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01.08.2012

09:36 Uhr

Gesundheitskonzern

Fresenius füllt die Übernahmekasse

Der Gesundheitskonzern verdient im ersten Halbjahr ein Fünftel mehr. Die Kriegskasse ist gut gefüllt. Und die braucht der Konzern: Vorstandschef Schneider will den Übernahmekampf um Rhön-Klinikum weiter treiben.

Der Gesundheitskonzern plant einen zweiten Anlauf zur Übernahme von Rhön-Klinikum. dpa

Der Gesundheitskonzern plant einen zweiten Anlauf zur Übernahme von Rhön-Klinikum.

FrankfurtDer Gesundheitskonzern Fresenius demonstriert im Übernahmekampf um Rhön-Klinikum Stärke. Das Unternehmen aus Bad Homburg baute seinen Gewinn im ersten Halbjahr kräftig aus - unter anderem dank florierender Geschäfte mit Nachahmermedikamenten in den USA. "Im ersten Halbjahr haben wir bei Umsatz und Ergebnis erneut Bestwerte erreicht", sagte Fresenius-Chef Ulf Schneider am Mittwoch. Für 2012 bekräftigte Schneider die Prognose des Konzerns, die er im Juni bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr angehoben hatte.

Der hessische Konzern betonte zudem, dass er weiter einen zweiten Anlauf zur Übernahme des Konkurrenten Rhön-Klinikum auslotet. "Fresenius ist weiterhin von den Vorteilen eines Zusammenschlusses von Rhön-Klinikum und (der Fresenius-Krankenhaustochter) Helios überzeugt und prüft Handlungsmöglichkeiten." Der erste Versuch, Rhön zu übernehmen, war Ende Juni gescheitert, weil Fresenius nicht die angestrebten gut 90 Prozent der Aktien einsammelte. Diese Hürde hatte Schneider gesetzt, weil diese Zustimmungsquote in der Rhön-Satzung für viele wichtige Entscheidungen vorgesehen ist.

Fresenius Stärken und Schwächen

Stabile Gewinne, hohe Verschuldung

Vieles läuft gut bei Fresenius - zumindest auf den ersten Blick: Die Gewinne sprudeln konstant und erwartbar. Doch angesichts der vielen Zukäufe gibt es da eben auch Risiken. Ein Blick auf die Stärken und Schwächen des Konzerns.

Stärke: Zunehmende Diversifikation

Haben die Aktionäre bei Fresenius lange Zeit vor allem auf die Entwicklung der Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) geschaut, so liefert Fresenius dank der Zukäufe der vergangenen Jahre inzwischen seine eigene Börsenstory. Sorgte FMC im Jahr 2004 noch für 69 Prozent der Umsätze, lag der Anteil im vergangenen Jahr nur noch bei 56 Prozent.

Stärke: Unabhängiger von FMC

Zum Konzernergebnis, das allerdings nur anteilig in Höhe der Beteiligung von Fresenius an FMC bei dem Mutterkonzern einfließt, trug FMC 2004 noch 71 Prozent bei. Aktuell sind es noch 33 Prozent. Das margenstarke Geschäft von Kabi mit intravenös zu verabreichenden Medikamenten sorgt mittlerweile für mehr als die Hälfte des Nettogewinns. Auch der Klinikkonzern Helios steuert mehr als 163 Millionen Euro bei.

Stärke: Das Klinikgeschäft

Der nur in Deutschland agierende Klinikkonzern Helios braucht Zukäufe, um Umsatz und Gewinn langfristig steigern zu können. Denn im deutschen Krankenhausmarkt sind die Kostenerstattungen gedeckelt und die Patientenzahlen nicht beliebig steigerbar.

Stärke: Helios boomt

Helios hat es geschafft, sich in den vergangenen Jahren bei der Marge vor die Wettbewerber Rhön-Klinikum Asklepios und Sana zu setzen, was allerdings nicht nur ein Verdienst des Managements ist. Helios hat auch vergleichsweise viele große Krankenhäuser im Portfolio, die medizinisch schwerere Fälle behandeln. Damit fließen dem Unternehmen tendenziell höhere Erstattungssummen zu als Anbietern, die kleine Krankenhäuser der Grundversorgung betreiben.

Stärke: Besser als die Konkurrenz

Allerdings ist Helios Vorreiter in Sachen Qualitätsberichte. Für jedes Krankenhaus wird die medizinische Leistung schon seit Jahren transparent dokumentiert. Während Helios 2011 eine Ebitda-Marge von 13,8 Prozent ausweist, erreichen die Konkurrenten Rhön-Klinikum und Sana 12,8 Prozent und 9,3 Prozent. Auch bei der Ebit-Marge liegt Helios mit 10,1 Prozent deutlich vor den anderen privaten Klinikkonzernen.

Schwäche: Mieses Rating

Zwar hat die Ratingagentur Standard and Poor's unlängst das Rating von Fresenius von BB auf BB+ angehoben, das ändert aber nichts dran, dass alle drei Agenturen dem Unternehmen eine Bonitätsbewertung im Ramschbereich geben.

Schwäche: Hohe Verschuldung

Wegen der Akquisitionen des vergangenen Jahres ist der Verschuldungsgrad des Konzerns - gemessen am Verhältnis der Finanzverbindlichkeiten zum operativen Ergebnis vor Abschreibungen (Debt to Ebitda) - von 2,6 auf 2,8 gestiegen. Die 25 Dax-Industriekonzerne kommen im Durchschnitt auf 2,2 Prozent.

Schwäche: Neue Belastungen

Geht der Kauf von Rhön-Klinikum wie geplant über die Bühne, erhöht sich der Verschuldungsgrad auf 3,0 bis 3,5. Fresenius hat aber angekündigt, die Verschuldung im nächsten Jahr wieder in den üblichen Korridor von 2,5 bis 3,0 zurückzuführen.

Schwäche: Hoher Firmenwert drückt

Vor Herausforderungen steht der Konzern aber noch an anderer Stelle: So kletterte der Geschäfts- und Firmenwert auf mittlerweile gut 12,7 Milliarden Euro oder 120 Prozent des Eigenkapitals. Firmenwerte entstehen bei Übernahmen, wenn der Kaufpreis über dem neu bewerteten Vermögen der gekauften Firma liegt. Sie stehen als Vermögenswert in der Bilanz und drücken die Zukunftserwartung des Managements aus. Erfüllen sich diese nicht, drohen Abschreibungen.

Zuletzt hat Fresenius nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters neue Wege für eine Übernahme von Rhön sondiert - und könnte sich dabei mit einer Mehrheit von 50 Prozent plus einer Aktie zufrieden geben. Dem Übernahmeziel Rhön-Klinikum setzt die unklare Situation über seine Zukunft im Gegensatz zu Fresenius kräftig zu. Der Gewinn der fränkischen Klinikkette brach im ersten Halbjahr ein, wofür das Unternehmen unter anderem die im ersten Anlauf geplatzte Übernahme verantwortlich macht.

Bei Fresenius ist von Schwäche dagegen nichts zu spüren. Der Gewinn kletterte im ersten Halbjahr um ein Fünftel auf 434 Millionen Euro, der Umsatz um 17 Prozent auf 9,2 Milliarden Euro. Im Gesamtjahr soll der Gewinn währungsbereinigt um 14 bis 16 Prozent steigen, der Umsatz um zwölf bis 14 Prozent.

Fresenius profitiert derzeit vor allem von der guten Entwicklung der Tochter Kabi, die auf intravenös zu verabreichende Generika spezialisiert ist und in den USA auch von den Pannen der Konkurrenz profitiert. Beim Narkosemittel Propofol, das in Amerika über 50 Millionen Mal pro Jahr verabreicht wird, hat Fresenius seit einiger Zeit ein Monopol, weil der Konkurrent Hospira zuletzt nicht liefern konnte und Teva sich ganz aus dem Markt zurückgezogen hat.

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