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12.04.2011

09:26 Uhr

Gewinnrückzahlung

MAN soll an Ferrostaal zahlen

VonMartin Murphy, Markus Fasse

ExklusivAuf dem Gerichtsweg versucht der Industriedienstleister Ferrostaal an die ehemalige Muttergesellschaft MAN zurück geführte Gewinne einzuklagen. Die Affäre um das Unternehmen wird damit zunehmend komplizierter.

Logo des Essener Industriedienstleisters Ferrostaal. Quelle: dpa

Logo des Essener Industriedienstleisters Ferrostaal.

Frankfurt, München In der Ferrostaal-Affäre werden immer neue Rechnungen aufgemacht: Der Essener Industriedienstleister verlangt nun von der früheren Muttergesellschaft MAN abgeführte Gewinne der Vergangenheit zurück. Da MAN eine Rückzahlung ablehnt, versucht Ferrostaal, die Forderung auf dem Gerichtsweg durchsetzten.

Mit Datum vom 17. März dieses Jahres erwirkte das Unternehmen einen Mahnbescheid über 25,3 Millionen Euro gegen MAN. Das Papier liegt dem Handelsblatt vor.

Der Nutzfahrzeugkonzern, der im März 2009 die Mehrheit an den arabischen Staatsfonds IPIC abgegeben hatte, weist die Geldforderung entschieden zurück. „Wir haben gegen den Mahnbescheid Widerspruch eingelegt“, sagte ein Sprecher des Nutzfahrzeugkonzerns. Der Ferrostaal-Aufsichtsrat, dem ein Vertreter von MAN angehört, hat den Mahnbescheid nicht abgesegnet. Ferrostaal wollte sich zu dem Vorgang nicht äußern.

Die Zahlungsaufforderung aus Essen ist offenbar erst der Anfang. Ferrostaal hat bei einer Revision der Jahresabschlüsse 1999 bis 2008 einen Betrag von 103 Millionen ausgemacht, den das Unternehmen bei MAN geltend machen will. Die Forderung hängt dem Vernehmen nach direkt mit zweifelhaften Zahlungen zusammen, die eine interne Untersuchung ans Tageslicht gefördert hatte.

Ferrostaal wird von einer Korruptionsaffäre erschüttert, rund um den Globus sollen Mitarbeiter bei Aufträgen geschmiert haben. Bewiesen ist davon bislang nichts.

Das könnte sich aber bald ändern: Am Montag hat die Staatsanwaltschaft München die erste Anklage im Fall Ferrostaal bekanntgegeben. Einem Prokurist und einem Vorstandsmitglied von Ferrostaal wird vorgeworfen, U-Boot-Verkäufe in Griechenland und Portugal mit insgesamt 62 Millionen Euro Schmiergeld angeschoben zu haben.

Ferrostaal hatte zuvor versucht, das Verfahren gegen sich durch Zahlung eines Bußgelds beizulegen. Dies scheiterte jedoch, da der Konzern die von der Staatsanwaltschaft geforderte Summe von 196 Millionen Euro nicht aus eigener Kraft aufbringen konnte. Bei dem Prozess gegen die Ex-Manager wollen die Ermittler daher Ferrostaal mit ins Visier nehmen, um auf diesem Weg ein Bußgeld einzutreiben.

Eine außergerichtliche Einigung mit dem Essener Unternehmen ist laut Justizkreisen mit der Anklage vom Tisch. Auch in künftigen Prozessen soll Ferrostaal mit auf die Anklagebank kommen.

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