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18.09.2011

13:30 Uhr

Geschäftsausstieg wegen Fukushima

Siemens schließt das Atom-Kapitel

Der Münchner Siemens-Konzern will sich komplett aus dem Atomgeschäft verabschieden. „Das Kapitel ist für uns abgeschlossen“, sagte Konzernchef Peter Löscher dem „Spiegel“.

Die Siemens-Tochter Areva baut am größten Atomkraftwerk der Welt in Finnland mit. dpa

Die Siemens-Tochter Areva baut am größten Atomkraftwerk der Welt in Finnland mit.

MünchenIn der Luft lag die Entscheidung seit Monaten: Nach der Atomkatastrophe in Japan und der in Berlin beschlossenen Energiewende sieht Siemens keine Zukunft mehr für sein Atomgeschäft. Jetzt hat der Konzern es beerdigt - mit Zustimmung der russischen Partner. „Das Kapitel ist für uns abgeschlossen“, sagte Konzernchef Peter Löscher dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ laut Vorabmeldung. Die Entscheidung sei die Antwort seines Unternehmens „auf die klare Positionierung von Gesellschaft und Politik in Deutschland zum Ausstieg aus der Kernenergie“ nach der Atomkatastrophe von Fukushima.

Abgezeichnet hatte sich der Schlussstrich also schon seit längerem, doch nach dem kostspieligen Bruch mit dem französischen Kernkraft-Partner Areva konnte Siemens es sich nicht auch noch mit Rosatom verscherzen. Jetzt lassen die Russen die Münchner in eine atomfreie Zukunft ziehen. Nach Angaben eines Konzernsprechers kostet der Abschied Siemens keinen Cent. Das geplante Atom-Joint-Venture mit dem russischen Rosatom-Konzern werde nicht verwirklicht. Stattdessen wolle man mit dem Partner „auf anderen Feldern“ zusammenarbeiten.

Dabei hatte Löscher ursprünglich das Ziel, gemeinsam mit Rosatom Marktführer im weltweiten Atomenergiegeschäft zu werden. Anstatt sich am Bau kompletter Atomkraftwerke zu beteiligen, könnte Siemens nun Komponenten wie Dampfturbinen liefern, die auch bei konventionellen Kraftwerken zum Einsatz kommen. „Wenn Rosatom mit einer entsprechenden Bitte auf uns zukommt, werden wir sie sicher nicht abschlagen“, sagte dazu ein Konzernsprecher. Siemens habe lange Gespräche mit den Rosatom-Managern geführt. „Sie verstehen, dass ein Unternehmen mit deutschen Wurzeln der Entscheidung der Bundesregierung (zur Energiewende) Rechnung tragen muss.“
Nachdem die Strafzahlung für den Ausstieg bei Areva Siemens mit 682 Millionen Euro inklusive Steuern teuer zu stehen kam, war den Münchnern schon aus finanziellen Gründen an einem einvernehmlichen Rückzug gelegen. Zudem gehört Russland zu den aufstrebenden Ländern, in denen sich Siemens in den nächsten Jahren auf anderen Gebieten bedeutendes Wachstum erhofft. In den vergangenen Wochen waren ein Milliardenauftrag der russischen Eisenbahnen festgezurrt und die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens zum Bau von Gasturbinen mit dem russischen Unternehmen Power Machines OJSC angekündigt worden.
Die beabsichtigte Energiewende in Deutschland stufte Löscher im „Spiegel“-Interview als „Jahrhundertprojekt“ ein: Das Ziel, den Ökostrom-Anteil bis 2020 auf 35 Prozent zu erhöhen, hält er für erreichbar. Siemens erwartet sich durch Aufträge für Gaskraftwerke, Windparks sowie für die verlustarme Übertragung von Strom über weite Entfernungen sogar einen Schub, wie Löscher vor einigen Monaten sagte.

Von

dpa

Kommentare (14)

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Moika

18.09.2011, 11:11 Uhr

Damit hat sich Deutschland aus einer weiteren Hightech Industrie, die einmal Zehntausenden gut bezahlte Arbeitsplätze gab, verabschiedet.

Wenn wir so weiter machen, schaffen wir den Rückschritt zu einem Agrarland irgendwann ganz bestimmt. Jeder hat dann sein dezentrales kleines Windrad hinter dem Haus, auf der Straße vor demselben schießt das Unkraut durch die Asphaltdecke und aus dem mit einem Fahrraddynamo betriebenen Radi0 erklärt der Sprecher gerade, wie man am besten die kommende Schwachwindphase überwinden kann.

Danke für soviel vorausschauende Politik.

norbert

18.09.2011, 11:46 Uhr

Ich glaube eher - wie wahrscheinlich Siemens auch - , daß die Märkte langsam, aber sicher, immer mehr wegbrechen werden. Mit jedem neuen GAU wachen wieder ein paar Leute auf und drehen das Ruder ein Stückchen weiter herum. Die Intentionen von Siemens beruhen nicht auf Ideologien, sondern auf Marktgesetzen und Gewinnerzielungsabsichten.

atinak

18.09.2011, 11:56 Uhr

Jo, zurück zum Atomwahn, und Eurobombs müssen auch her, damit wir den Multis freie Hand geben, Deutschland endgültig ausbluten zu lassen. Die Alternativen, die Sie zum gegenwärtigen Rundumwahnsinn malen, zeigen den niedrigen Grad Ihrer Informiertheit. Aber besser zurück zu den Kleinbauernhöfen und energetischer Selbstverstorgung als ein auf Jahrtausende verstrahltes Tschernobyl und Fukushima auch mitten in Europa und ein weiteres Artensterben und dauerhaftes Vernichten von kostbaren Heilpflanzen (das sind nämlich die meisten "Unkräuter") sowie von Boden, Wasser und Luft durch Gentechnik und Agrarindustrie. Wenn man wieder eine freie Marktwirtschaft zulässt statt den derzeitigen Staatssozialismus mit Zwangsalimentierung der Monopole zu pflegen und diese unternehmerfeindliche Haltung in Deutschland aufgibt, wird die Intelligenz nicht weiter, wie derzeit, aus Deutschland abwandern, sondern hierbleiben und zahlreiche i n t e l l i g e n t e A l t e r n a t i v e n entwickeln. Die gibt es nämlich, man muss sie nur wollen. Und es ist schön, dass Siemens das endlich begriffen hat.

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