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27.02.2004

07:59 Uhr

Industrie

Gläubiger sollen Kontrolle über Parmalat bekommen

Der angesehene Firmensanierer Enrico Bondi will bei dem zusammengebrochenen Lebensmittelkonzern Parmalat hart durchgreifen. In der kommenden Woche wird Insolvenzverwalter Bondi Leitlinien eines neuen Strategieplans für das Unternehmen präsentieren.

Enrico Bondi

Enrico Bondi will einen strikten Sparkurs fahren. Foto: dpa

mab MAILAND. Wie gestern aus Regierungskreisen verlautete, soll Bondi Parmalat auf die beiden Kerngeschäftsfelder Milchvermarktung und Fruchtsäfte mit den Vertriebsschwerpunkten Europa, Nordamerika und Australien zusammenstreichen. Diverse Sparten wie Backwaren und ausländische Töchter werden verkauft. Zudem soll Bondi einen strikten Sparkurs fahren, um die Ertragskraft zu steigern und die Rohmarge – also das Verhältnis zwischen Umsatz und Ertrag vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) – von zuletzt 3% bis 2006 mindestens zu verdoppeln.

Bondi hofft, mit den Maßnahmen das Überleben des Ende Dezember nach einem Bilanzskandal zusammengebrochenen Unternehmens ermöglichen zu können. Neben dem industriellen Teil der Strategie wird Bondi auch Grundzüge der Finanzierung und der künftigen Eigentümerstruktur bekannt geben. Demnach werden die Gläubiger in einem noch unbekannten Verhältnis ihre Forderungen an Parmalat in Aktien wandeln können. Das betrifft sowohl zahlreiche italienische und internationale Banken als auch Anleger, die Obligationen des Unternehmens halten. Insgesamt betragen die Verbindlichkeiten mehr als 14 Mrd. Euro.

Die Familie Tanzi, die bis zur Pleite den Konzern mit 52 % kontrolliert hat, bleibt bei der Restrukturierung außen vor. Mehrere Mitglieder der Sippe, unter anderem Unternehmensgründer Calisto sowie dessen Kinder Francesca und Stefano, sind inhaftiert und werden sich in einem Prozess wegen betrügerischen Bankrotts verantworten müssen.

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