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10.08.2011

23:35 Uhr

Gerinnungshemmer Xarelto

Mediziner schätzen Wirksamkeit neu ein

Der Gerinnungshemmer Xarelto ist laut Medizinern einem älteren Medikament zur Bekämpfung von Schlaganfällen nicht unterlegen. Eine gute Nachricht für Bayer in einem auf 10 Milliarden Dollar geschätztem Markt.

Bayers Gerinnungshemmer Xarelto könnte neue Behandlungsmöglichkeiten eröffnen. Quelle: dpa

Bayers Gerinnungshemmer Xarelto könnte neue Behandlungsmöglichkeiten eröffnen.

Bayer und der US-Pharmariese Johnson & Johnson (J&J) haben mit ihrem neuen Gerinnungshemmer Xarelto zur Verhinderung von Schlaganfällen Medizinern zufolge die Behandlungsmöglichkeiten erweitert. Es müssten aber noch weitere klinische Studien aufgelegt werden, um die Behandlung von Patienten zu verbessern, hieß es in einem am Mittwoch veröffentlichten Leitartikel der einflussreichen Medizin-Zeitschrift „New England Journal of Medicine“ (NEJM).

Analysten und Ärzte hatten sich von der neusten Ausgabe der Fachzeitschrift Aufschluss darüber erhofft, wie die Ergebnisse einer großangelegten klinischen Studie mit dem Präparat bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen zu interpretieren sind. In ihrem Artikel wiesen Gregory Zoppo von der Universität Washington und Misha Eliasziw von der Universität Calgary allerdings auf einige Unklarheiten in der Studie mit der Bezeichnung „Rocket AF“ hin. Nach ihrer Einschätzung führten unterschiedliche statistische Analysen zur Bewertung des Mittels dazu, dass sich dessen Vorzüge schwerer erkennen ließen.

Das NEJM veröffentlichte in seiner neusten Ausgabe die kompletten Ergebnisse der Rocket-AF-Studie. Im vergangenen November hatten Bayer und J&J mit Xarelto für Aufsehen gesorgt. Damals legten sie Ergebnisse aus der Studie vor, nach denen eine Behandlung mit Xarelto - auch bekannt unter dem Wirkstoffnamen Rivaroxaban - das Risiko von Schlaganfällen im Vergleich mit der Standardarznei Warfarin um 21 Prozent verringert.

Getestet wurde der Einsatz der Mittels zum Schutz vor Schlaganfällen bei Patienten mit Vorhofflimmern, einer typischen Form von Herzrhythmusstörungen. Aber diese Schlussfolgerung basierte auf einer Analyse, die einige Patienten ausschloss. Wurden alle Patienten in die Bewertung einbezogen, konnte keine Überlegenheit von Xarelto gegenüber Warfarin gezeigt werden.

„Ich glaube, wir können sicher sagen, dass Rivaroxaban Warfarin nicht unterlegen ist. Ich glaube nicht, dass wir sagen können, es ist überlegen“, sagte Zoppo Reuters in einem Telefoninterview. Nicht unterlegen zu sein, sei aber keine schlechte Sache für den Wirkstoff.

In ihrem Artikel wiesen die beiden Authoren auch darauf hin, dass es für neue Gerinnungshemmer wie Xarelto kein Gegenmittel gibt, mit dem die Wirkung bei lebensbedrohlichen Blutungen rasch umgekehrt werden kann. Bei dem Standardmittel Warfarin kann dies Vitamin K leisten. Xarelto ist bereits zur Verhinderung von gefährlichen Blutgerinnseln nach größeren orthopädischen Operationen auf dem Markt. Es wird erwartet, dass die US-Gesundheitsbehörde im November entscheidet, ob sie die Tablette auch zum Schutz vor Schlaganfällen zulässt.

Der Weltmarkt für neue Medikamente zur Bekämpfung von Schlaganfällen wird von manchen Experten auf weit über zehn Milliarden Dollar taxiert. Der deutsche Rivale Bohringer Ingelheim hat es mt seinem Konkurrenzpräparat Pradaxa mit dem Wirkstoff Dabigatran bereits in den USA auf den Markt geschafft. Auch weitere Unternehmen, darunter Pfizer zusammen mit Bristol-Myers Squibb sowie Daiichi Sankyo, haben neue Substanzen in der Entwicklung. Alle hoffen, das Jahrzehnte alte Warfarin einmal als Standardmittel in diesem Behandlungsfeld ablösen zu können.

Zoppo zufolge sind die neuen Gerinnungshemmer aufgrund der einfachen Anwendung für ältere Patienten mit Vorhofflimmern ein Fortschritt. Warfarin lässt sich dagegen nur schwer dosieren. Patienten müssen überwacht werden und regelmäßige Bluttests sind nötig. Zudem müssen strikte Diätvorgaben eingehalten werden. Älteren Patienten mit Herzrhythmusstörungen fällt dies oft schwer.

Von

rtr

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