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18.03.2014

20:15 Uhr

Gesundheitskonzern

Fresenius will Wandelanleihe ohne Verwässerungseffekt

Am Kapitalmarkt geht der Gesundheitskonzern Fresenius neue Wege: Das Unternehmen begibt eine millionenschwere Wandelanleihe, ohne dafür künftig neue Aktien ausgeben zu müssen.

Die Konzernzentrale von Fresenius in Bad Homburg. Das Unternehmen kommt um eine Kapitalerhöhung am Ende der Laufzeit 2019 herum. dpa

Die Konzernzentrale von Fresenius in Bad Homburg. Das Unternehmen kommt um eine Kapitalerhöhung am Ende der Laufzeit 2019 herum.

FrankfurtDer Gesundheitskonzern Fresenius geht am Kapitalmarkt neue Wege. Das Bad Homburger Unternehmen hat eine 500 Millionen Euro schwere Wandelanleihe begeben, ohne dass es dafür künftig neue Aktien ausgeben muss. „Auf die Idee ist unseres Wissens bisher noch keiner gekommen“, sagte ein Fresenius-Sprecher am Dienstag. Der Trick: Der Konzern kommt um eine Kapitalerhöhung am Ende der Laufzeit im Jahr 2019 herum, indem er schon jetzt Kaufoptionen auf eigene Aktien kauft. Damit wird die Position der heutigen Aktionäre nicht verwässert.

Die Anleihe ist der letzte Baustein zur Finanzierung der gut drei Milliarden Euro schweren Übernahme großer Teile der Rhön-Klinikum AG. Dafür lägen die Finanzierungskosten bei insgesamt rund 3,5 Prozent - statt der erwarteten fünf Prozent, bilanzierte der Sprecher. Fresenius hatte den Kauf der Rhön-Kliniken nicht mit einem großen Kredit- oder Anleihe-Paket finanziert, sondern mit mehreren kleinen Kapital-Instrumenten.

Fresenius Stärken und Schwächen

Stabile Gewinne, hohe Verschuldung

Vieles läuft gut bei Fresenius - zumindest auf den ersten Blick: Die Gewinne sprudeln konstant und erwartbar. Doch angesichts der vielen Zukäufe gibt es da eben auch Risiken. Ein Blick auf die Stärken und Schwächen des Konzerns.

Stärke: Zunehmende Diversifikation

Haben die Aktionäre bei Fresenius lange Zeit vor allem auf die Entwicklung der Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) geschaut, so liefert Fresenius dank der Zukäufe der vergangenen Jahre inzwischen seine eigene Börsenstory. Sorgte FMC im Jahr 2004 noch für 69 Prozent der Umsätze, lag der Anteil im vergangenen Jahr nur noch bei 56 Prozent.

Stärke: Unabhängiger von FMC

Zum Konzernergebnis, das allerdings nur anteilig in Höhe der Beteiligung von Fresenius an FMC bei dem Mutterkonzern einfließt, trug FMC 2004 noch 71 Prozent bei. Aktuell sind es noch 33 Prozent. Das margenstarke Geschäft von Kabi mit intravenös zu verabreichenden Medikamenten sorgt mittlerweile für mehr als die Hälfte des Nettogewinns. Auch der Klinikkonzern Helios steuert mehr als 163 Millionen Euro bei.

Stärke: Das Klinikgeschäft

Der nur in Deutschland agierende Klinikkonzern Helios braucht Zukäufe, um Umsatz und Gewinn langfristig steigern zu können. Denn im deutschen Krankenhausmarkt sind die Kostenerstattungen gedeckelt und die Patientenzahlen nicht beliebig steigerbar.

Stärke: Helios boomt

Helios hat es geschafft, sich in den vergangenen Jahren bei der Marge vor die Wettbewerber Rhön-Klinikum Asklepios und Sana zu setzen, was allerdings nicht nur ein Verdienst des Managements ist. Helios hat auch vergleichsweise viele große Krankenhäuser im Portfolio, die medizinisch schwerere Fälle behandeln. Damit fließen dem Unternehmen tendenziell höhere Erstattungssummen zu als Anbietern, die kleine Krankenhäuser der Grundversorgung betreiben.

Stärke: Besser als die Konkurrenz

Allerdings ist Helios Vorreiter in Sachen Qualitätsberichte. Für jedes Krankenhaus wird die medizinische Leistung schon seit Jahren transparent dokumentiert. Während Helios 2011 eine Ebitda-Marge von 13,8 Prozent ausweist, erreichen die Konkurrenten Rhön-Klinikum und Sana 12,8 Prozent und 9,3 Prozent. Auch bei der Ebit-Marge liegt Helios mit 10,1 Prozent deutlich vor den anderen privaten Klinikkonzernen.

Schwäche: Mieses Rating

Zwar hat die Ratingagentur Standard and Poor's unlängst das Rating von Fresenius von BB auf BB+ angehoben, das ändert aber nichts dran, dass alle drei Agenturen dem Unternehmen eine Bonitätsbewertung im Ramschbereich geben.

Schwäche: Hohe Verschuldung

Wegen der Akquisitionen des vergangenen Jahres ist der Verschuldungsgrad des Konzerns - gemessen am Verhältnis der Finanzverbindlichkeiten zum operativen Ergebnis vor Abschreibungen (Debt to Ebitda) - von 2,6 auf 2,8 gestiegen. Die 25 Dax-Industriekonzerne kommen im Durchschnitt auf 2,2 Prozent.

Schwäche: Neue Belastungen

Geht der Kauf von Rhön-Klinikum wie geplant über die Bühne, erhöht sich der Verschuldungsgrad auf 3,0 bis 3,5. Fresenius hat aber angekündigt, die Verschuldung im nächsten Jahr wieder in den üblichen Korridor von 2,5 bis 3,0 zurückzuführen.

Schwäche: Hoher Firmenwert drückt

Vor Herausforderungen steht der Konzern aber noch an anderer Stelle: So kletterte der Geschäfts- und Firmenwert auf mittlerweile gut 12,7 Milliarden Euro oder 120 Prozent des Eigenkapitals. Firmenwerte entstehen bei Übernahmen, wenn der Kaufpreis über dem neu bewerteten Vermögen der gekauften Firma liegt. Sie stehen als Vermögenswert in der Bilanz und drücken die Zukunftserwartung des Managements aus. Erfüllen sich diese nicht, drohen Abschreibungen.

Käufer der Wandelanleihe wetten damit praktisch auf einen Kursanstieg der Fresenius-Aktien in den nächsten fünf Jahren um 35 Prozent. Vergleichswert dafür ist der Durchschnittskurs vom 19. März und der nächsten neun Handelstage. Das Papier stieß auf so hohe Nachfrage bei Investoren, dass es um 125 Millionen Euro aufgestockt werden konnte und Fresenius während der Laufzeit nicht einmal eine Verzinsung dafür bieten muss. Angeboten worden war die Wandelanleihe noch mit einem Kupon von 0,1 bis 0,9 Prozent, ausgegeben wurde sie mit null Prozent. Sie sei mehrfach überzeichnet gewesen. „Der Appetit der Investoren ist zurzeit sehr hoch“, sagte der Sprecher. „Alles in allem ist der Bond für uns vergleichbar teuer, wenn nicht sogar günstiger als eine normale Anleihe.“ Begleitet wurde die Platzierung von der Credit Suisse.

Von

rtr

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