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21.01.2009

13:48 Uhr

Gewinneinbruch

Saudis verdienen kaum noch mit Chemie

VonSiegfried Hofmann

Die Chemiebranche steckt in einer tiefen Krise. Nun muss auch der arabische Petrochemiekonzerns Sabic verkünden, dass sein Gewinn um 96 Prozent eingebrochen ist. Obwohl die Araber ein deutlich besseren Zugang zu billigem Öl haben, leiden auch sie unter dem weltweiten Preisverfall für Chemieprodukte.

Firmensitz unter Palmen: Auch dem saudischen Chemieriesen Sabic brechen die Gewinne weg. Foto: Reuters Reuters

Firmensitz unter Palmen: Auch dem saudischen Chemieriesen Sabic brechen die Gewinne weg. Foto: Reuters

FRANKFURT. Einen Tag, nachdem BASF einen starken Geschäftseinbruch für Dezember und Januar meldete, lieferte gestern der arabische Konzern Sabic ein weiteres Signal für die derzeit extrem schwierige Lage in weiten Teilen der Chemiebranche.

Der saudische Konzern, der als erster Vertreter der Industrie konkrete Zahlen für das vierte Quartal 2008 vorlegte, verbuchte in diesem Zeitraum einen Rückgang des Nettogewinns um 96 Prozent auf nur noch 311 Mio. Saudi Rial (SAR), umgerechnet rund 64 Mio Euro. Der operative Gewinn lag mit 1,6 Mrd. SAR (335 Mio Euro) um 86 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Da es bis zum Herbst noch wesentlich besser lief, weist Sabic für das Gesamtjahr nur einen Rückgang des operativen Gewinns um neun Prozent auf umgerechnet rund 7,7 Mrd. Euro aus.

Den scharfen Einbruch im vierten Quartal führt das Sabic-Management auf Absatzeinbußen und einen beschleunigten Preisverfall zurück. Im Gesamtjahr sei die Produktion um zwei Prozent gewachsen, die Absatzmengen um ein Prozent geschrumpft. Das deutet darauf hin, dass das Unternehmen seine Lagerbstände beträchtlich erhöht hat.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass der saudische Konzern dank seiner günstigen Rohstoffbasis einen erheblichen Kostenvorteil gegenüber den meisten Konkurrenten genießt - ein Umstand, der ihm trotz starker Kursverluste in den letzten Tagen nach wie vor die höchste Börsenbewertung in der gesamten chemischen Industrie sichert.

Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund geben die sehr schwachen Zahlen für das vierte Quartal von Sabic einen deutlichen Hinweis auf den dramatischen Absturz in der Branche. Das gilt insbesondere für den Bereich der Petrochemie, das heißt die ersten Produktionsstufen nach dem Rohbenzin (Naphtha). Dort werden vor allem chemische Basisbausteine wie Ethylen, Propylen und Benzol sowie daraus abgeleitete Sekundärprodukte wie Polyethylen oder Polypropylen gefertigt. Deren Preise lagen im vierten Quartal nach Daten des Marktforschungs-Unternehmens CMAI teilweise unter den Preisen, die die Hersteller für die eingekauften Rohstoffe bezahlen mussten. Analysten von HSBC schätzen den Preisverfall bei einer Gruppe wichtiger Chemieprodukte im vierten Quartal auf durchschnittlich mehr als ein Fünftel.

Ähnlich wie Sabic und BASF dürften daher auch die meisten anderen Großchemiekonzerne, darunter Dow Chemical, die britische Ineos und die Chemiesparten der großen Ölkonzerne im vierten Quartal herbe Gewinnrückgänge verbucht haben. Die niederländische Lyondell-Basell-Gruppe musste als Folge des Chemie-Einbruchs und eines hohen Cash-Verbrauchs zum Jahresende Gläubigerschutz für ihre gesamten US-Aktivitäten beantragen. Im Dezember waren die meisten Anlagen von Lyondell-Basell laut einer Präsentation des Managements nur noch zu 50 bis 65 Prozent ausgelastet. CMAI schätzt die Auslastung in der Ethylen-Produktion auf nur noch 60 Prozent im Dezember.

Die BASF, die wesentlich stärker im Spezialchemie-Geschäft vertreten ist, nutzt ihre globale Kapazität nach eigenen Angaben derzeit nur noch zu weniger als 75 Prozent und hat am Montag für einzelne Teilbereiche erstmals seit 1993 wieder Kurzarbeit eingeführt. Gegenüber dem Vorjahr dürfte der Ludwigshafener Konzern damit seine Produktion mehr als ein fünftel gekürzt haben.

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