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15.02.2006

14:39 Uhr

Gewinne unter großen Opfern

Lego verdient wieder an seinen Bauklötzen

Der dänische Spielwarenkonzern Lego hat die Hoheit über die Kinderzimmer zurückerobert. Dem fortschreitenden Erfolg der Computerspiele zum trotz ist das Unternehmen in die Gewinnzone zurückgekehrt.

HB BILLUND/MÜNCHEN. Wie das Familienunternehmen am Mittwoch mitteilte, konnte 2005 ein Vorsteuergewinn von 702 Mill. Kronen (94 Mill. Euro) gegenüber einem Verlust von 1,7 Mrd. Kronen im Vorjahr eingefahren werden. Der Umsatz stieg um 12 Prozent auf 7,1 Mrd. Kronen. Die Gruppe habe ihr Ergebnis „entscheidend verbessert“, hieß es bei der Vorstellung der Bilanz in der Konzernzentrale in der Kleinstadt Billund (Jütland), wo das legendäre Plastikklotz-System in einer Tischlerei erfunden worden war.

In München nannte der Lego-Geschäftsführer für Zentraleuropa, Dirk Engehausen, die überdurchschnittlich positive Entwicklung in Deutschland als wichtigstem Absatzmarkt „besonders erfreulich“. Lego konnte in Zentraleuropa einschließlich Deutschland ein Umsatzplus von 19,3 Prozent auf auf 213 Mill. Euro verbuchen und holte sich damit nach eigenen Angaben die 2003 an den US-Konzern Mattel verlorene Marktführerschaft zurück. „Wir werden nach diesem Erfolg die Konzentration auf das Kerngeschäft weiter betreiben und keine dramatischen neuen Experimente durchführen“, sagte Engehausen.

Lego war seit Ende der neunziger Jahr infolge der weltweit zunehmenden Verdrängung von klassischem Kinderspielzeug durch Computer und Elektronik immer stärker in Bedrängnis geraten. Mehrere Anläufen zum Aufspringen auf den Markt mit PC-Spielen scheiterten. Nach den dramatischen Verlusten 2004 entschloss sich die Eignerfamilie Kristiansen zur Rückbesinnung auf das klassische Kerngeschäft mit Bauklötzen, verbunden mit erheblichen Stellenstreichungen und Produktionsverlagerungen in Niedriglohnländer.

Im vergangenen Jahr verkaufte die Familie Kristiansen alle vier Lego-Familienparks, darunter auch den im süddeutschen Günzburg, für 375 Mill. Euro an den britische Finanzivestor Blackstone. Dies habe die finanziell angespannte Lage des Konzerns „deutlich verbessert“, hieß es bei der Veröffentlichung der Bilanz.

Konzernchef Jørgen Vig Knudstorp meinte zum Gesamtergebnis: „Lego ist auf dem richtigen Weg, aber noch nicht im Hafen.“ Die zuletzt erreiche Ertragsrate von 6,5 Prozent müsse verdoppelt werden. Dazu will Lego nach weiteren Möglichkeiten zur Produktionsverlagerung aus Westeuropa in Billiglohnländer suchen. Bereits seit längerem steht fest, dass aus der Schweiz 300 bis 400 sowie aus dem dänischen Stammwerk 100 Arbeitsplätze nach Tschechien verlagert werden.

„Auch 2006 wird ein schwieriges Jahr für uns“, meinte Knudstorp und verwies auf die anhaltende Schrumpfung des weltweiten Spielzeugmarktes. In diesem Rahmen wolle Lego seine „Marktposition als zwar kleineres, aber finanziell stärkeres und wettbewerbsfähigeres Unternehmen halten“.

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