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11.02.2015

16:08 Uhr

Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger

„Wir befürchten, dass Handel mit Russland zerstört wird“

ExklusivDie deutsche Wirtschaft befürchtet eine Schädigung oder Zerstörung der Handelsbeziehungen mit Russland als Folge der Sanktionen. Im Ukraine-Konflikt müsse eine gesichtswahrende Lösung für Russland gefunden werden.

Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall hofft auf eine friedliche Lösung im Ukraine-Konflikt. dpa

Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall hofft auf eine friedliche Lösung im Ukraine-Konflikt.

BerlinDie deutsche Wirtschaft hofft auf einen Erfolg der Friedensbemühungen im Ukraine-Konflikt. „Es gibt in dieser Auseinandersetzung bisher nur Verlierer. Daher begrüße ich die Friedensinitiative von Kanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Hollande sehr“, sagte der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Rainer Dulger, dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe). Wichtig sei eine gesichtswahrende Lösung für Russland.

Die deutsche Wirtschaft, die mit rund 6.000 Firmen in Russland aktiv sei, spüre schon deutliche Konsequenzen der Sanktionen gegen Russland. Die Metall- und Elektroindustrie habe in den ersten elf Monaten 2014 einen Einbruch von mehr als 20 Prozent erlebt.

Zur Wirkung der Sanktionen äußerte sich Dulger zurückhaltend: „Das muss die Politik beurteilen, die in dieser Frage das Primat des Handelns hat.“ Er beobachte aber, dass die Popularität von Präsident Wladimir Putin in der russischen Bevölkerung eher gestiegen sei.

Deutschlands Handel mit Russland

Deutschland und Russland...

...sind wirtschaftlich eng verwoben. Daimler ist am russischen Lkw-Hersteller Kamaz beteiligt, die BASF-Tochter Wintershall arbeitet eng mit Gazprom zusammen, Siemens unterhält eine Partnerschaft mit der Russischen Staatsbahn RZD.

76,5 Milliarden Euro

2013 tauschten beide Länder Güter im Wert von rund 76,5 Milliarden Euro aus. Dabei überstiegen die Importe aus Russland die Exporte.

Erdöl und Erdgas...

...machten drei Viertel der Importe aus Russland aus, die sich insgesamt auf 40,4 Milliarden Euro beliefen.

Im Gegenzug...

...lieferte Deutschland dem Statistischen Bundesamt zufolge Waren im Wert von 36,1 Milliarden Euro nach Russland.

Autos, Maschinen und Chemie

An der Spitze standen die Maschinenbauer (8,1 Milliarden Euro), die Autoindustrie (7,6 Milliarden Euro) und die Chemiebranche (3,2 Milliarden Euro).

Deutschland...

...liegt hinter China auf Rang zwei der Lieferländer Russlands.

Russland hingegen...

...ist der elftwichtigste Absatzmarkt für die deutsche Exportwirtschaft.

Auch beteiligten sich wichtige Länder wie die Schweiz, die Türkei oder China nicht an den Strafmaßnahmen. „Wenn die EU meint, die Sanktionen verschärfen zu müssen, dann tragen wir das mit“, sagte der Gesamtmetall-Präsident. „Wir befürchten aber, dass die Handelsbeziehungen mit Russland dauerhaft beschädigt oder zerstört werden.“

Dulger begrüßte Merkels Vorschlag, im Fall eines Waffenstillstands über eine Freihandelszone von Lissabon bis Wladiwostok zu reden und Moskau so einen Anreiz zu setzen, über den Handel wieder ins Gespräch zu kommen: „Das wäre nicht das erste Mal, dass dieser Weg verfeindete Parteien wieder zusammenbringt.“

Von

fsp

Kommentare (3)

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Herr Wolfgang Trantow

11.02.2015, 18:52 Uhr

Ein weiterer großartiger erfolg der Frau Merkel zum Wohle Deutschland gem. Ihrem Amtseid. Erst die verschuldung explodieren lassen ( ca. min. 380 Milliarden ) ohne das Sie die Schulden tilgen will und kann. Jetzt kommt dazu die Vernichtung der deutschen Wirtschaft!

Herr R. B.

11.02.2015, 20:43 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Felix Koch

11.02.2015, 21:28 Uhr

Russland wird das gleiche Problem haben. Sie brauchen auch den Welthandel. Sie haben viele westliche Fabriken im Land (Autoindustrie) die viele russische Arbeitsplätze bedeuten. Die deutsche Rüstungsindustrie wird aber eher durch die Finger schauen. Die dürfen sicher nicht mehr liefern. Frankreich wird sich allerdings anschicken die beiden Mistral Flugzeugträger. Sind ja bekannt für ihre laxe Exportpolitik bei Waffensystemen. Kein Wunder, dass die KMW halb französisch werden will!

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