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24.07.2013

15:46 Uhr

Gewinnsprung

Dreamliner-Pannen können Boeing nichts anhaben

Airbus-Rivale Boeing legt beim Gewinn kräftig zu. Während der Langstreckenflieger Dreamliner weiterhin Probleme macht, floriert das Geschäft mit Mittelstreckenfliegern. Nun hebt der Flugzeugbauer auch die Prognose an.

Die Boeing 787 auch bekannt als Dreamliner machte zuletzt Negativschlagzeilen. AFP

Die Boeing 787 auch bekannt als Dreamliner machte zuletzt Negativschlagzeilen.

New YorkBoeing steckt die Pannenserie bei seinem Prestigeflugzeug Dreamliner überraschend gut weg. Der US-Rivale des europäischen Flugzeugbauers Airbus steigerte Gewinn und Umsatz im zweiten Quartal unerwartet kräftig und hob seine Jahresprognose an. Vor allem die große Nachfrage nach Verkehrsmaschinen habe das Ergebnis angetrieben, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Die Kunden lassen sich offenbar von der monatelangen Zwangspause für den 787 Dreamliner nicht abschrecken und setzen weiter auf Boeing-Flieger. Anleger reagierten erfreut: Die Aktie stieg vorbörslich um zwei Prozent auf ein Rekordhoch von 109,62 Dollar.

„Das starke Ergebnis im ersten Halbjahr und die positiven Aussichten ermöglichen es uns, die Ziele für Gewinn und Umsatz anzuheben“, erklärte Konzernchef Jim McNerney. Das Nettoergebnis legte um 13 Prozent auf rund 1,1 Milliarden Dollar zu. Der Umsatz stieg um neun Prozent auf 21,8 Milliarden Dollar. Mit einem Umsatzplus von 15 Prozent florierte vor allem das Geschäft mit Verkehrsflugzeugen. Hier lieferte Boeing im abgelaufenen Quartal 169 Maschinen aus nach 150 Flugzeugen vor einem Jahr. Darunter waren auch sechs mehr Dreamliner als im Vorjahr. Zu der positiven Entwicklung hätten neben der Lösung der Batterieprobleme beim Dreamliner auch der erfolgreiche Start der neuen spritsparenden Version 787-10 beigetragen, erklärte McNerney.

Boeing kommt wie Airbus zugute, dass viele Fluggesellschaften, die die Maschinen meist erst Jahre später bekommen, auf ein Ende der Wirtschaftsflaute und der europäischen Schuldenkrise setzen. Nach Schätzungen des Flugverbands IATA soll sowohl der Passagier- und Frachtverkehr vor allem in Asien in den kommenden Jahren zulegen. Hinzu kommt, dass sich viele Investoren bei der Suche nach hoher Rendite auf das einträgliche Verleihen von Flugzeugen stürzen.

Daher kamen die Dreamliner-Probleme für Boeing eigentlich zur Unzeit. Der neue Langstreckenflieger musste zu Jahresanfang wegen Batterieproblemen monatelang am Boden bleiben. Weil sich Lithium-Ionen-Akkus in mehreren Fällen überhitzten und es in zwei Maschinen zu einem Brand kam, hatten die Behörden die Starterlaubnis für die weltweit ausgelieferten 50 Flugzeuge Anfang des Jahres entzogen. Erst seit Mai kann der Konzern sein Prestigemodell wieder ausliefern. Seither kam es bereits zu neuen Zwischenfällen, bei denen die vom US-Industriekonzern Honeywell gelieferten Peilsender betroffen waren. Zudem gab es in einer Maschine Probleme mit der Kerosinpumpe.

Boeings beste Kunden im Jahr 2012

Platz 10

Air China - 14 ausgelieferte Flugzeuge

Besonders auf der Langstrecke vertraut die chinesische Airline auf die Boeing 777. Zuletzt unterschrieb die Airline einen Kaufvertrag für die 747-800.

Platz 9

China Southern - 15 ausgelieferte Flugzeuge

Seit Anfang 1990 setzt die chinesische Airline Boeing-Maschinen ein. Neben der 737 und der 767, sollen bald auch einige Boeing 777 in die Flotte aufgenommen werden.

Platz 8

Aviation Capital Group - 16 ausgelieferte Flugzeuge

Mit einer Bestellung von 60 Flugzeugen vom Typ 737 Max sorgte die Leasinggesellschaften für eine turbulenten Start ins Jahr. Bereits im Vorjahr gehörte das US-Unternehmen zu den Großkunden von Boeing.

Platz 7

Emirates - 17 ausgelieferte Flugzeuge

Mit ihrem erfolgreichen Expansionskurs setzten die arabischen Airlines ihre europäische Konkurrenz unter Druck. Durch einen Riesenauftrag über 60 neue 777 gehört auch Boeing zu den Profiteuren.

Platz 6

All Nippon Airways - 19 ausgelieferte Flugzeuge

Die Japaner waren die erste Fluggesellschaft, die den "Dreamliner" in die Flotte aufnehmen durfte.

Platz 5

GECAS - 20 ausgelieferte Flugzeuge

Die Flugzeugleasingsparte von General Electrics gehört ebenfalls zu den Großkunden. Durch einen Auftrag über 100 Boeing 737 dürfte sich daran in den nächsten Jahren nichts ändern.

Platz 4

Ryanair - 20 ausgelieferte Flugzeuge

Der irische Billigflieger droht zwar immer wieder damit, zu anderen Flugzeugherstellern zu wechseln. Bisher besteht die Flotte aber ausschließlich aus Flugzeugen vom Typ Boeing 737.

Platz 3

Lion Air - 22 ausgelieferte Flugzeuge

Ein 22-Milliarden-Dollar-Auftrag der indonesischen Airline ließ die Branche im Februar 2012 aufhorchen. Auch die Südostasiaten setzen auf die 737.

Platz 2

American Airlines - 25 ausgelieferte Flugzeuge

Die amerikanische Airline mit den Silberpfeilen muss dringend ihre Flotte modernisieren und setzt auf Flugzeuge aus der Heimat.

Platz 1

Southwest Airlines - 25 ausgelieferte Flugzeuge

Gleichauf liegt Konkurrent Southwest, der seine Flotte mit 208 neuen Boeing 737 aufrüsten will und dafür die stolze Summe von 19 Milliarden Dollar investiert.

Etwas weniger gut lief es für Boeing allerdings im Rüstungs- und Raumfahrtgeschäft, dass von den staatlichen Sparzwängen in den USA betroffen ist. In der Rüstungssparte stieg der Gewinn zwar um sechs Prozent auf 373 Millionen Dollar. Der Umsatz ging dagegen um vier Prozent auf 3,9 Milliarden Dollar zurück. In der Raumfahrtsparte wuchs der Überschuss um ein Prozent auf 137 Millionen Dollar und die Erlöse legten um fünf Prozent auf rund zwei Milliarden Dollar zu.

Die Airbus-Mutter EADS will ihre Zahlen am 31. Juli vorlegen.

Von

rtr

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