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23.01.2005

13:28 Uhr

Gesundheitsministerin Schmidt: «Signal der Vernunft»

Nachahmer-Medikamente werden nicht teurer

Für Montag hat Kanzler Schröder im Disput um Festbeträge bei Arzneimitteln zum Pharma-Gipfel geladen. Im Vorfeld kündigten die Hersteller von Generika an, 2005 auf Preiserhöhungen zu verzichten.

HB BERLIN. Die Hersteller von Nachahmer-Medikamenten – so genannter Generika – wollen ihre Preise bis Ende dieses Jahres stabil halten. Darum werde das Ende 2004 abgelaufene gesetzliche Preismoratorium freiwillig bis 31. Dezember 2005 verlängert, teilte der Verband Pro Generika am Sonntag in Berlin mit.

Teilweise könnten die Preise für die verschreibungspflichtigen Präparate sogar gesenkt werden, hieß es weiter. «Wir nehmen unsere gesundheitspolitische Verantwortung ernst und wollen nicht, dass durch Preiserhöhungen für Medikamente Sparerfolge der Gesundheitsreform wieder zunichte gemacht werden», sagte die Pro-Generika-Vorsitzende Dagmar Siebert.

Die Selbstverpflichtung von Generika-Herstellern gelte auch für diejenigen Medikamente, die in der Festbetragsgruppe der Stufe zwei, den so genannten Jumbogruppen, eingeordnet sind, hieß es weiter. Hier werden patentfreie und patentgeschützte Arzneimittel zusammengefasst. «Den hier aufgrund des höheren Festbetrags möglichen Preiserhöhungsspielraum werden die Generika-Hersteller nicht ausnutzen», erklärte Pro Generika.

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) begrüßte die Ankündigung als «ersten konstruktiven Beitrag zum Pharma-Dialog». Dies sei ein «Signal der Vernunft, des Augenmaßes und der Bereitschaft, Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen», sagte Schmidt in Berlin. Das Ministerium sehe darin ein gutes Beispiel «auch für andere Unternehmen der pharmazeutischen Industrie».

Angesichts von Preiserhöhungen anderer Hersteller sei es jetzt für das Gesundheitswesen noch wichtiger, mit Generika zu sparen, sagte Siebert weiter. Durch Verordnung von solchen Nachahmer-Präparaten hätten die gesetzlichen Krankenkassen 2003 rund 3,4 Milliarden Euro gespart. Da bis Ende 2005 Arzneimittel mit einem derzeitigen Umsatzvolumen von etwa 1,5 Milliarden Euro patentfrei geworden seien oder patentfrei würden, seien noch «zusätzliche Sparerfolge» zu erzielen.

Mit dem freiwilligen Selbstverzicht auf Preiserhöhungen haben die Generika-Hersteller ein deutliches Zeichen für den Pharma-Gipfel gesetzt, der am Montag bei Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) anberaumt ist. An dem Treffen nimmt neben Schröder und Schmidt auch Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) teil.

Im Streit um Festbeträge bei Arzneimitteln warnte nach der AOK auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) davor, den Forderungen der forschenden Hersteller nachzugeben. KBV-Chef Andreas Köhler forderte Schröder in der «Berliner Zeitung» auf, sich den Lobbyinteressen nicht zu beugen. Die Konzerne kritisieren, dass die Kassen für einige patentgeschützte Medikamente, die als Scheininnovation gelten, nur noch Festbeträge unter dem vom Hersteller festgelegten Preis erstatten.

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