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31.07.2013

16:56 Uhr

Gewinneinbruch bei VW

Weltspitze um jeden Preis

VonLukas Bay

Das Ein-Liter-Auto XL1 zeigt, was VW kann. Mit hohen Investitionen zieht Konzernchef Martin Winterkorn in den Dreikampf mit General Motors und Toyota. Doch jetzt ist der Gewinn eingebrochen. Hat VW den Bogen überspannt?

VW-Chef Martin Winterkorn profitiert von den guten Verkaufszahlen in China. AP

VW-Chef Martin Winterkorn profitiert von den guten Verkaufszahlen in China.

WolfsburgNormalerweise sollte ein Gewinneinbruch von fast 35 Prozent Alarm auslösen. Doch bei Volkswagen haben sie die Ruhe weg. Denn die Gründe für den Einbruch im Ergebnis vor Steuern auf 6,6 Milliarden Euro sind keine Gefahr für den zukünftigen Erfolg. „Wir haben nach einem verhaltenen Jahresstart deutlich an Boden gutgemacht und in einem schwierigen Marktumfeld ein solides Ergebnis erzielt“, sagte Konzernchef Martin Winterkorn am Mittwoch.

Zum einen wurde das Vorjahresergebnis durch Sondereffekte der Porsche-Übernahme verzerrt. Porsche war im August 2012 komplett unter das Konzerndach geschlüpft, vorher flossen die Gewinne noch gar nicht in das operative Ergebnis ein - insofern ist das operative Ergebnis nur bedingt vergleichbar. Mittlerweile trägt die Sportwagenschmiede Porsche knapp 1,3 Milliarden Euro zum operativen Gewinn bei.

Zum anderen hat Volkswagen viel Geld in neue Werke, Antriebe und Modelle gesteckt. Daher ist auch der Rückgang des operativen Gewinns ist in den ersten sechs Monaten um zwölf Prozent auf 5,8 Milliarden Euro keineswegs beunruhigend – sondern eine Investition in die Zukunft. Kein Wunder, dass der Kurs trotz der durchwachsenen Halbjahresbilanz sogar leicht zulegt. Insbesondere das zweite Quartal besser verlaufen als erwartet.

Der Zeitplan ist klar abgesteckt: bis 2018 will Volkswagen zum größten Autohersteller der Welt aufsteigen. Um den Branchenprimus Toyota abzulösen, will VW die Japaner in ihrer Königsdisziplin schlagen: spritsparende Antriebe. Dafür nehmen die Wolfsburger Milliarden in die Hand. Allein im ersten Halbjahr stiegen die Investition in die reine Modellentwicklung um 55 Prozent auf rund eine Milliarde Euro.

Die Entwicklungspläne von VW sind beeindruckend. 60 neue Fahrzeugmodelle sollen in den nächsten Jahren vorgestellt werden, daran arbeiten für den Konzern 44.000 Ingenieure. 50,2 Milliarden Euro will der Konzern in seine Werke, Produkte und Technologien investieren. „Ein klarer Schwerpunkt unserer Investitionen ist die weitere Internationalisierung“, sagt Konzernchef Martin Winterkorn. Weltweit unterhält der Konzern 100 Werke und beschäftigt 550.000 Mitarbeiter. Zehn neue Werke sollen in den nächsten Jahren hinzukommen.

Die zehn größten Autohersteller Europas

Platz 10

Nissan

Verkaufte Fahrzeuge: 0,35 Millionen (-2,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 9

Toyota

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Toyota und Lexus: 0,43 Millionen (- 2,0 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 8

Daimler

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz und Smart: 0,56 Millionen (+5,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 7

Fiat Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Fiat, Lancia/Chrysler, Alfa Romeo, Jeep: 0,62 Millionen (- 8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 6

BMW Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken BMW und Mini: 0,64 Millionen (+ 0,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 5

Ford

Verkaufte Fahrzeuge: 0,75 Millionen (-4,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 4

General Motors

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Opel, Vauxhall, Chevrolet, GM: 0,8 Millionen (- 5,6 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 3

Renault Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Renault, Dacia: 0,89 Millionen (+1,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 2

PSA Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Peugeot und Citroën: 1,11 Millionen (-10,3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 1

Volkswagen

Verkaufte Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Seat, Skoda: 2,49 Millionen (-2,6 Prozent gegenüber Vorjahr)

Quelle

Bis 2015 will der Konzern zwei Drittel seiner Gesamtinvestitionen in neue Technologien und Antriebe investieren, insgesamt sind 33 Milliarden Euro im Etat vorgesehen. Ein Schlüsselrolle nehmen dabei der Plug-In-Hybride ein – Fahrzeuge, die sowohl elektrisch als auch mit einem Verbrennungsmotor angetrieben werden.  Mit dem XL1 zeigte VW bereits auf dem Autosalon in Genf, wie die Zukunft aussehen könnte. Der Antrieb könnte bald schon im Kleinstwagen Up eingesetzt werden. Zuletzt kursierten auch Gerüchte, dass die Plug-in-Hybrid-Version des neuen Golf schon Anfang 2014 auf den Markt kommen könnte – ein Jahr früher als geplant.

Den frischen Wind hat die Kernmarke dringend nötig. Mit knapp 1,5 Milliarden Euro lag ihr operativer Gewinn im ersten Halbjahr rund ein Drittel unter dem Vorjahreswert. Im ersten Quartal war er sogar um rund die Hälfte eingebrochen. Die Vertriebskosten, die den Trend zu Rabatten widerspiegeln, liegen rund 700 Millionen Euro über dem Niveau der ersten Jahreshälfte 2012.

Kommentare (7)

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OldFox

31.07.2013, 15:50 Uhr

VW ist eben nicht so sehr die Getriebene der Kapitalmaerkte, wie z.B. Siemens. Investitionen bedingen nun mal Konsum- (sprich Gewinn/Dividenden-) verzicht. Dass bei Siemens ausgerechnet der Finanzvorstand zum CEO gekuert wurde, erklaert den Unterschied zu nach wie vor stark von Familieninteressen gepraegten Unternehmen wie VW, Henkel und anderen. Piech und Winterkorn haben eben langfristige Visionen. Siemens wird noch mehr zum 'Quartalshopper'. Schade.

Vom.Feldherrnhuegel

31.07.2013, 16:23 Uhr

Wieder ein VW-Jubelbericht wie er zuletzt nahezu täglich in den verschiedenen Medien erschien.

Die mittelfristige Vision von Piech & Co., weltweit die Nr. 1 im Massensegment, die Nr. 1 im Premiumsegment und die Nr. 1 im LKW-Segment zu werden, ist aus meiner Sicht reichlich pathologisch und hat bereits jetzt einen veritablen Absatzkrieg ausgelöst.

Ob VW zum Schluss zu den Gewinnern gehört, ist mehr als fraglich. VWs einseitige Abhängigkeit von China und die zunehmenden (Abwehr-)Kooperationen der übrigen Wettbewerber untereinander kann dem Moloch aus Wolfsburg noch einen Strich durch die zukünftige Rechnung machen.

Solange VW in USA bei Monatszulassungen um die 40 Td. herumkrebst und Toyota Absätze von ca. 200 Td. hat, wird so schnell nichts mit dem überholen.

audi

31.07.2013, 16:41 Uhr

Audi ist, wie Bentley oder Skoda eine gut erzogen und brave Tochter der Volkswagen-Mutter. Trotzdem verhält sich Volkswagen wire eine liebe Mutter und läßt auch der (oft sehr frechen - ) Tochter audi sehr viele Freiheiten.

Aber am Ende haben die Töchter zu gehorchen und gerade am Beispiel SKODA kann sich Audi ein sehr gutes Beispiel nehmen, wie man sich am Kunden orientiert. Skoda fügt sich sehr gut in das Konzernverständnis ein und leifert gute Produkte zu günstigen Preisen und das in der bewährten VW-Qualität.

Audi dagegen ist oft etwas zu frech und sollte hin und wieder mal daran denken, dass wir von Volkswagen ihnen das viele Geld geben, damit sie durch Vorsprung führen und nicht nur durch Überheblichkeit.

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