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24.10.2014

18:36 Uhr

Geschäft mit der Schlafstörung

Lasst mich endlich schlafen!

VonBenjamin Esche

Für Manager ist eine schlaflose Nacht ein Ritterschlag – andere Deutsche sind bereit, viel Geld für ein bisschen mehr Schlaf zu zahlen. Die Industrie um die Schlafstörungen ist mittlerweile ein Millionengeschäft.

Schlaflosigkeit ist mittlerweile eine Volkskrankheit.

Schlaflosigkeit ist mittlerweile eine Volkskrankheit.

KölnEinfach durcharbeiten – ohne Schlaf. Viele Top-Manager brüsten sich regelrecht damit, wenn sie die Nacht zum Tage gemacht haben. Doch für sie und auch für Arbeitnehmer in stressigen Jobs ist der Schlaf besonders wichtig. Viele Deutsche sind mittlerweile sensibilisiert für einen guten Schlaf und wollen diesen auf unterschiedlichen Wegen erreichen. Dazu gehört auch Britta Lefarth. Der Analyseberaterin aus Stuttgart ist ihr gesunder Schlaf wichtig, um ihre Leistungsfähigkeit im Job hochzuhalten. Vor allem das unsanfte Klingeln ihres Weckers ließ sie früher nicht richtig in den Tag starten.

Heute wird sie sanfter geweckt: mit Licht. Morgens erhellt ein so genannter Lichtwecker ihr Zimmer mit künstlichem Sonnenlicht, zwitschernden Vögeln oder leichtem Wellenrauschen. „Dann merke ich automatisch, dass ich aufstehen muss“, erklärt Lefarth. Und das ohne schrille Weckgeräusche.

Rund um die Schlaf hat sich eine ganze Industrie gebildet. Bei Schlafstörungen gehen einige in Schlaflabore, andere schlucken Schlaftabletten und Nahrungsergänzungsmittel, um in den Schlaf zu finden. Doch auch die Technik soll Schlaflosen helfen. Neben Lichtweckern gibt es Apps, die den Schlaf überwachen, und private Schlafzentren, die den Schlaf optimieren. Und dieser Markt wächst – weltweit: „Alles was mit Schlaf zu tun hat, ist in den letzten Jahren zunehmend präsenter geworden“, erklärt Ulrich Koehler vom Schlafmedizinischen Zentrum des Uniklinikums Marburg. „Man hat heute mehr denn je erkannt, dass Schlaf etwas elementar Wichtiges ist, um am Tag seine Leistungsfähigkeit abrufen zu können.“

Meist ist es der Job, der uns den Schlaf raubt. Die zunehmende Schichtarbeit in vielen Betrieben fördere Schlafstörungen bei den Mitarbeitern, weiß Hans-Günter Weeß von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM): „Gut 20 Prozent der Bevölkerung arbeiten in schichtnahen Tätigkeiten. Besonders Früh- und Nachtschichten erhöhen das Risiko für Durchschlafstörungen um das Zwei- bis Dreifache.“ Schlafmediziner Koehler sieht darin ein Hauptproblem: „Wir sind eine Leistungsgesellschaft und haben im Vergleich zu früher sehr verschobene Schlafrhythmen.“ Gerade Schichtarbeiter würden sich allerdings in einer Art Dauerstress befinden, der sie nachts gar nicht abschalten lasse, sagt Psychologe Weeß. 

Waren es früher vor allem die Älteren, die zur Schlaflosigkeit neigen, werden die Patienten immer jünger „Heutzutage leiden vor allem viele junge Menschen unter behandlungsbedürftigen Ein- und Durschlafstörungen“, sagt der Marburger Schlafforscher Koehler. 20 bis 30 Prozent aller Deutschen seien betroffen. „Die Schlafzeiten haben sich mittlerweile deutlich verkürzt.“ Mit der Folge, dass einige Menschen überhaupt nicht mehr richtig ausgeschlafen seien. Weeß von der DGSM hat dafür unter anderem auch digitale Geräte wie Smartphones und Tablets – und generell das Internet – ausgemacht. „Studien bei Jugendlichen zeigen, dass Vielnutzer dieser neuen Medien weniger schlafen und ein schwächeres Leistungsvermögen haben.“

Kommentare (1)

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Herr Kai Jacobsen

24.10.2014, 20:16 Uhr

Was bei mir meist hilft sind 20 Kniebeugen, oder wieviel man gerade schafft (Sport verbrennt Stresshormone). Danach 5min. im Sessel sitzen. Ein Käsebrot, heisses Wasser mit Honig. Lesen, aber nichts spannendes oder langweiliges. Bei mir ist Kommissar Maigret Favorit, weil ausgeglichen, und es gibt 70 Bücher. Helfen tut noch Zincum Valerianicum (homöopathisch), eine 2ml-Ampulle in den Mund saugen, das wird von den Schleimhäuten aufgenommen. Ohrstöpsel, Raver-Cap über die Augen ziehen hilft auch noch.
Nach 10min. Lesen schlaf ich dann ein. Um 2 Uhr nochmal das gleiche und dabei ca. 1Std aufbleiben und irgendwas machen.
Tue ich das alles nicht, lieg ich fast die ganze Nacht wach.

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