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19.01.2010

13:21 Uhr

Gewerkschaftstreffen

Metallbranche fürchtet Krise bis 2012

Die Metallbranche rechnet damit, dass die Konjunkturkrise frühestens in zwei Jahren bewältigt ist. Der Weg aus dem Tal hinaus werde mindestens bis 2012 dauern, sagte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser.

Gesamtmetall-Präsident Kannegiesser ist alles andere als optimistisch. Quelle: ap

Gesamtmetall-Präsident Kannegiesser ist alles andere als optimistisch.

HB BERLIN. Die Produktion der Metall- und Elektro-Industrie müsste nach jetzigem Stand um 30 Prozent, der Auftragseingang um 35 Prozent zulegen, um wieder das Niveau vor der Krise zu erreichen. In den 23 000 Betrieben der Metall- und Elektroindustrie arbeiten rund 3,5 Mio. Menschen.

Kannegiesser sagte: „Positive Meldungen bedeuten also kein Plus, sondern nur, dass das Minus kleiner wird.“ Bisher sei es gelungen, massive Auswirkungen der Krise auf die Beschäftigtenzahlen der Metall- und Elektro-Industrie zu vermeiden. Dank flexibler Flächentarifverträge, der guten Zusammenarbeit der Tarifparteien sowie Erleichterungen bei der Kurzarbeit hätten die Unternehmen nach Berechnungen von Gesamtmetall rund 765 000 Beschäftigte halten können, für die es im vergangenen Jahr faktisch keine Aufträge gegeben habe.

Der Preis für die dramatische Unterauslastung der Betriebe sei hoch, sagte Kannegiesser. Die Beschäftigungssicherung habe „die finanziellen Reserven der Unternehmen aufgezehrt, das Eigenkapital abgeschmolzen, die Liquidität verknappt“. Diese Strategie könne deshalb nicht unbegrenzt fortgesetzt werden.

Vor diesem Hintergrund appellierte der Gesamtmetall-Präsident an den Gesetzgeber, das Kurzarbeitergeld während der gesamten Bezugsdauer, also auch über 2010 hinaus, von Sozialversicherungsbeiträgen zu befreien. Sonst werde das Instrument für viele Betriebe zu teuer, warnte er.

In der kommenden Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie ist die IG Metall nur dann zu einem Verzicht auf Entgelterhöhungen bereit, wenn eine verbindliche Sicherung von Arbeitsplätzen vereinbart werden kann. „Eine wirksame Beschäftigungssicherung ist sicherlich nicht zum Nulltarif zu haben“, sagte der Frankfurter Bezirksleiter Armin Schild in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Aus seiner Sicht seien im wichtigsten deutschen Industriezweig mit derzeit rund 3,4 Mio. Beschäftigten aktuell jeder fünfte, vielleicht sogar jeder vierte Arbeitsplatz konkret gefährdet.

Ein Viertel der Betriebe in seinem Bezirk, zu dem neben Hessen auch Rheinland-Pfalz, das Saarland und Thüringen gehören, stünden in diesem Jahr in der Gefahr der Zahlungsunfähigkeit, sagte Schild. Die Betriebsräte und Unternehmen bräuchten daher weitere Instrumente zur Vermeidung betriebsbedingter Kündigungen. „Es geht dabei auch um den Erhalt der industriellen Substanz Deutschlands und daher müssen alle Beteiligten auch zu ungewöhnlichen Maßnahmen bereit sein.“ Einen kompletten Verzicht auf Lohnerhöhungen solle es aber nicht geben.

„Es geht dabei bis auf weiteres nicht um Tarifverhandlungen im üblichen Sinne, sondern um Lastenteilung zwischen allen Beteiligten.

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