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03.02.2016

15:32 Uhr

Glaxosmith-Kline

Für Witty wird die Luft dünn

VonCarsten Herz

Seit Jahren hinkt der Pharmakonzern Glaxosmith-Kline der Konkurrenz hinterher. Neue Medikamente kurbeln nun die Geschäfte an. Doch Boss Andrew Witty darf sich keine Fehler mehr erlauben – sonst droht ihm eine Rebellion.

Ungeduldige Investoren fordern vom GSK-Chef drastische Maßnahmen. Reuters

Andrew Witty

Ungeduldige Investoren fordern vom GSK-Chef drastische Maßnahmen.

LondonAndrew Witty ist daran gewöhnt, in langen Zeiträumen zu denken. Drei Jahrzehnte hat der größte britische Pharmakonzern Glaxosmith-Kline, dessen Chef der Brite ist, an einem Impfstoff gegen die Tropenkrankheit geforscht – nun steht das Medikament vor der Zulassung.

Doch zum Leidwesen des 51-Jährigen, der 1985 als Trainee bei dem Pharmagiganten anfing, ist es mit der Geduldsphase seiner Investoren deutlich kürzer bestellt. Seit Jahren entwickelt sich der Konzern, kurz GSK genannt, schwächer als die Konkurrenz. Immer wieder litt der Konzern in den vergangenen Jahren unter enttäuschenden Ergebnissen und einem Korruptionsskandal in China. Für Witty, der am Mittwoch in London durchwachsene Jahreszahlen vorlegte, könnte deshalb in den nächsten 12 Monaten die Stunde der Wahrheit schlagen. Der Glaxo-Boss muss beweisen, dass seine Rezeptur für Großbritanniens größten Pharmakonzern anschlägt – und das möglichst bald.

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Das Jahr der Entscheidung. Denn GSK hat für die nächsten fünf Jahre – bei konstanten Wechselkursen – seinen Investoren einen Anstieg des Konzernumsatzes im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich pro Jahr versprochen. „Wir haben 2015 massive Fortschritte gemacht und sehen uns gut positioniert, um im laufenden Jahr den Erholungskurs auszubauen“, betonte Witty in einer Telefonkonferenz nach Vorlage der Jahreszahlen. Es ist ein Versprechen, bei dem es für den Vorstandsboss um mehr als nur um die Karriere geht. Für den Mann an der Spitze geht es auch um den Erhalt des gesamten Konzerns in seiner bisherigen Struktur.

Die Rufe der ungeduldigen Investoren nach drastischen Maßnahmen werden lauter, um den Wert der Glaxo-Aktie nach oben zu katapultieren – und die Werte des Konzerns offenzulegen. Das hat einen triftigen Grund: Glaxo ist in den vergangenen Jahren einer der größten Underperformer der Branche gewesen. Seit 2010 sind die Jahresumsätze um nahezu zehn Prozent gefallen und das Ergebnis pro Aktie um fast 30 Prozent. Das sorgte dafür, dass der Aktienkurs des Glaxo-Papiers nahezu unverändert blieb, während sich der entsprechende Branchenindex in dieser Periode rund verdoppelte.

Die jüngsten Jahreszahlen, die Witty in London vorlegte, konnten die Hoffnungen der Investoren auf eine grundlegende Wende allerdings noch nicht restlos erfüllen. Die steigende Nachfrage nach neuen Medikamenten machte zwar die Verluste beim wichtigen Asthmamittel Advair wett. Der Umsatz legte im vierten Quartal um zwei Prozent auf umgerechnet 8,35 Milliarden Euro zu.

Auch im Gesamtjahr 2015 lagen die Erlöse im Kerngeschäft mit einem Plus von vier Prozent auf 23,9 Milliarden Pfund im Rahmen der Erwartungen. Aber der Gewinn pro Aktie brach im vierten Quartal um 34 Prozent auf 18,1 Pence ein – und im Gesamtjahr sah das Bild mit einem Minus von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 75,7 Pence pro Aktie nicht viel besser aus.

Umso mehr hängt das Schicksal des Konzerns nun von der Entwicklung des Geschäfts im laufenden Jahr ab. Wittys Turnaround-Plan setzt dabei vor allem auf eine Rückkehr der wichtigen Sparte mit Lungenmitteln und Atemwegs-Präparaten auf die Wachstumsspur. Denn der Kern von Glaxos Problem ist der Niedergang von dessen bestverkauften, aber allmählich in die Jahre kommenden Asthma-Medikaments Advair. Wachsender Preisdruck in Europa und neue Nachahmer-Mittel der Konkurrenz ließen seit 2013 die Umsätze mit Advair um die Hälfte schrumpfen.

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