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25.04.2013

10:10 Uhr

Gewinn stagniert

Anti-Baby-Pille kommt Bayer teuer zu stehen

Durch die Übernahme von Schering waren Anti-Baby-Pillen ins Portfolio des Bayer-Konzerns gelangt. In den USA kommen die Tabletten Bayer teuer zu stehen. Auch sonst kommt die Quartalsbilanz nicht gut an.

Bayer-Quartalszahlen

Bayer-Vorstand Dekkers: "Wir sind zuversichtlich"

Bayer-Quartalszahlen: Bayer-Vorstand Dekkers: "Wir sind zuversichtlich"

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FrankfurtBayer hat im Streit um gesundheitliche Folgen seiner Anti-Baby-Pillen Yasmin und Yaz inzwischen mehr als eine Milliarde Dollar für Vergleiche gezahlt. Bayer habe sich In den USA, ohne eine Haftung anzuerkennen, bis zum 15. April mit insgesamt 5700 Klägerinnen verglichen und dafür 1,18 Milliarden Dollar (900 Millionen Euro) gezahlt, teilte der Konzern am Donnerstag mit.

Der Gerichtsstreit in den USA um Thrombose-Gefahren der Bayer-Pillen hält schon Jahre an. Insgesamt haben Bayer zufolge bis Mitte April etwa 14.500 Frauen gerichtlich und außergerichtlich Ansprüche gestellt - verglichene Fälle abgezogen. Bayer vergleicht sich nur mit solchen Klägerinnen, bei denen gefährliche Blutgerinnsel, etwa Venenthrombosen oder Lungenembolien, aufgetreten sind. Die Anti-Baby-Pillen gehören zu den umsatzstärksten Präparaten von Bayer. Mit den Verhütungsmitteln Yaz/Yasmin/Yasminelle setzte Bayer 2012 zusammen weltweit 1,05 Milliarden Euro um.

150 Jahre Bayer

Anfänge als Farbenfabrik

Die Geschichte des Weltkonzerns Bayer beginnt 1863 in Wuppertal-Barmen. Der Kaufmann Friedrich Bayer und der Färber Johann Friedrich Weskott gründen die Firma „Friedr. Bayer et. comp.“. Sie stellt zunächst synthetische Farbstoffe her.

Expansion und Umzug

Das Unternehmen wächst schnell, ebenso die Produktpalette – etwa um ein Medikament namens Aspirin. Bereits 1881 wird die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die „Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co.“. Im Zuge der Expansion zieht das Unternehmen 1912 nach Leverkusen um, dem heutigen Hauptsitz.

Die Wirren der Weltkriege

Weil Deutschland während des Ersten Weltkriegs international isoliert ist, schließen sich 1916 Bayer, BASF und Agfa zu einer Interessensgemeinschaft zusammen, die beispielsweise die schlechte Versorgung mit Rohstoffen verbessern soll. 1925 fusionieren die Unternehmen zur I.G. Farbenindustrie AG. In der NS-Zeit ist die IG Farben eng mit dem Regime verknüpft.

Neustart ins Wirtschaftwunder

Nach Kriegsende lebt Bayer als eigenständiges Unternehmen wieder auf: 1951 wird nach Zustimmung der Alliierten die „Farbenfabriken Bayer AG“ neu gegründet. Die Firma profitiert vom Wirtschaftswunder und expandiert bald auch international. Sie entwickelt und vermarktet chemische Produkte, Kunststoffe, Arzneien und Pflanzenschutzmittel.

Großer Umbruch

1999 trennt sich Bayer von seiner Tochter Agfa, 2005 von großen Teilen des Chemiegeschäfts, die inzwischen unter dem Namen Lanxess eigenständig weitergeführt werden. Ausgebaut hat der Konzern hingegen das Geschäft mit Gesundheit und Agrarwirtschaft, unter anderem durch den Zukauf der Crop-Science-Sparte von Aventis sowie der Übernahme von Schering.

Zudem hat ein schwaches Kunststoffgeschäft den Pharma- und Chemiekonzern zum Start in sein Jubiläumsjahr gebremst. Zwar schoben die Agrarchemie und neue Medikamente den Gewinn von Bayer im ersten Quartal an. In der Kunststoffsparte machten dem Konzern, der dieses Jahr sein 150-jähriges Bestehen feiert, aber eine flaue Nachfrage in Europa und gestiegene Rohstoffkosten zu schaffen.

Der um Sondereinflüsse bereinigte operative Gewinn (Ebitda) nahm daher im Auftaktquartal nur leicht um 0,4 Prozent auf 2,45 Milliarden Euro zu, wie Bayer am Donnerstag mitteilte. Analysten hatten mehr erwartet. An der Börse kam der Zwischenbericht nicht gut an. Die Bayer-Aktie büßte im frühen Handel 1,2 Prozent ein und war damit zweitgrößter Verlierer im Dax.

Chemieindustrie in Deutschland

Überraschend guter Jahresschluss

Das Schlussquartal 2012 ist für die deutsche Chemieindustrie überraschend gut ausgefallen. Produktion, Preise wie auch Branchenumsatz haben gegenüber dem Vorquartal zugelegt. Im Gesamtjahr war die Produktion allerdings rückläufig (-3,1 Prozent), damit verpasste die drittgrößte Industriebranche Deutschlands den zunächst erwarteten Rekordumsatz von 186,6 Milliarden Euro (+1,3 Prozent). Die Beschäftigtenzahl stieg um 2 Prozent auf 437 000.

Optimistischer Ausblick

Der Branchenverband VCI erwartet 2013 ein Umsatzplus von etwa 2 Prozent auf 190 Milliarden Euro. Die Produktion werde um 1,5 Prozent steigen, die Preise würden um 0,5 Prozent anziehen. Der VCI geht davon aus, dass sich „die Auftriebskräfte weiter durchsetzen“. Vor allem werde eine große Nachfrage außerhalb Europas erwartet, aber auch das Inlandsgeschäft stimme bislang zuversichtlich.

Sorgenvoller Blick nach Brüssel

Mit Sorgen blickt die Chemiebranche nach Brüssel, wo die EU-Kommission die deutschen Strompreisbefreiungen für die Großindustrie unter die Lupe nehmen will. Obwohl nur 60 der über 1600 Chemieunternehmen von den EEG-Entgelten befreit seien, drohten empfindliche Mehrbelastungen und Verzerrungen im internationalen Wettbewerb, warnt der VCI. Die Belastungen der Chemie-Industrie würden von jetzt 800 Millionen Euro auf rund 2,1 Milliarden Euro steigen. Derzeit könne man die Entwicklung nur abwarten.

Zukunft Spezialchemie

Die Zukunft der Chemieindustrie in Deutschland sieht der VCI in einer weiteren forschungsintensiven Spezialisierung. Laut einer Studie des Forschungsinstituts Prognos im Auftrag des VCI wird der Anteil der Spezialchemie bis ins Jahr 2030 von jetzt 43,3 auf 46,6 Prozent der Produktion ansteigen. Dafür sei eine jährliche Aufstockung des Forschungsbudgets um vier Prozent notwendig. Deutschland werde zwar nicht mit dem globalen Chemiewachstum mithalten können, aber weiterhin ein wichtiger Anbieter nach China, USA, Japan und Indien bleiben.

An seinem Ausblick für das Gesamtjahr hielt Konzernchef Marijn Dekkers fest. "Insgesamt sehen wir für das Geschäftsjahr 2013 weiterhin eine attraktive Perspektive", erklärte Dekkers. Er stellte wie bisher einen Umsatzanstieg von vier bis fünf Prozent auf rund 41 Milliarden Euro in Aussicht - Währungseinflüsse sowie Zu- und Verkäufe herausgerechnet. Seinen bereinigten operativen Gewinn (Ebitda) will Bayer im mittleren einstelligen Prozentbereich erhöhen.

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