer-Krebsmittels Nexavar produzieren will. Das indische Patentamt hatte Bayer im März gezwungen, sein Schutzrecht für Nexavar zugunsten der Pharmafirma Natco aufzugeben.

Die Entscheidung hatte international hohe Wellen geschlagen. Die Pharmabrache fürchtet, der Beschluss könnte ein Präzedenzfall werden und den Schutz geistiger Eigentumsrechte in dem Schwellenland gefährden. Die Hersteller sorgen sich, dass Indien trotz seines rasanten Wirtschaftswachstums ein Land bleiben könnte, in dem sich Arzneimittelpatente nur schwer durchsetzen lassen.

Roche kann die Entscheidung des Boards vor dem obersten Gerichtshof in Indien anfechten. Das Unternehmen prüft nach eigenen Angaben die weitere Vorgehen. Ein Roche-Sprecher sagte, ein solides System zum Patentschutz sei notwendig, um Forschung zu betreiben.

Von

rtr

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

DgBmdsS

02.11.2012, 20:58 Uhr

Schwellenländer fragen sich zu Recht, für was sie ihre beschränkten Mittel ausgeben. Warum sollen für Produkte ohne materiellen Wert, d.h. solche die sich billig reproduzieren lassen, hohe Preise bezahlt werden. Der Westen führt ihnen die Wertlosigkeit von z.B. Software/ Indien oder Markenprodukten/ China oder Markenkleidung/ Bangladesh vor, in dem er sie dort billigst herstellen läßt.

o3040855

02.11.2012, 21:38 Uhr

kann dem nur zustimmen...

"Zur Begründung führte die Behörde unter anderem den hohen Preis für das Arzneimittel an."

Qualitätsjournalismus würde diese Behauptung mit einem Beispiel unterlegen..aber das gibts beim Handelsblatt nicht ;)

"Die weltweit agierenden Unternehmen der Branche betrachten den rund zwölf Milliarden Dollar schweren Arzneimittelmarkt in Indien als große Chance."

Ja. Man hört immer wieder wie Medikamente dort illegal am Menschen, ohne deren Wissen getestet werden.

"Das indische Patentamt hatte Bayer im März gezwungen, sein Schutzrecht für Nexavar zugunsten der Pharmafirma Natco aufzugeben."

Aber dass Bayer weiterhin alimentiert wird von Natco wird nicht gesagt....im Grunde hat man staatlicherseits eine "günstige" Lizenz verordnet...welcher normale Inder kann für das Krebsmedikament $5500 zahlen?

"Ein Roche-Sprecher sagte, ein solides System zum Patentschutz sei notwendig, um Forschung zu betreiben"

Für die 1000te Kopie von Aspirin für ein weiteres IP anstatt wirklicher Forschung oder Innovation.

Charly

02.11.2012, 22:02 Uhr

Gewinnmaximierung muss auch Grenzen haben.
Im Westen brechen Konzerne inzwischen alle Regeln von Rechtsstaaten.
Dort bekommen sie halt vorgeführt, dass andere das auch können.
Insofern hält sich mein Bedauern für Roche in engen Grenzen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×