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08.09.2011

16:30 Uhr

Gläubigerschutz

Saab wehrt sich gegen den Untergang

Der schwedische Autohersteller Saab ist mit seinem Antrag auf Gläubigerschutz gescheitert. Eine Insolvenz gilt als unausweichlich. Doch Konzernchef Muller will das Ende der Traditionsmarke noch verhindern.

Das Logo des schwedischen Automobilherstellers Saab. dapd

Das Logo des schwedischen Automobilherstellers Saab.

Das Ende von Saab scheint besiegelt. Das zuständige Gericht im schwedischen Vänersborg lehnte den Gläubigerschutz für den Autohersteller am Donnerstag ab. Der Eigentümer von Saab, Swedish Automobile, wollte das Unternehmen unter Gläubigerschutz noch versuchen zu retten.

Konzernchef Victor Muller kündigte an, gegen die gerichtliche Ablehnung Berufung einzulegen. Er sei von der Entscheidung des Gerichts überrascht und enttäuscht, sagte Muller dem Rundfunksender SR.

Der Hersteller mit Kultstatus unter Freunden technisch anspruchsvoller Autos ist seit längerem akut angeschlagen und konnte Ende August die Löhne und Gehälter für die 3700 Beschäftigten im Stammwerk Trollhättan nicht mehr auszahlen. Die Produktion liegt seit fünf Monaten still. Unter Gläubigerschutz wäre Saab von einem Zwangsverwalter geleitet worden und wäre vor Insolvenzanträgen vorerst sicher gewesen, die stehen jetzt ins Haus. Nur so können die Mitarbeiter an ausstehende Löhne und Gehälter kommen. Unmittelbar nach Bekanntgabe der ablehnenden Entscheidung kündigten Gewerkschaftsvertreter einen entsprechenden Antrag wahrscheinlich schon in den nächsten Tagen an.
Das schwedische Unternehmen hat nach eigenen Angaben kurzfristige Schulden von umgerechnet 770 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr wurden nur 13 000 Autos abgesetzt. Am Saab-Stammsitz Trollhättan nördlich von Göteborg war für die fälligen Lohnzahlungen zum Monatsende kein Geld mehr in der Kasse. Schwedens Wirtschaftsministerin Maud Olofsson nannte die ablehnende Entscheidung des Gerichts „überraschend“.

Das Gericht begründete seinen ablehnenden Bescheid mit unzureichenden Angaben des Unternehmens darüber, wie eine dauerhafte Sanierung finanziert werden solle. „Die Produktion konnte trotz aller Anstrengungen seit Ende März nicht in Gang gehalten werden“, monierte das Gericht in seiner schriftlichen Begründung.

Auch seien die Angaben über eine von zwei chinesischen Unternehmen zugesagte Finanzierung über 245 Millionen Euro „sehr allgemein gehalten“ und unzureichend. Der niederländische Saab-Chef und -Eignervertreter Victor Muller hatte den angekündigten Einstieg des relativ kleinen chinesischen Autoherstellers Youngman und des Großhändlers Pang Da als entscheidende Weichenstellung für das Wiederanlaufen der Produktion bezeichnet.

In dem öffentlich zugänglichen Gerichtsantrag bezifferte Konzern-Chef Victor Muller die kurzfristigen Schulden des Unternehmens auf umgerechnet 6,9 Milliarden Kronen (769 Mio Euro). Saab hat im ersten Halbjahr nach Angaben seiner Eignergesellschaft Swedish Automobile 224 Millionen Euro Verluste eingefahren. Auch der Absatz stagniert. Auch bedingt durch Produktionsausfälle waren nur 13
000 Autos abgesetzt worden. Seit April stehen die Bänder in Trollhättan fast permanent still.

Muller hatte die Hoffnung auf eine Sanierung im Antrag auf Gläubigerschutz vor allem mit Zusagen der chinesischen Auto-Unternehmen Pang Da und Youngman begründet. Durch Kosteneinsparungen ab 2013 könne man auch mit „unter 100 000 verkauften Autos pro Jahr“ profitabel werden, hieß es weiter. Es sei beabsichtigt, alle Forderungen von Gläubigern voll zu befriedigen. Das ist nun wohl Vergangenheit.

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