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06.12.2016

17:53 Uhr

Gipfel von Automobilzulieferern

VW steht zum Zukunftspakt Rede und Antwort

Eine Millionen Elektroautos will VW bis 2025 auf die Straße bringen. Doch ein Großteil der niedersächsischen Zulieferer ist noch auf Verbrennungsmotoren spezialisiert. Die Branche ist beunruhigt.

Politiker und Vertreter von Automobilzulieferern diskutierten in Hannover über die Auswirkungen des VW-„Zukunftspakts“ auf die Branche der Autozulieferer. dpa

Autozulieferer

Politiker und Vertreter von Automobilzulieferern diskutierten in Hannover über die Auswirkungen des VW-„Zukunftspakts“ auf die Branche der Autozulieferer.

HannoverNiedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies will Autozulieferer möglichst früh in den Umbau im VW-Konzern einbeziehen. Es bestehe die berechtigte Sorge, ob das Beschäftigungsniveau und die Innovationsfähigkeit im Bundesland zu halten seien, sagte der SPD-Politiker nach einem Treffen des Konzerns mit Zulieferern und Verbänden am Dienstag in Hannover. Die Unternehmen dürften deshalb nicht erst beim Einkauf von Komponenten gefragt sein, sondern müssten schon in die Entwicklung neuer Produkte eingebunden werden.

An dem zweistündigen Gespräch nahmen am Dienstag rund 25 Vorstände von niedersächsischen Unternehmen aus der Zuliefererbranche teil. Das Wirtschaftsministerium hatte das Treffen vermittelt. VW sollte die Automobilzulieferer über die Auswirkungen des „Zukunftspakts“ aufklären.

Der Automobilhersteller hatte zuletzt unter anderem den Abbau von 23 000 Jobs und eine stärkere Ausrichtung auf Elektroautos sowie Digitalisierung angekündigt. Der Konzern will Vorreiter bei diesen Themen werden und bis 2025 eine Million Elektrofahrzeuge auf die Straße bringen.

Noch immer lieferten 75 Prozent der Unternehmen Teile und Technik für Verbrennungsmotoren, sagte der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen, Volker Müller. „Die Betroffenheit der Industrie bei der Transformation von Verbrennungsmotor in Richtung Elektromotor ist enorm.“

Die Zulieferindustrie in Deutschland und Niedersachsen

Wichtiger Arbeitgeber

Die Automobilzulieferindustrie gehört in Deutschland zu einem der wichtigsten Arbeitgeber. Knapp 305.000 Menschen arbeiteten im September laut Zahlen des Verbandes der Automobilindustrie in der Branche. Das waren rund 1400 Menschen mehr als im Vorjahresmonat. Auch der Umsatz der Zulieferer blieb mit 57,3 Milliarden Euro in den ersten neun Monaten dieses Jahres trotz der Krise bei Europas größtem Autobauer VW stabil.

VW als zentraler Auftraggeber

Rund ein Drittel der Beschäftigten in der Industrie arbeitet nach Angaben des Arbeitgeberverbands Niedersachsenmetall in Niedersachsen. Für viele der Unternehmen ist VW der wichtigste Auftraggeber. Große Konzerne wie Continental, BASF, Wabco, Bosch und Johnson Controls entwickeln und produzieren Produkte für den Wolfsburger Konzern. Geliefert wird fast alles: Anbauteile, Innenausstattung, Getriebe und natürlich die immer wichtiger werdende Software.

Treiber von Entwicklung und Innovation

„Die Zulieferer stellen nicht nur die Teile her. Sie sind selbst wesentliche Treiber von Entwicklung und Innovationen“, sagte Christian Budde vom Arbeitgeberverband Niedersachsenmetall. Die Unruhe bei den Zulieferern ist nach der Ankündigung eines Strategiewechsels bei Volkswagen deshalb nachvollziehbar. „Dieser Umbauprozess wird die nächsten Jahre beherrschen und bringt auch für die niedersächsischen Zulieferer gravierende Veränderungen mit sich“, teilte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) vor einem Gipfeltreffen am Dienstag in Hannover mit.

VW habe am Dienstag den Zulieferern deshalb die konkreten Absatzzahlen für E-Autos erläutert, auf die sich die Zulieferer einstellen könnten, hieß es vom Wirtschaftsminister. „Wir müssen dafür sorgen, dass Niedersachsen das Land ist, wo die Zukunftstechnologien in der Elektromobilität und in der Digitalisierung auch entwickelt werden können.“ Zuversichtlich stimme in diesem Zusammenhang, dass VW sich bei der Produktion von Batteriezellen für den Standort Salzgitter entschieden habe.

Ein Bestandteil der neuen VW-Strategie sieht auch vor, die überbordende Vielfalt an Bauteilen einzuschränken. Doch was bedeutet das für die Zulieferer, die von dieser Vielfalt bislang profitierten? VW habe am Dienstag den Anwesenden auch darauf eine Antwort geliefert, sagte Lies. Die Industrie könne fortan auf verlässliche Stückzahlen setzen. Das sei auch eine Chance. „Es geht nicht darum, um die Renditeerwartung zu erfüllen, den Druck auf die Zulieferindustrie zu erhöhen“, sagte Lies.

Von

dpa

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