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21.08.2012

19:58 Uhr

Gesundheitskonzern

Fresenius-Aufseher beraten über neue Rhön-Offerte

Eine Entscheidung über den zweiten Anlauf zur Übernahme von Rhön-Klinikum könnte in dieser Woche fallen, berichten Insider. Allerdings müsste auch die BaFin grünes Licht geben, wenn Fresenius innerhalb eines Jahres erneut bietet.

Schon in dieser Woche könnte über einen zweiten Anlauf entschieden werden. ap

Schon in dieser Woche könnte über einen zweiten Anlauf entschieden werden.

FrankfurtBeim Gesundheitskonzern Fresenius rückt eine Entscheidung über einen zweiten Anlauf zur Übernahme von Rhön-Klinikum näher. In dieser Woche werde sich der Fresenius-Aufsichtsrat mit dem Thema befassen, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen am Dienstag zu Reuters. Ob das Gremium grünes Licht für ein neues Angebot gebe, sei jedoch nicht vorherzusehen. "Es kann in beide Richtungen ausgehen", sagte einer der Insider. Auch mit dem Rhön-Vorstand, der einem zweiten Angebot zustimmen muss, gebe es noch keine Einigung, sagten drei mit dem Vorgang vertraute Personen.

Fresenius Stärken und Schwächen

Stabile Gewinne, hohe Verschuldung

Vieles läuft gut bei Fresenius - zumindest auf den ersten Blick: Die Gewinne sprudeln konstant und erwartbar. Doch angesichts der vielen Zukäufe gibt es da eben auch Risiken. Ein Blick auf die Stärken und Schwächen des Konzerns.

Stärke: Zunehmende Diversifikation

Haben die Aktionäre bei Fresenius lange Zeit vor allem auf die Entwicklung der Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) geschaut, so liefert Fresenius dank der Zukäufe der vergangenen Jahre inzwischen seine eigene Börsenstory. Sorgte FMC im Jahr 2004 noch für 69 Prozent der Umsätze, lag der Anteil im vergangenen Jahr nur noch bei 56 Prozent.

Stärke: Unabhängiger von FMC

Zum Konzernergebnis, das allerdings nur anteilig in Höhe der Beteiligung von Fresenius an FMC bei dem Mutterkonzern einfließt, trug FMC 2004 noch 71 Prozent bei. Aktuell sind es noch 33 Prozent. Das margenstarke Geschäft von Kabi mit intravenös zu verabreichenden Medikamenten sorgt mittlerweile für mehr als die Hälfte des Nettogewinns. Auch der Klinikkonzern Helios steuert mehr als 163 Millionen Euro bei.

Stärke: Das Klinikgeschäft

Der nur in Deutschland agierende Klinikkonzern Helios braucht Zukäufe, um Umsatz und Gewinn langfristig steigern zu können. Denn im deutschen Krankenhausmarkt sind die Kostenerstattungen gedeckelt und die Patientenzahlen nicht beliebig steigerbar.

Stärke: Helios boomt

Helios hat es geschafft, sich in den vergangenen Jahren bei der Marge vor die Wettbewerber Rhön-Klinikum Asklepios und Sana zu setzen, was allerdings nicht nur ein Verdienst des Managements ist. Helios hat auch vergleichsweise viele große Krankenhäuser im Portfolio, die medizinisch schwerere Fälle behandeln. Damit fließen dem Unternehmen tendenziell höhere Erstattungssummen zu als Anbietern, die kleine Krankenhäuser der Grundversorgung betreiben.

Stärke: Besser als die Konkurrenz

Allerdings ist Helios Vorreiter in Sachen Qualitätsberichte. Für jedes Krankenhaus wird die medizinische Leistung schon seit Jahren transparent dokumentiert. Während Helios 2011 eine Ebitda-Marge von 13,8 Prozent ausweist, erreichen die Konkurrenten Rhön-Klinikum und Sana 12,8 Prozent und 9,3 Prozent. Auch bei der Ebit-Marge liegt Helios mit 10,1 Prozent deutlich vor den anderen privaten Klinikkonzernen.

Schwäche: Mieses Rating

Zwar hat die Ratingagentur Standard and Poor's unlängst das Rating von Fresenius von BB auf BB+ angehoben, das ändert aber nichts dran, dass alle drei Agenturen dem Unternehmen eine Bonitätsbewertung im Ramschbereich geben.

Schwäche: Hohe Verschuldung

Wegen der Akquisitionen des vergangenen Jahres ist der Verschuldungsgrad des Konzerns - gemessen am Verhältnis der Finanzverbindlichkeiten zum operativen Ergebnis vor Abschreibungen (Debt to Ebitda) - von 2,6 auf 2,8 gestiegen. Die 25 Dax-Industriekonzerne kommen im Durchschnitt auf 2,2 Prozent.

Schwäche: Neue Belastungen

Geht der Kauf von Rhön-Klinikum wie geplant über die Bühne, erhöht sich der Verschuldungsgrad auf 3,0 bis 3,5. Fresenius hat aber angekündigt, die Verschuldung im nächsten Jahr wieder in den üblichen Korridor von 2,5 bis 3,0 zurückzuführen.

Schwäche: Hoher Firmenwert drückt

Vor Herausforderungen steht der Konzern aber noch an anderer Stelle: So kletterte der Geschäfts- und Firmenwert auf mittlerweile gut 12,7 Milliarden Euro oder 120 Prozent des Eigenkapitals. Firmenwerte entstehen bei Übernahmen, wenn der Kaufpreis über dem neu bewerteten Vermögen der gekauften Firma liegt. Sie stehen als Vermögenswert in der Bilanz und drücken die Zukunftserwartung des Managements aus. Erfüllen sich diese nicht, drohen Abschreibungen.

Neben dem Rhön-Vorstand müsste auch die Finanzaufsicht BaFin grünes Licht geben, wenn Fresenius innerhalb eines Jahres erneut für Rhön-Klinikum bietet. Bisher habe Fresenius noch keinen Antrag bei der BaFin eingereicht, sagten zwei Insider. Sie widersprachen damit einem Bericht des Anleger-Informationsdienstes "Platow Brief", der am Dienstagabend von einem Antrag von Fresenius berichtet hatte. Die BaFin und beide Unternehmen wollten sich nicht äußern.

Branchenkreise: Fresenius nimmt zweiten Anlauf zur Rhön-Klinikum-Übernahme

Branchenkreise

Neues Angebot für Rhön in Vorbereitung

Fresenius-Chef Schneider und Rhön-Gründer Münch sollen bereits an neuem Deal feilen.

Der erste Versuch, Rhön-Klinikum für 3,1 Milliarden Euro zu schlucken, war Ende Juni gescheitert, weil Fresenius nicht wie angestrebt 90 Prozent der Rhön-Aktien einsammelte. Diese Hürde hatte Fresenius-Chef Schneider gesetzt, weil er laut der Rhön-Satzung nur so Kapitalmaßnahmen und Satzungsänderungen durchsetzen kann. Falls Fresenius einen zweiten Übernahmeversuch wagt, wird sich der Konzern vermutlich zunächst mit einer Mehrheit mit 50 Prozent plus einer Aktie zufriedengeben geben, sagten drei mit dem Prozess vertraute Personen.

Mit einer einfachen Mehrheit hätte Fresenius zwar bei Abstimmungen über die Dividende oder die Besetzung des Aufsichtsrats eine Mehrheit, könnte Rhön-Klinikum jedoch zunächst nicht integrieren. Deshalb würde Fresenius Insidern zufolge mittelfristig versuchen, über die 90-Prozent-Schwelle zu kommen. Fresenius hat angekündigt, noch im August über einen zweiten Anlauf bei Rhön-Klinikum entscheiden zu wollen.

Von

rtr

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