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14.11.2014

14:21 Uhr

Gescheiterte VW-Übernahme

Neuer Ärger für Porsche-Eigner

Gegen den geschassten Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und seinen damaligen Finanzvorstand laufen neue Ermittlungen. Sollten die zwei Manager verurteilt werden, werden das auch die Anleger zu spüren bekommen.

Gegen die Ex-Manager der Porsche SE laufen neue Ermittlungen wegen Marktmanipulation. Ein Bußgeld könnte auch die Eigner der Holding treffen. dpa

Gegen die Ex-Manager der Porsche SE laufen neue Ermittlungen wegen Marktmanipulation. Ein Bußgeld könnte auch die Eigner der Holding treffen.

HamburgIm Rechtsstreit um mögliche Verfehlungen bei der gescheiterten VW-Übernahme vor sechs Jahren lauern womöglich neue Risiken für die Porsche Holding SE. Die mit knapp 51 Prozent an Europas größten Autobauer beteiligte Holdinggesellschaft weist ihre Anteilseigner im jüngsten Zwischenbericht darauf hin, dass neue Ermittlungen gegen den geschassten Vorstandschef Wendelin Wiedeking und seinen damaligen Finanzvorstand Holger Härter für das Unternehmen finanzielle Folgen haben könnten. Sollten die beiden Manager wegen des Vorwurfs der Marktmanipulation verurteilt werden, könnte das Landgericht Stuttgart der Porsche SE ein Bußgeld aufbrummen.

Kern der neuen Ermittlungen ist eine Pressemitteilung von Oktober 2008, in der Porsche zwar Call-Optionen auf VW-Aktien nannte, nicht aber die damals ebenfalls gehaltenen Put-Optionen. „Wir prüfen, ob dieses Verschweigen eine Marktmanipulation sein kann“, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Es sei denkbar, dass Anleger damals anders gehandelt hätten, wenn sie diese Information gehabt hätten.

Wegweiser durchs Klagedickicht bei Porsche/VW

Landgericht Braunschweig

Dort hingen fünf Klagen von Anlegern an, von denen das Gericht inzwischen zwei zugunsten von Porsche abgewiesen hat. Sie richteten sich gegen die Porsche-Holding PSE. Die übrigen drei Verfahren, bei denen die Klagesumme mehrere Milliarden Euro beträgt und zum Teil auch die Volkswagen AG betroffen ist, sollten 2013 verhandelt werden.

Eine Klage verwies das Landgericht im Juni 2013 an das Kartellgericht in Hannover, da die Kläger argumentiert hatten, Porsche habe mit einer Bank ein Kartell gebildet, um den Markt für die VW-Stammaktien zu kontrollieren.

Wie im Oktober 2012 bekannt wurde, kam zwischenzeitlich noch eine Klage auf 213 Millionen Euro Schadenersatz hinzu. In diesem Fall haben Anwälte zunächst Zeit für Stellungnahmen.

USA

Die milliardenschweren Forderungen von Fondsgesellschaften in den Vereinigten Staaten laufen in zwei getrennten Fällen. Auf bundesstaatlicher Ebene wurde darum gerungen, ob US-Gerichte überhaupt zuständig sind. Dabei hatte die PSE in erster Instanz gewonnen. Die Gegenseite hatte Berufung eingelegt – im März 2013 zogen einige Kläger die Berufung zurück. Auch vor einem New Yorker Gericht standen Fragen der Zuständigkeit im Mittelpunkt, dort hatte die Porsche-Dachgesellschaft zwar in erster Instanz eine Niederlage erlitten, in zweiter Instanz wurde die Klage allerdings abgewiesen.

Stuttgart 1

Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen frühere Porsche-Manager, darunter Ex-Vorstandschef Wendelin Wiedeking und Finanzchef Holger Härter. Es ging um Kreditbetrug, Untreue und Marktmanipulation. Am Ende mussten sich wegen Kreditbetruges Härter und zwei seiner damaligen Führungskräfte verantworten. Härter wurde Anfang Juni 2013 zu einer Strafe in Höhe von 630.000 Euro verurteilt, kündigte aber Revision an.

Die Staatsanwaltschaft erhob gegen Wiedeking und Härter Mitte Dezember 2012 Anklage wegen Aktienkursmanipulation. Zuletzt wurde bekannt, dass die Behörde auch gegen Aufsichtsräte ermittelt.

Stuttgart 2

Das Oberlandesgericht (OLG) entschied Ende Februar, dass VW-Patriarch Ferdinand Piëch seine Pflichten als Aufsichtsrat der PSE während der Übernahmeschlacht beider Unternehmen verletzte. Das OLG erklärte daher die Entlastung des Kontrollgremiums für das Geschäftsjahr 2008/2009 für nichtig.

Wiedeking und Härter müssen sich im kommenden Jahr wegen des Vorwurfs der Marktmanipulation in einem Strafverfahren vor dem Stuttgarter Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft den ehemaligen Porsche-Managern vor, Anleger getäuscht zu haben, als sie 2008 offiziell die Absicht zur Übernahme von VW bestritten. Anleger hätten damals bei sinkendem VW-Kurs Aktien leer verkauft und sie später viel teurer beschaffen müssen. Wiedeking und Härter bestreiten den Vorwurf.

Zahlreiche Anleger haben die Holding vor mehreren Gerichten auf insgesamt 5,5 Milliarden Euro Schadensersatz verklagt, weil sie sich durch Porsche damals hinters Licht geführt sehen. Zum Teil wollen die Kläger in diesen Zivilprozessen abwarten, wie die Strafverfahren gegen Wiedeking und Härter ausgehen.

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