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03.02.2011

09:25 Uhr

Gewinn legt zu

Shell hängt BP ab

VonKatharina Slodczyk

Die stark gestiegenen Öl- und Gaspreise haben sich beim Ölkonzern Shell positiv bemerkbar gemacht. So konnte dieser seinen Überschuss im vergangenen Jahr fast verdoppeln. Höhere Wachstumsraten, ein üppigerer Gewinn und ein höherer Börsenwert: Der Ölkonzern hat mit seinem Rivalen BP die Rollen getauscht.

Ein Öltank von Shell in Rotterdam. Quelle: dpa

Ein Öltank von Shell in Rotterdam.

LONDON. Der Öl- und Gaskonzern Shell hat den Abstand zu seinem Erzrivalen BP deutlich vergrößert: Das britisch-niederländische Unternehmen konnte im vergangenen Jahr seinen Überschuss fast verdoppeln, indem es die Rohstoffförderung erhöhte sowie von gestiegenen Ölpreisen profitierte.

Der um Wertveränderungen von Lagerbeständen bereinigte Nettogewinn lag bei 18,6 Milliarden Dollar – nach 9,8 Milliarden Dollar im Vorjahr, teilte Shell gestern mit. Die Produktion stieg um fünf Prozent.

Größer hätte der Unterschied zu dem ärgsten Konkurrenten BP nicht ausfallen können: Ausgaben für die Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko haben dem britischen Unternehmen für 2010 den ersten Verlust seit fast zwei Jahrzehnten eingebrockt. Die Öl- und Gasförderung ist um neun Prozent gesunken, weil BP sich von Geschäftsteilen trennte. Mit den Einnahmen will der Konzern für die Folgen der Ölpest geradestehen.

Durch das Unglück haben sich die Rollen vertauscht: Shell hat BP überholt und knüpft an seine alte Form als europäischer Marktführer an. Der Konzern hat die höheren Wachstumsraten, den üppigeren Gewinn und ist an der Börse auch mehr wert als BP. Vor einem Jahr sah die Sache noch anders an.

Eine Zahl hat diese Entwicklung bei Shell gestern jedoch überschattet: Im vierten Quartal 2010 hat der Konzern einen um Sonderfaktoren bereinigten Gewinn von 4,1 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Das ist zwar 46 Prozent mehr als im Vorjahresquartal, aber weniger als Analysten erwartet hatten. Der Aktienkurs fiel im Tagesverlauf um mehr als drei Prozent. Das enttäuschende Abschneiden im abgelaufenen Quartal erklärte Shell-Chef Peter Voser in erster Linie mit den niedrigen Margen im Raffineriegeschäft. Experten sehen auch keine Besserung der Lage. Die Gewinnmargen bei der Weiterverarbeitung von Öl würden weiterhin wegen der Überkapazitäten im Raffineriegeschäft unter Druck stehen, sagen Analysten.

BP hat daher Anfang der Woche verkündet, sich von der Hälfte seiner Raffineriekapazitäten in den USA trennen zu wollen. Einige der Shell-Konkurrenten haben die niedrigeren Margen in diesem Geschäftsfeld durch einen deutlich größeren Ausbau ihrer Produktionsmenge auffangen können. So hat Exxon Mobil, der weltweit größte börsennotierte Ölkonzern, im abgelaufenen Quartal 19 Prozent mehr Öl und Gas gefördert als ein Jahr zuvor, profitierte daher stärker von den höheren Rohstoffpreisen und schaffte ein Gewinnplus von mehr als 50 Prozent. Chevron hat beim Überschuss sogar um 73 Prozent zugelegt. Im Durchschnitt kostete ein Barrel (159 Liter) Rohöl im vierten Quartal 85 Dollar, im Jahr zuvor waren es 76 Dollar.

Shell will sein Produktionswachstum weiter forcieren und für den Zeitraum 2009 bis 2012 ein Plus von elf Prozent erreichen. Daher hat der Konzern seine Investitionen zuletzt deutlich gesteigert. In diesem Jahr will Shell 25 bis 27 Milliarden Dollar ins Wachstum stecken.

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