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18.01.2013

06:15 Uhr

Globaler Trend

Standort Deutschland wird immer beliebter

VonHans Christian Müller-Dröge

ExklusivFrankreich, England und Spanien schwächeln, doch Deutschland ist bei ausländischen Investoren immer beliebter. Das Ansehen von „Made in Germany“ hat entgegen dem internationalen Trend zugelegt.

Besonders in Düsseldorf steigen die Investitionen ausländischer Unternehmen. obs

Besonders in Düsseldorf steigen die Investitionen ausländischer Unternehmen.

DüsseldorfAusländische Firmen haben ihre Aktivitäten in Deutschland deutlich ausgeweitet. Das geht aus dem neuen „Global Location Trends“-Report des IBM-Konzerns hervor, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Demnach starteten ausländische Unternehmen im Jahr 2011 weit über 600 große neue Investitionsprojekte - und schufen dabei mehr als 26.000 neue Jobs. Im Vergleich zu 2010 ist das ein Plus von 77 Prozent.

Deutschland springt damit im IBM-Ranking vom 15. auf den achten Platz und koppelt  sich vom internationalen Trend ab: Weltweit ist die Zahl neuer Auslandsprojekte im Vergleich zu 2010 um acht Prozent gesunken. Während auch in Großbritannien, Frankreich und Spanien mehr investiert wurde, verzeichneten die USA, aber auch die Schwellenländer China, Indien und Russland zweistellige Rückgänge.

Label im Wandel - "Made in Germany"

Video: Label im Wandel - "Made in Germany"

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Die neuen Wachstumsmärkte der deutschen Exporteure

Malaysia

Fast fünf Prozent Wachstum jährlich werden dem aufstrebenden Land bis 2025 vorausgesagt. Im gleichen Zeitraum könnte sich das Bruttoinlandsprodukt verdoppeln. Ein Grund dafür ist die wachsende Wettbewerbsfähigkeit. Im internationalen Standort-Vergleich des World Economic Forum belegt Malaysia Platz 25, knapp hinter Deutschlands wichtigstem Handelspartner Frankreich (21), aber noch vor China (29) und Italien (42). "Malaysia ist eine der offensten Volkswirtschaften der Welt", lobt das Prognos-Institut.

Indonesien

Das muslimisch geprägte Land lockt mit einem riesigen Binnenmarkt: Indonesien ist gemessen an der Bevölkerung die Nummer vier der Welt. 240 Millionen Einwohner leben hier. Bis 2060 wird Indonesien zur sechstgrößten Volkswirtschaft der Welt aufrücken und Deutschland überholen, sagt die Industriestaaten-Organisation OECD voraus. "Das rohstoff- und bevölkerungsreiche Land wird 2012 und 2013 um mehr als sechs Prozent wachsen", prognostiziert der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). "Die Wirtschaft des Inselreichs profitiert von niedrigen Zinsen und einer niedrigen Inflation."

Kolumbien

Reiche Rohstoffvorkommen von Kohle über Öl und Gold bis zu Seltenen Erden, die Öffnung der Volkswirtschaft und nicht zuletzt eine deutlich verbesserte Sicherheitslage durch die Friedensgespräche mit den marxistischen FARC-Rebellen lassen auch hier ein jährliches Wirtschaftswachstum um die fünf Prozent erwarten. Für die Weltbank zählt Kolumbien zur Spitzengruppe in den lateinamerikanischen Staaten, wenn es um den Schutz geistigen Eigentums und Regulierung geht. "Das Land wird damit für ausländische Investoren interessanter", so der DIHK. Zusätzliche Impulse kommen von dem in Kraft getretenen Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union. Der DIHK hält deshalb sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten Steigerungsraten von mehr als 20 Prozent für möglich.

Peru

Noch mehr Wachstum wird Peru vorausgesagt: Sechs Prozent kann die Wirtschaftsleistung dort pro Jahr zulegen. Auch Peru hat ein Freihandelsabkommen mit der EU unterzeichnet und verfügt über viele Rohstoffe. Der DIHK hält deshalb ein Ausweitung des Handels um mehr als 20 Prozent für möglich. Besonders gefragt sein dürften Fahrzeuge. Dieser Markt lockt dem Prognos-Institut zufolge mit jährlichen Steigerungsraten von sieben Prozent.

Tunesien

Das World Economic Forum hält Tunesien, wo der arabische Frühling begann, für das wettbewerbsfähigste Land Afrikas. "Zu den größten Pluspunkten gehören die geografische Nähe zu Europa, eine belastbare Infrastruktur sowie die günstigen Lohnkosten", betont das Prognos-Institut. "Das Bildungssystem ist im regionalen Vergleich gut ausgebaut. Zudem haben zahlreiche Tunesier im Ausland studiert."

Vietnam

Schon jetzt zählt das asiatische Land mehr Einwohner als Deutschland, 2025 sollen es fast 100 Millionen sein. "Die konsumfreudige und zunehmend kaufkräftige Bevölkerung verspricht ein gewaltiges Absatzpotenzial: In kaum einem anderen Land Asiens wächst die Mittelschicht schneller als in Vietnam", so das Prognos-Institut. Mehr als sechs Prozent jährlich soll das Bruttoinlandsprodukt zulegen. Vietnam verfügt über unzählige billige Arbeitskräfte. Viele Unternehmen haben ihre Produktion deshalb schon aus dem teurer werdenden China in das Nachbarland verlagert.

Das wichtigste Land für Auslandsinvestitionen bleibt aber weiterhin China, gefolgt von Indien und den USA. Für 2012 liegen zwar noch keine endgültigen Zahlen vor, doch rechnen Experten damit, dass in Deutschland ähnlich viele Auslandsinvestitionen getätigt wurden wie 2011.

„Die Firmen wollen nah dran sein an den Konsumenten und Handelspartnern des größten europäischen Marktes“, erklärt IBM-Forscher Roel Spee die steigende Beliebtheit Deutschlands für Firmen aus dem Ausland. Auch sei der deutsche Arbeitsmarkt durch die Reformen der letzten Jahre deutlich flexibler und somit attraktiver geworden. Am meisten profitiert davon Düsseldorf, wo ausländische Firmen 2011 fast dreimal so viele neue Stellen schufen wie noch 2010. Dahinter folgen Berlin und Frankfurt sowie München und Köln.

Die weltweit besten Industriestandorte

Platz 1

Die USA behaupten sich im IQ-Index auf dem ersten Rang. Dort waren die Vereinigten Staaten bereits 1995 zu finden.

Platz 2

Im Vergleich von 45 Industrienationen belegt Schweden den zweiten Rang. Seit 1995 hat sich Schweden damit um zwei Plätze verbessert.

Platz 3

Dänemark macht zwei Plätze gut und springt auf Rang 3. Skandinavien macht derzeit wirtschaftlich eine gute Figur.

Platz 4

Auch Deutschlands Nachbar Schweiz schafft es auf einen der vorderen Plätze – 1995 stand die Alpenrepublik noch auf Rang 7.

Platz 5

Deutschland macht den größten Sprung bei den Top-Industrienationen. 1995 sah das IW-Institut die Bundesrepublik noch auf Platz 14.

Platz 6

Knapp hinter Deutschland folgt Australien auf Platz 6 – sogar mit dem gleichen Indexwert aus den 58 einzelnen Kategorien.

Platz 7

Platz 7 geht an die Niederlande – damit verschlechtert sich unser Nachbar deutlich. Die Holländer lagen 1995 noch an zweiter Stelle des IW-Rankings.

Platz 8

Auch Kanada muss einen Rückschlag hinnehmen. Der nordische Nachbar der USA stürzt um satte fünf Plätze ab.

Kommentare (14)

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EuroHangover

18.01.2013, 07:16 Uhr

die EU moechte den Marken-Label "Made in Germany" einschraenken oder sogar verbieten. Deutsche Hersteller haetten durch diesen Guetesiegel unzulaessige Vorteile!

[...]

Bruessel schafft Deutschland ab!

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Huerlimann

18.01.2013, 07:31 Uhr

Billiglohnländer sind bei Investoren immer beliebt. Dazu gehört nun mal Deutschland dank Regierung und Gewerkschaften In der Schweiz gibt es derzeit Überlegungen, ob ein Mindestlohn unter 4000 CHF einführbar ist. Geht da jetzt machem ein kleines Licht auf?

Gast

18.01.2013, 08:07 Uhr

dann nichts wie rüber in die schweiz! Oder fehlt Ihnen vielleicht die Qualifikation für eine Job dort?

Wenn Ihnen die Qualifikation fehlt, worauf begründen Sie Ihren Anspruch, sich sagen wir 2000 Euro im Monat zahlen zu lassen, aber die besser qualifizierte Chinesin soll für 150 Euro im Monat Ihren PC zusammenbauen? Und das noch ohne soziales Netz, während Sie hier leistunsglos auf KV und Grundsicherung Anspruch haben?

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