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14.07.2011

08:36 Uhr

Gerüchte um Opel-Verkauf

General Motors attackiert VW-Chef Winterkorn

VonTino Andresen

Bei General Motors liegen die Nerven angesichts der andauernden Spekulationen über einen Verkauf der Tochter Opel offenbar blank. Jetzt macht der US-Autobauer VW-Chef Martin Winterkorn für die Gerüchte mitverantwortlich.

Warnschild vor dem Opel-Werk in Bochum: Seit Wochen wird über den Verkauf von GMs Europa-Tochter spekuliert Quelle: dpa

Warnschild vor dem Opel-Werk in Bochum: Seit Wochen wird über den Verkauf von GMs Europa-Tochter spekuliert

Düsseldorf/DetroitIn der Autobranche vermeiden es die Rivalen in der Regel, übereinander zu sprechen. Das gilt eigentlich auch für den US-Riesen General Motors (GM). Außerdem betont das Unternehmen, in einem „Statement als Antwort zu VWs Kommentaren zu Opel“: „General Motors hat eine langjährige Politik, Gerüchte und Spekulationen nicht zu kommentieren.“ Die anhaltenden Spekulationen über einen Verkauf von Europas GM-Tochter Opel bringt das amerikanische Unternehmen jetzt aber dazu, mit dieser Tradition zu brechen. Denn mit unverhohlenem Ärger heißt es in der Pressemitteilung: „Leider zeigen einige unserer Wettbewerber keine vergleichbare Zurückhaltung.“

Der Unmut gilt einem der schärfsten Rivalen um den Titel des weltgrößten Autobauers: Volkswagen. Was die Manager in Detroit offenbar bis aufs Blut reizt, sind Äußerungen von VW-Chef Martin Winterkorn. Dieser kommentiere Gerüchte bezüglich Opel, „was ein bedauernswertes Muster fortsetzt, Spekulationen zu befeuern“, dass Opel zum Verkauf stehe - und das obwohl die Tochter „solide Fortschritte“ bei der Restrukturierung mache.

Zur Weißglut treibt die GM-Verantwortlichen das Timing. Denn die Äußerungen Winterkorns, dass Chinesen wahrscheinlichere Käufer seien als Hyundai, falls GM sich von seiner Europa-Tochter trennen sollte, würden die positiven Medienreaktionen auf das Elektroauto Opel Ampera überlagern.

Opels bewegte Geschichte

Eine Achterbahnfahrt

Die Firmengeschichte der Adam Opel AG gleicht einem spannenden Roman, den man nicht besser erfinden könnte. Es folgt die aufregende Geschichte des Autobauers.

Die Wurzeln

Alles begann mit Nähmaschinen: Die Wurzeln von Opel reichen bis ins Jahr 1862 zurück. Damals gründete Adam Opel ein Unternehmen zum Nähmaschinen-Bau und legte damit den Grundstein für die spätere Adam Opel AG.

Opel baut Fahrräder

1886 nahm Opel die Produktion von Fahrrädern auf - zunächst mit Hochrädern. 1899 rollte das erste Automobil aus der Fabrik in Rüsselsheim. Seit 1929 gehört Opel zum US-Konzern General Motors (GM).

Der „Laubfrosch“

Als erster deutscher Hersteller führte Opel 1923 die Serienfertigung am Fließband ein. Als Hersteller von preisgünstigen und robusten Gebrauchsfahrzeugen wie dem legendären „Laubfrosch“ wurde Opel populär.

 

Raketenautos

Spektakuläre Experimente mit Raketenautos durch Fritz von Opel trugen zum Image eines modernen Unternehmens bei. Der Marktanteil in Deutschland lag damals bei heute kaum vorstellbaren 26 Prozent, der spätere große Konkurrent Volkswagen war noch nicht einmal gegründet.

Erste Risse

Doch das Fundament von Opel zeigte erste Risse. Für die Einführung der Massenproduktion waren enorme Investitionen notwendig. Wilhelm von Opel, damals der Kopf des Unternehmens, erkannte, dass ein reines Familienunternehmen mit den horrenden Investitions- und Entwicklungskosten in der Autoindustrie auf Dauer überfordert sein würde.

GM fühlt vor

Schon 1926 hatte von Opel bei General Motors vorgefühlt, ob der US-Konzern an einer Beteiligung interessiert sei. Zwei Jahre später nahmen die Firmen den Gesprächsfaden wieder auf.

Übernahmekandidat

Inzwischen war Opel für GM ein interessanter Übernahmekandidat geworden. Die steigenden Zollbarrieren, mit denen die Reichsregierung die deutschen Autohersteller schützen wollte, zwangen GM, über Alternativen zum Import fertiger Fahrzeuge nachzudenken. Es war die Idee von Konzernchef Alfred Sloan, die Produktion für den europäischen Markt nach Deutschland zu verlagern und dazu ein etabliertes Unternehmen zu kaufen.

Opel macht Eindruck

Als eine GM-Delegation 1928 in Europa mehrere Werke besichtigte, machte Opel auf Sloan einen hervorragenden Eindruck: „70 Prozent des Maschinenparks sind in den vergangenen vier Jahren neu angeschafft worden“, notierte Sloan: „Die Werksstruktur ist flexibel und der Fertigung neuer Modelle leicht anzupassen.“ Am 17. März 1929 übernahm der Konzern für 33 Millionen Dollar die Aktienmehrheit an Opel, nach damaligen Maßstäben ein Mega-Deal.

Erst spät rentabel

Verzinst hat sich das Investment lange nicht: Erst verhinderte die Weltwirtschaftskrise, dann die NS-Diktatur eine erfolgreiche transatlantische Zusammenarbeit. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Opel für General Motors rentabel. 1954 baute Opel erstmals pro Jahr mehr als 150.000 Fahrzeuge, heute sind es rund 1,2 Millionen.

Die finsteren 80er

Doch ab den 80er Jahren kippte die Entwicklung: Opel verschlief den Wechsel zum Frontantrieb: Der Herausforderer VW-Golf war einfach praktischer als der Rivale Kadett, der noch mit Heckantrieb fuhr. Auch den von VW gestarteten Dieseltrend verschlief Opel.

12Kampf mit VW

In den 90ern prügelte sich Opel vor allem mit VW um seinen ehemaligen Manager José López, der nach Wolfsburg gewechselt war und angeblich Industriespionage begangen hatte. Doch in den López-Jahren hatten bei Opel Qualitätsprobleme begonnen, die das einst lupenreine Image der Marke beschädigten. Und die Mutter GM nutzte das Können der Opel-Ingenieure dann für eigene Projekte in Übersee, wie in Brasilien. Aber nicht für Opel-Autos.

GM behindert Opel

Außerdem verhinderte GM den weltweiten Export von Opel, das zusammen mit den britischen GM-Tochter Vauxhall auf Europa beschränkt bleiben sollte. Während Volkswagen zu einem mächtigen Global Player heranwuchs, wurde Opel von General Motors nur unzulänglich gefördert. Wichtige Märkte wie China sind Opel bis heute versperrt, weil GM hier auf andere Konzernmarken baut.

Die große Krise 2008

Als 2008 die große Autokrise ausbrach, explodierten die Probleme bei Opel: Das Unternehmen hing am Tropf der US-Mutter, die dann aber selbst in die Insolvenz ging. GM wollte Opel schnell verkaufen und wurde sich 2009 handelseinig mit dem Zulieferkonzern Magna.

Der Deal platzt

Doch dann besann sich GM und sagt den Deal ab. „Das ist ein klares Bekenntnis zum europäischen Geschäft, das für GM von entscheidender Bedeutung ist“, sagte der damalige Konzernchef Ed Whitacre im März 2010. Whitacre schickte den hemdsärmeligen Nick Reilly als Sanierer zu Opel: 8.000 Jobs wurde gestrichen, das Werk in Antwerpen geschossen, die Fabrik in Bochum gesundgeschrumpft.

Der Neustart

Jetzt steckt Opel mitten im Neustart: Die Modelle sind neu und schneiden in Tests gut ab. Der kleine Corsa sitzt dem viel teureren VW-Polo bei den Neuzulassungen im Nacken. Bei den Mini-Vans ist der praktische Meriva an der Spitze der Zulassungen und der Astra-Kombi läuft nach Firmenangaben gut an.

 

Der Insignia

Ein Problem hat Opel aber bei den größeren Modell: Der Insignia ist technisch gut, kommt aber beim Absatz nicht in die Nähe des Platzhirsches Passat. Gerade bei den größeren Autos wird aber das große Geld verdient. Und darüber hat Opel gar kein Angebot mehr, weder Rekord, noch Omega, Senator, Diplomat, Admiral oder Kapitän. Und den Manta schon gar nicht.

Die heutigen Verkäufe

Gemeinsam mit der britischen Schwestermarke Vauxhall verkaufte Opel 2010 mehr als 1,1 Millionen Fahrzeuge in Europa, was einem Marktanteil von 6,2 Prozent und Platz fünf im Markt entspricht. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr mehr als 243.000 Wagen verkauft, damit lag Opel auf dem dritten Rang.

Opel International

Das Unternehmen betreibt Werke und Entwicklungszentren in sechs europäischen Ländern und beschäftigt nach eigenen Angaben europaweit 40.500 Mitarbeiter. Opel baut in Deutschland neben dem Hauptstandort in Rüsselsheim Autos in Bochum und Eisenach. In Kaiserslautern werden zusätzlich Motoren und Teile gefertigt.

Opel und GM

Im ersten Quartal 2011 verzeichnete GM mit dem Europageschäft um Opel und die kleinere britische Schwester Vauxhall operativ rote Zahlen von 390 Millionen Dollar (263 Mio. Euro). Im gesamten vergangenen Jahr war es ein Verlust von 1,76 Milliarden Dollar.

2012

Während GM in Nordamerika einen Rekordgewinn einfährt, verbucht der Konzern in Europa einen Verlust von mehreren hundert Millionen Euro. Das Europageschäft besteht überwiegend aus Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall.

Mai 2012

Am 17. Mai gibt Opel bekannt, dass das Stammwerk Rüsselsheim die Produktion des mit Abstand wichtigsten Modells Astra verliert. Das Fahrzeug soll von 2015 an nur noch im britischen Ellesmere Port und in Gliwice (Polen) gebaut werden. Rüsselsheim als modernstes Werk von Opel/Vauxhall in Europa soll aber auch künftig voll ausgelastet werden. Wie, das soll in Gesprächen zwischen Management und Betriebsrat geklärt werden.

Ein Volkswagen-Sprecher sagte laut der Nachrichtenagentur Bloomberg zu den Vorwürfen, Winterkorn habe nur spekuliert. Der Volkswagen-Chef habe auf die Frage eines Journalisten hin nicht gesagt, dass Opel definitiv zum Verkauf stehe. „Wenn man genau liest, denkt er nicht, dass GM Opel verkauft“, betonte der Unternehmenssprecher.

General Motors bekommt Unterstützung vom auf die Autobranche spezialisierten US-Beratungsunternehmen Maryann Keller & Associates. Deren Chefin und Namensgeberin Maryann Keller sagte Bloomberg, Winterkorn hätte sich die „ungehörigen“ Bemerkungen über den Wettbewerber sparen sollen. „Er hätte nichts sagen sollen.“

General Motors jedenfalls unterstreicht: „Opel ist seit 1928 Teil der GM-Familie und bleibt für das Unternehmen wichtig.“ Der Konzern sei erfreut, wie sich die Europa-Tochter im vergangenen Jahr entwickelt habe.

Kommentare (4)

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Ben

14.07.2011, 17:23 Uhr

Ich drücke Opel die Daumen, dass sie sich weiter so gut entwickeln und zu alter Stärke zurück finden!

rolf.mikat

15.07.2011, 09:45 Uhr

Die Opelaner sollten sich vor Herrn Dr. Winterkorn verneigen: er hat mit seinen Ausführungen bewirkt, dass sich GM zu Opel bekennt - es dürfte eine große Freude für die Opel-Belegschaft sein.

Bauernopfer

18.07.2011, 10:41 Uhr

Tja, vielleicht hat der "unantastbare Riese" mit politischem Schutzmantel nun doch den Bogen überspannt und der deutsche Durchschnittsbürger bemerkt, dass auch bei Opel deutsche Autos von deutschen Arbeitnehmern gebaut werden... Und der große Vorteil bei Opel: Die Autos haben zwar auch ein Markengesicht, aber man findet sie am Aldi-Pakplatz wieder, nicht jeder hat ein Massband dabei, um herauszufinden, ob da jetzt ein Polo oder ein Golf steht *lach*

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