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22.01.2014

11:15 Uhr

Gewinneinbruch

Solargeschäft ruiniert Bosch das Jahr

Bosch verbucht erneut eine heftige Belastung aus der Solarsparte. Insgesamt kommen mittlerweile 3,7 Milliarden Verlust zusammen. Im Automobilgeschäft läuft es besser – doch das Solardebakel wird damit nicht wettgemacht.

Soalrfertigung in Arnstadt: Das ehemalige Bosch-Werk gehört mittlerweile Solarworld. dpa

Soalrfertigung in Arnstadt: Das ehemalige Bosch-Werk gehört mittlerweile Solarworld.

StuttgartDie Krise der Solarbranche in Deutschland hat dem Technologiekonzern Bosch bisher einen Verlust von 3,7 Milliarden Euro eingebrockt. Im vergangenen Jahr seien nochmals 1,3 Milliarden Euro an Belastungen durch die defizitäre Photovoltaik angefallen, erklärte das Unternehmen am Mittwoch. Von 2008 bis 2012 hatte Bosch bereits 2,4 Milliarden Euro verbrannt. Die starke Konkurrenz aus China und Überkapazitäten hatten die Preise für Solartechnik in Deutschland rapide sinken lassen und etliche Unternehmen in die Pleite getrieben.

Die Stuttgarter hatten im Frühjahr 2013 den völligen Ausstieg aus der Photovoltaik beschlossen und im Herbst ihre Solarmodulfertigung im thüringischen Arnstadt an Solarworld verkauft. Jetzt steht noch die Veräußerung der deutschen Solartochter Aleo Solar und eines Modulproduzenten in Frankreich aus. „Wir streben einen zügigen Abschluss an“, sagte Bosch-Chef Volkmar Denner. Es könne aber noch einige Wochen oder Monate dauern. In diesem Jahr werde das Konzernergebnis voraussichtlich nur noch geringfügig belastet.

Die weltweit größten Automobilzulieferer

Platz 10

Faurecia - 18,03 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Das Schicksal des Autozulieferers ist eng verbunden mit PSA Peugeot/Citroën. Derzeit stagnieren die Geschäfte. Zum Portfolio gehören Sitze und Emissionskontrollsysteme.

Platz 9

Aisin Seiki - 18,92 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Japaner gehören zur Toyota-Gruppe und produzieren etliche Komponenten für die Autoindustrie, darunter Getriebe und Navigationssysteme.

Platz 8

Michelin - 20,25 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Der französische Reifenriese musste zuletzt erneut Rückschläge beim Absatz hinnehmen. Neben Reifen stellt das Unternehmen aus Clermont-Ferrand auch Navigationssysteme her.

Platz 7

Johnson Controls - 20,93 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die US-Amerikaner aus Milwaukee konzentrieren sich die Zulieferung von Sitzen, Türen und Instrumenten. Damit legte der Umsatz zuletzt leicht zu.

Platz 6

Hyundai Mobis - 23,25 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Koreaner sind Teil des riesigen koreanischen Hyundai-Imperiums und zählen zu den wichtigsten Zulieferern für die Autobauer Hyundai und Kia. Gebaut werden Sicherheitssysteme, Airbus, Lampen und Antriebsstränge.

Platz 5

Bridgestone / Firestone - 24,62 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

In der Gummiverarbeitung sind die Japaner sogar weltweit führend. In Frankreich, Italien, Polen und Spanien betreiben sie eigene Werke.

Platz 4

Magna - 24,95 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Unter der Führung der schillernden Österreichers Frank Stronach wuchs der Konzern - und kann nahezu alle Bauteile selbst Produzieren. Fahrgastzellen, Sitze, Antrieb und Elektronik gehören zum Portfolio des Unternehmens.

Platz 3

Denso - 27,79 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Japaner verloren zuletzt wieder Marktanteile. Kunden sind insbesondere die großen japanischen Autobauer. Das Unternehmen baut unter anderem Klimaanlage, Antriebsstränge und Elektronik.

Platz 2

Robert Bosch - 30,7 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Der zweitgrößte Autozulieferer der Welt ist in Stuttgart daheim. Neben Benzin- und Dieselsystemen baut Bosch auch Multimedia-Systeme, Bremsen, Elektronik und Batterien für etliche große Autohersteller .

Platz 1

Continental - 33,32 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Aus Hannover in die Welt: Neben den bekannten Reifen liefert Conti auch Sicherheits- und Telematiksysteme, Steuerinstrument und die Elektronik für Antriebsstränge. Im Vergleich zum Vorjahr legte der Umsatz damit leicht zu.

Die Autosparte mit 30 Milliarden Euro Umsatz erholt sich derweil schneller als angekündigt und hält damit Denner den Rücken für den Konzernumbau frei. Der Umsatz stieg dort um sieben Prozent. Im Herbst waren noch fünf Prozent angekündigt worden. Die Rendite vor Steuern in der Sparte beträgt über 8 Prozent, deutlich mehr als zuletzt erwartet.

Der Umsatz des Gesamtkonzerns wuchs 2013 um 2,7 Prozent auf 46,4 Milliarden Euro. Ohne das Solar-Debakel hätte Bosch vor Steuern rund sechs Prozent oder 2,78 Milliarden Euro verdient. Mit Berücksichtigung der Sparte waren es nur drei Prozent Umsatzrendite. Details zum Ergebnis sowie endgültige Zahlen für 2013 will der Konzern erst am 30. April vorlegen.

Neue Marktsegmente will Bosch nun vor allem mit internetfähigen Haushaltsgeräten erschließen. „Strategisches Ziel von Bosch sind Lösungen für das vernetzte Leben“, kündigte Denner an. Demnach will das Unternehmen künftig all seine elektronischen Geräte internetfähig machen. „Die Vernetzung wird allen unseren Arbeitsbereichen neue Möglichkeiten eröffnen“, sagte Denner.

Die Stuttgarter hatten bereits im Dezember angekündigt, eine neue Gesellschaft für das Internet der Dinge und Dienste zu gründen. Die Bosch Connected Devices and Solutions GmbH soll dazu vernetzte Sensoren und Software liefern (Interview mit den Geschäftsführern). Beispiele für den Einsatz sind Lichter, die sich automatisch ein- und ausschalten oder auch selbstschließende Fenster bei einem Gewitter.

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Kommentare (10)

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HofmannM

22.01.2014, 10:54 Uhr

Wer nicht hören will, der muss fühlen!
Die sog. Erneuerbaren Energien sind nicht marktfähig und dieses ganze "Erneuerbare Energie Geschäft" beruht auf staatlichen Subventionen. Bosch, Siemens usw. haben sich durch diese EEG-Subvention anlocken lassen und damit die Frage nach der Marktfähigkeit von Fotovoltaik und Windmühlen komplett aussen vorgelassen. Das ist nun die Quittung, die die Marktwirtschaft in Form von Verlusten an Bosch und co. Im Bereich EE ausstellt!

Bitty

22.01.2014, 11:32 Uhr

Mit dieser Meinung würden Sie heute noch ein Pferd vor Ihrer Kutsche haben!

Spartacus

22.01.2014, 11:33 Uhr

In China dürfen nur Solarmodule verkauft werden, die auch dort produziert worden sind. Wenn ich Bundeskanzler wäre, würden in Europa nur Module aus europäischer Produktion verkauft werden.
Jetzt will man sich auf Bügeleisen und Kühlschränke konzentrieren, die im Internet surfen können.
Mir wären flexible Solarmodule auf meinem Autodach lieber, die meine Autobatterie aufladen könnten.

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