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19.02.2015

10:33 Uhr

Geschäft mit Delphi

Mahle kauft in der Klimatechnik zu

Mahle kauft die Klimatechnik-Sparte des US-Konkurrenten Delphi. Damit setzt der Autozulieferer seinen Wachstumskurs durch Zukäufe fort - und könnte nun einem Weltmarktführer gefährlich werden.

Das Geschäft hat ein Volumen von 727 Millionen Dollar dpa

Autozulieferer Mahle

Das Geschäft hat ein Volumen von 727 Millionen Dollar

HamburgDer Stuttgarter Autozulieferer Mahle treibt mit der Übernahme der Klimatechnik-Sparte des US-Konkurrenten Delphi seine weltweite Expansion voran. Das Geschäft habe einen Wert von rund 730 Millionen Dollar, teilte Delphi am Donnerstag mit. Mahle ergänzte, geplant sei, die 13 Delphi-Werke in Europa, Nord- und Südamerika und Asien sowie die Entwicklungszentren in den USA und Luxemburg in die eigene Organisation zu integrieren. Die Delphi-Sparte erzielte im abgelaufenen Jahr mit rund 7600 Mitarbeitern einen Umsatz von umgerechnet rund einer Milliarde Euro. Mahle selbst beschäftigt weltweit 66.000 Mitarbeiter. „Durch diese Akquisition wird Mahle seine Wettbewerbsposition im Bereich Thermo-Management deutlich stärken“, sagte Spartenchef Jörg Stratmann.

Das Steuern von Wärmeströmen in Autos spielt bei alternativen Antrieben wie Elektromotoren und Brennstoffzellantrieben eine wichtige Rolle, da Batterien Hitze erzeugen. Die gleichnamige Sparte von Mahle ist 2013 durch die Übernahme der Behr-Gruppe entstanden und wächst nun zu einem weltweiten Anbieter heran. Mit dem Zukauf könnte Mahle den Druck auf den japanischen Segmentführer Denso erhöhen.

Automobilzulieferer Mahle kürzt: Im Schwabenland droht der Stellenabbau

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Premium Im Schwabenland droht der Stellenabbau

Deutschlands viertgrößter Autozulieferer Mahle will Hunderte Stellen abbauen. Die Personalkosten sollen in Deutschland um 15 Prozent gesenkt werden. Ein internes Papier listet die Sparpläne im Detail auf.

Dem Kauf müssen noch die Kartellbehörden zustimmen. Mit einem Abschluss der Transaktion rechnen beide Unternehmen im Herbst. Mahle ist in den vergangenen Jahren durch Übernahmen stark gewachsen.

Während der viertgrößte deutsche Zulieferer im Ausland auf Expansionskurs ist, will das Management in Deutschland den Rotstift ansetzen. In Deutschland stehen nach einem Bericht des „Handelsblatt“ mehr als 500 der 14.500 Stellen auf der Kippe, da einige Standorte schon länger nicht mehr profitabel arbeiten. Eine Sprecherin des Unternehmens bestätigte das nicht, erklärte aber, es werde angesichts der hohen Personalkosten und des Preisdrucks für die deutschen und westeuropäischen Standorte immer schwieriger, Aufträge zu bekommen.

So laufen die Verhandlungen mit den Autobauern

Über die Umfrage

Eine Umfrage der Unternehmensberatung Fein zeigt, wie Manager von Zulieferern die Einkäufer der Automobilhersteller beim Preispoker erleben.

Quelle: Umfrage Fein Unternehmensberatung/IRN

Audi

Sehr zielorientiert mit Blick auf den vom Einkäufer erwarteten Preis, fordernd, aggressiv; speziell Audi: Ein Nein zum erwarteten Preis gilt als nicht akzeptabel.

BMW

Kühl, erdrückend, machtbewusst, von kooperativ und partnerschaftlich bis aggressiv alles vertreten; Verhandlungsspielraum gering, zwar eher konzernweite Abschlüsse, aber auch für einzelne Marken möglich.

Daimler

Giftig und gallig, Verhandlungsspielraum, Roulette, ernst, gespannte Situation, bestimmend, fordernd, einseitig; Bonuszahlungen.

Opel

Konstruktiv, freundlich bis eisig.

Porsche

Angespannt, fordernd, aggressiv.

Volkswagen

Fordernd, eisig, nicht partnerschaftlich, sachlich, aber fordernd, konstruktiv, teilweise mit Entzug von Business gedroht, partnerschaftlich, zielorientiert, pragmatisch, offen und fair, normal, freundlich, sher gut.

Das Management unter dem im Sommer ausscheidenden Vorstandschef Heinz Junker will deshalb mit der IG Metall vereinbaren, den in der Metall- und Elektroindustrie geltenden Flächentarifvertrag zu unterschreiten, um die Kosten zu senken. Die IG Metall und Betriebsräte lehnen dies ab. Die Arbeitgeberseite fordere zur Beschäftigungssicherung 15 Prozent Einsparungen, teilte die Gewerkschaft mit. „Ohne eine Einigung über solche Maßnahmen ist aus wirtschaftlicher Sicht die Zukunft verschiedener Standorte gefährdet“, sagte die Unternehmenssprecherin.

Bereits im September 2014 hatte Mahle die Übernahme des slowenischen Autozulieferers Letrika abgeschlossen, der Elektromotoren, Generatoren und Antriebssysteme entwickelt und baut. Insgesamt kommt das Unternehmen vor der Übernahme auf einen Umsatz von 10 Milliarden Euro und beschäftigt weltweit 66.000 Mitarbeiter. In einem internen Papier hatte das Unternehmen zuletzt seine Sparpläne skizziert. Unter anderem sollen die Personalkosten um 15 Prozent gesenkt werden.

Für Delphi ist der Verkauf ebenfalls ein weiterer Schritt auf dem Wandel zum Technologiekonzern - und eine Fortsetzung der Schrumpfkur. Vor zehn Jahren beschäftigte das US-Unternehmen noch 47.000 Mitarbeiter im Heimatmarkt und kam auf einen Umsatz von rund 30 Milliarden Dollar. Mittlerweile ist Belegschaft auf rund 5.000 Mitarbeiter geschrumpft. Die Zahl der Werke ist von 47 auf 5 radikal zusammengeschrumpft.

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